openPR Recherche & Suche
Presseinformation

"Tischlein deck dich" in der Tiefsee

18.12.201722:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: "Tischlein deck dich" in der Tiefsee
Forschungsschiff Pelagia. Am Deck die CTD-Rosette. (Copyright: Gerhard Herndl)
Forschungsschiff Pelagia. Am Deck die CTD-Rosette. (Copyright: Gerhard Herndl)

(openPR) In den Oberflächenschichten des Meeres wird organisches Material produziert, das als Basis des Nahrungsnetzes dient. Nur rund 10 bis 20 Prozent des organischen Materials sinkt in die Tiefen des Ozeans und dient den Lebensgemeinschaften der Tiefsee als Nahrungsquelle. Der Abbau von organischem Material wird dort vorwiegend von einer komplexen mikrobiellen Gemeinschaft bewerkstelligt, deren Zusammensetzung und Stoffwechsel sich mit zunehmender Tiefe ändert. Ein internationales ForscherInnen-Konsortium konnte durch die Analyse faszinierende Einblicke in Ökologie und die biogeochemischen Prozesse hinter dem Kreislauf von Kohlenstoff und anderen Elementen gewinnen.



---
Im Oberflächengewässer betreiben einzellige Algen Photosynthese und teilen sich etwa alle zwei Tage. Diese einzelligen Algen stellen die Basis des ozeanischen Nahrungsnetzes dar. Der größte Teil dieser Algenbiomasse wird vom tierischen Plankton gefressen und deren Kotballen sinken dann als Partikelregen in die Tiefsee und dienen den Tiefseelebewesen als Nahrungsquelle. Der überwiegende Teil dieser Partikel wird von Mikroben zersetzt. Allerdings können diese Mikroben nur Nahrung in gelöster Form aufnehmen; d. h., diese organischen Partikel müssen durch mikrobielle Enzyme zuerst aufgelöst werden, bevor sie von den Mikroben aufgenommen werden können. Neben diesem Pool an partikulärem organischen Material gibt es auch einen Pool an gelöstem organischen Material, da alle Organismen im Ozean auch direkt oder indirekt gelöste Substanzen über ihre Oberfläche in das Wasser abgeben. Während sich die molekulare Zusammensetzung von partikulärem und gelöstem organischen Material im Oberflächengewässer relativ wenig unterscheidet, wird der Unterschied mit zunehmender Tiefe im Ozean immer größer. Änderungen in der molekularen Zusammensetzung des organischen Materials mit der Tiefe sollten auch Änderungen in den Aufnahmesystemen der Mikroben bedingen, mit denen sie die organischen Moleküle in die Zellen einschleusen.

"Proteinshake"
In der aktuellen Studie untersuchte ein Team um Kristin Bergauer und Gerhard J. Herndl von der Universität Wien gemeinsam mit KollegInnen aus Odense (Dänemark), Bremen (Deutschland) und Maine (USA) den Stoffwechsel der mikrobiellen Gemeinschaft im Atlantischen Ozean von 100 Meter bis über 4.000 Meter Tiefe. Im Fokus der Arbeit standen Transportproteine, die es den Mikroorganismen ermöglichen, Nährstoffe aus dem umgebenden Meerwasser aufzunehmen. Die ForscherInnen fanden erwartungsgemäß viele Veränderungen in den Transportwegen von organischem Material entlang dieses Tiefenprofils. Überraschenderweise gab es große Ähnlichkeiten in den zellulären Proteinen, die von Mikroben verwendet werden, um organisches Material abzubauen und mikrobielles Leben in der Tiefsee zu unterstützen. “Die Vielfalt dieser Transporter liefert derzeit die besten Hinweise auf die organischen und anorganischen Verbindungen, die tatsächlich von Mikroben aufgenommen werden“, so Gerhard Herndl, der Initiator der Studie.

Transportproteine liefern wichtige Hinweise
Erstaunlich war, dass die Häufigkeit von Transportproteinen mit der Tiefe zunimmt. Die Anzahl dieser Transporter stieg von 23 Prozent in 100 Meter Tiefe auf 39 Prozent in der Tiefsee an. "Wir vermuten, dass trotz der geringeren Konzentration an organischem Material in der Tiefsee heterotrophe Stoffwechselwege essenziell sind. Aufgrund der überraschenden Ähnlichkeit der Transportproteine der Mikroben vom Oberflächengewässer bis in die Tiefsee gehen wir davon aus, dass sich Tiefsee-Mikroben eher von dem Regen an organischen Partikel ernähren als vom Pool an gelöstem organischen Material", so Herndl.

Variante "A" oder Variante "B" im Speiseplan – nicht alle brauchen alles
Außerdem zeigte sich, dass nur wenige Transportproteine von Archaea (zwei Prozent gegenüber 69 Prozent von Bakterien) stammen, was darauf hindeutet, dass heterotrophe Bakterien den Konsum von organischem Material in der gesamten Wassersäule des Atlantischen Ozeans dominieren. "Bei den marinen Thaumarchaeota kann man nur wenige Transporter für organisches Material erwarten, da alle bisher kultivierten Thaumarchaeota die Energie aus der Ammoniak-Oxidation und Kohlenstoff aus der CO2 Fixierung gewinnen", erklärt Kristin Bergauer, die Erstautorin der Studie. Folglich produzieren marine Thaumarchaeota fast alle Proteine für den Transport von Ammonium, selbst in Oberflächengewässern.

Die Studie über den Abbau organischen Materials in der Tiefsee wurde unter anderem vom Wissenschaftsfonds (FWF) sowie vom European Research Council (ERC) gefördert. Die Arbeit ist Teil der Dissertation von Kristin Bergauer.

Publikation in "PNAS plus"
"Organic matter processing by microbial communities throughout the Atlantic water column as revealed by metaproteomics": Kristin Bergauer, Antonio Fernandez-Guerra, Juan A. L. Garcia, Richard R. Sprenger, Ramunas Stepanauskas, Maria G. Pachiadaki, Ole N. Jensen, Gerhard J. Herndl


Wissenschaftliche Kontakte
Gerhard J. Herndl und Kristin Bergauer
Department für Limnologie und Bio-Ozeanographie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-76431
M +43-664-60277-76431



Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-60277-175 33


Offen für Neues. Seit 1365.
Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.500 MitarbeiterInnen, davon 6.600 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 94.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit 174 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich.

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 986142
 749

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „"Tischlein deck dich" in der Tiefsee“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Universität Wien

Der Tastsinn. Drei Bücher
Der Tastsinn. Drei Bücher
Touchscreens, Tablets und Smartphones bestimmen unsere tägliche Interaktion mit der Umwelt. Unsere Finger sind immer „in touch“ mit dem Interface, das unseren Tastsinn ständig fordert. Seit einigen Jahren schon ist eine bemerkenswerte Konjunktur des Haptischen in der Film-, Medien- und Kulturwissenschaft zu beobachten, die mit einer verstärkten Einbeziehung des Tastsinns in medialen Praktiken korreliert: Textur, Touch und personalisierte Benutzeroberflächen dominieren den gegenwärtigen Mediengebrauch. Drei kürzlich erschienene Publikationen z…
Bild: Auch Rote Riesen brodelnBild: Auch Rote Riesen brodeln
Auch Rote Riesen brodeln
Utl. 40 Jahre alte Vorhersagen für fundamentalen Mechanismus der Astrophysik bestätigt Wenn die Suppe brodelt ist der physikalische Mechanismus der Konvektion dafür verantwortlich. Dieser spielt auch eine entscheidende Rolle im Leben der Sterne. Direkt beobachten konnte man ihn aber bisher nur auf der Sonne. Ein internationales ForscherInnenteam mit Beteiligung des Instituts für Astrophysik der Universität Wien konnte nun mittels aufwändiger Beobachtungen im Infrarotbereich erstmals zeigen, dass die für die Sonne verwendeten Modelle der Konv…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Klimafreundliche Metalle aus Tiefsee-ErzenBild: Klimafreundliche Metalle aus Tiefsee-Erzen
Klimafreundliche Metalle aus Tiefsee-Erzen
Auf den Punkt gebracht:• Der weltweite Bedarf an Kupfer, Nickel und Kobalt wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln. Die Produktion der Metalle aus Tiefsee-Manganknollen wäre unter anderem ohne Entwaldung möglich und würde deutlich weniger Abfall erzeugen.• Das Düsseldorfer Max-Planck-Team gewinnt aus den Tiefsee-Erzen durch bloßes Aufschmelzen in einem …
Tiefseebergbau: Transparentes Umweltmanagement muss gewährleistet werden
Tiefseebergbau: Transparentes Umweltmanagement muss gewährleistet werden
Welche Folgen hat der Abbau metallischer Rohstoffe in der Tiefsee für das Ökosystem Meer? Kann ein solcher Abbau auch umweltschonend gestaltet werden? Und wie kann die Einhaltung von Abbauregeln überwacht werden? Drei Jahre lang haben sich Forschende aus elf Nationen in dem am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordinierten Projekt „MiningImpact“ …
Fahrt zum Schuljahresende der Unterstufe der Montessori-Schule Geisenhausen
Fahrt zum Schuljahresende der Unterstufe der Montessori-Schule Geisenhausen
… fundierte wissenschaftliche Basis mit einer aufwändigen, ästhetisch anspruchsvollen Gestaltung kombinieren. So ist dies auch wieder mit der aktuellen Ausstellung zum Thema Tiefsee gelungen. Riesenkraken, leuchtende Fische, geisterhafte Quallen und urzeitliche Korallen: Die Ausstellung "Tiefsee" taucht ab in die faszinierende Unterwasserwelt - von der …
Wissenschaftlicher Bericht zur Tiefseeforschung: Forschende fordern mehr Wissen für nachhaltiges Management
Wissenschaftlicher Bericht zur Tiefseeforschung: Forschende fordern mehr Wissen für nachhaltiges Management
Wo beginnt die Tiefsee? Die Definition ist in der Wissenschaft und auch rechtlich durchaus nicht einheitlich. Für ihre gemeinsame Analyse des Stands der Tiefseeforschung haben sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Deep Sea and Ocean Health“ des European Marine Board (EMB) auf eine Tiefe ab 200 Metern geeinigt. Ab dieser Tiefe dringt kaum noch Sonnenlicht …
Bild: Besucheransturm in der Dresdner TiefseeBild: Besucheransturm in der Dresdner Tiefsee
Besucheransturm in der Dresdner Tiefsee
Zwischenbilanz: Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung begrüßt den 25000sten Besucher in der Tiefsee-Ausstellung Hohe Nachfrage: Sonderveranstaltungen oft ausgebucht Dresden, 21. Januar 2011 – Das erste große Ausstellungsprojekt der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Dresden erweist sich als wahrer Besuchermagnet: Rund zwei Monate …
Bild: Die TIEFSEE-Ausstellung startet in DresdenBild: Die TIEFSEE-Ausstellung startet in Dresden
Die TIEFSEE-Ausstellung startet in Dresden
Ab dem 4. November 2010 informiert http://tiefsee.senckenberg.de über die Inhalte der Ausstellung - Am 5. 2010 November öffnet die „Tiefsee“ im Japanischen Palais - Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zeigt die Vielfalt dieses besonderen Lebensraums und das Abenteuer Forschung hautnah - Erstes Highlight: Taschenlampenführungen am Abend des …
Gewinnspielverlängerung „Prinzessin auf der Erbse“ beim Sonntags-Brunch
Gewinnspielverlängerung „Prinzessin auf der Erbse“ beim Sonntags-Brunch
… wir uns kurzerhand entschlossen haben, diese bis einschließlich 22. Dezember 2013 zu verlängern“, erklärt Eigentümerin und Geschäftsführerin Gabriele Christ. Im Rahmen der sonntäglichen „Tischlein deck’ dich“-Brunches sind alle Gäste zwischen 12.30 und 14.00 Uhr dazu eingeladen, ein im Foyer des Hotels aufgebautes Prinzessinnen-Bett zu besteigen und - …
Bild: Ankunft der Tiefsee-Riesen in DresdenBild: Ankunft der Tiefsee-Riesen in Dresden
Ankunft der Tiefsee-Riesen in Dresden
24.09.2010: Pottwal, Riesenkalmar & Co. treffen in Dresden ein - Logistische Herausforderung: Die Giganten der Tiefsee müssen entladen und sicher in das Japanische Palais befördert werden - Spezialtechnik: Der riesige Pottwal fordert den Einsatz von Kran und Spezialrutsche Dresden, 20. September 2010 – die Tiefsee-Ausstellung der Senckenberg Gesellschaft …
Bild: Dresdner Riesenkalmar noch ohne NamenBild: Dresdner Riesenkalmar noch ohne Namen
Dresdner Riesenkalmar noch ohne Namen
Namenstag in der Tiefsee: Bis zum 15.04.2011 können Namensvorschläge für den Riesenkalmar unterbreitet werden Namenstags-Fest im Palais: am 21.04.2011 lädt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung alle Namenspaten ein Besucheransturm ungebrochen: Mehr als 50.000 Besucher in der Tiefsee-Ausstellung Dresden Dresden, 24. März 2011 – das große Interesse …
Letzte Gelegenheit: Tiefsee-Ausstellung schließt in wenigen Wochen
Letzte Gelegenheit: Tiefsee-Ausstellung schließt in wenigen Wochen
-Ausstellung endet bald: Das Abenteuer Tiefsee im Japanischen Palais Dresden öffnet am 31.08.2011 zum letzten Mal -Veranstalter zufrieden: Mehr als 75000 Besucher -Senckenberg sagt Danke: Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung bedankt sich bei den neugierigen Besuchern und allen, die das Abenteuer Tiefsee möglich gemacht haben Dresden, 10. August …
Sie lesen gerade: "Tischlein deck dich" in der Tiefsee