openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Treibjagd in der Petrischale

24.11.201712:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Treibjagd in der Petrischale
Agarplatte mit Grünalgen, auf die Bakterien (Mitte) bzw. Bakterien­extrakte aufgebracht sind. Im Zentrum ist deutlich ein gehemmtes Algenwachstum als Halo erkennbar.  (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)
Agarplatte mit Grünalgen, auf die Bakterien (Mitte) bzw. Bakterien­extrakte aufgebracht sind. Im Zentrum ist deutlich ein gehemmtes Algenwachstum als Halo erkennbar. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

(openPR) Wenn die Grünalgen Chlamydomonas reinhardtii auf Bakterien der Art Pseudomonas protegens treffen, ist ihr Schicksal besiegelt. Die nur etwa zwei Mikrometer großen Stäbchen umzingeln die etwa fünf Mal größeren Algen und attackieren sie mit einem tödlichen Giftcocktail. Die Algen verlieren daraufhin ihre Geißeln, verformen sich und sind nicht mehr in der Lage, sich zu vermehren. Den chemischen Mechanismus hinter dem effektiven Beutezug der Bakterien haben Botaniker und Naturstoffchemiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) – jetzt aufgedeckt.



---
Es ist ein schauriges Schauspiel, das sich Prasad Aiyar beim Blick durchs Mikroskop bietet. Der aus Indien stammende Doktorand, der zuvor für sein Masterstudium in „Molecular Life Sciences“ nach Jena gekommen ist, beobachtet auf einem Objektträger Mikroalgen der Art Chlamydomonas reinhardtii. Die rund zehn Mikrometer großen, oval geformten Einzeller tragen jeweils zwei Geißeln, mit deren Hilfe sie munter hin- und herschwimmen. Bis zu dem Moment, in dem Prasad Aiyar mit einer Pipette einen Tropfen einer Bakterienlösung dazu gibt. Die wesentlich kleineren Bakterien sammeln sich zu Schwärmen, die die Algen einkesseln. Nur anderthalb Minuten später verharren die Algen vollkommen reglos und beim genauen Betrachten ist zu erkennen, dass sie entgeißelt wurden.

Warum die Bakterien eine solch verheerende Wirkung auf die Grünalgen haben, konnten Jenaer Forscherinnen und Forscher jetzt aufdecken. Wie die Teams um Prof. Dr. Maria Mittag und Dr. Severin Sasso von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Prof. Dr. Christian Hertweck vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) – im Fachmagazin Nature Communications zeigen, spielt dabei eine chemische Substanz die zentrale Rolle (DOI: 10.1038/s41467-017-01547-8).

Orfamid A, so heißt die Substanz, ist ein zyklisches Lipopeptid, das die Bakterien zusammen mit anderen chemischen Verbindungen freisetzen. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass Orfamid A auf Kanäle in der Zellmembran der Algen wirkt, was zur Öffnung dieser Kanäle führt“, erläutert Dr. Severin Sasso das Ergebnis der Jenaer Studie. „Das führt zu einem Einstrom von Kalziumionen aus der Umgebung in das Zellinnere der Algen“, führt der Leiter der Arbeitsgruppe für Molekulare Botanik aus. Eine rasche Änderung der Konzentration von Kalziumionen ist ein verbreitetes Warnsignal für viele Zelltypen, das zahlreiche Stoffwechselwege reguliert. „Um die Veränderung des Kalzium-Spiegels in der Zelle beobachten zu können, haben wir das Gen für ein Photoprotein in die Grünalgen eingebracht, welches bei einer Erhöhung des Kalzium-Niveaus ein Aufleuchten verursacht. Somit kann man die Menge des Kalziums über das Leuchten messen“, erklärt Prof. Mittag, Professorin für Allgemeine Botanik. In manchen Fällen führen die Änderungen des Kalziums zu Änderungen in der Bewegungsrichtung, wie zum Beispiel nach Lichteinfall. In anderen Fällen, wie nach der Bakterienattacke verursachen sie ein Abfallen der Geißeln.

Chemische „Sprachforschung“

Die Teams haben zudem zeigen können, dass die Bakterien die Algen als Nährstoffquelle anzapfen können, wenn es ihnen an Nährstoffen mangelt. „Wir haben Hinweise, dass auch weitere Substanzen aus dem Giftcocktail, den die Bakterien freisetzen, dabei eine Rolle spielen“, so Maria Mittag. Diese wolle man nun, erneut in Zusammenarbeit mit den Teams von Prof. Hertweck und Dr. Sasso, ebenfalls aufspüren, um die chemische Kommunikation zwischen Algen und Bakterien genau zu verstehen.

Der chemischen „Sprachforschung“ zwischen Mikroorganismen und ihrer Umgebung haben sich zahlreiche Forschergruppen im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) „ChemBioSys“ verschrieben. Mikrobielle Artengemeinschaften kommen in nahezu jedem Lebensraum der Erde vor. „Dabei werden sowohl die Artenzusammensetzung als auch die Wechselbeziehungen von individuellen Organismen einer oder mehrerer Spezies durch chemische Mediatoren reguliert“, macht Prof. Hertweck deutlich, der Sprecher des SFBs ist und am HKI die Abteilung Biomolekulare Chemie leitet.

Ziel des interdisziplinären Forschungsverbundes ist es, die fundamentalen Kontrollmechanismen in den komplexen Biosystemen aufzuklären, die das gesamte irdische Leben prägen. „Wir wollen die Mechanismen verstehen lernen, über die mikrobielle Gemeinschaftsstrukturen entstehen und ihre Vielfalt erhalten bleibt.“ Denn davon hängen essentielle Lebensgrundlagen nicht zuletzt des Menschen ab: wie Nahrung oder Atemluft.

Das gilt auch für Mikroalgen wie Chlamydomonas reinhardtii. Solche Photosynthese-betreibenden Kleinstlebewesen (Phytoplankton) tragen zu rund 50 Prozent zur Fixierung des Treibhausgases Kohlendioxid bei und liefern als Nebenprodukt der Photosynthese den für uns lebensnotwendigen Sauerstoff. Mikroalgen, die im Süßwasser, nassen Böden oder den Weltmeeren vorkommen, bilden zudem eine wichtige Grundlage für die Nahrungsketten, besonders in aquatischen Systemen. So ernährt sich das Zooplankton in den Ozeanen von den Algen und dient zusammen mit diesen als Nahrungslieferant für Krebstiere, die wiederum Nahrung für Fische sind, bevor diese von größeren Raubfischen gefressen oder von Menschen gefangen werden. „Gemessen an der immensen Bedeutung der Mikroalgen für unser Leben, wissen wir noch erstaunlich wenig über die Grundlagen und das Zusammenspiel in ihrer Mikrowelt“, sagt Prof. Mittag.

Original-Publikation:
Prasad Aiyar et al. Antagonistic bacteria disrupt calcium homeostasis and immobilize algal cells, Nature Communications (2017), DOI: 10.1038/s41467-017-01547-8


Kontakt:
Prof. Dr. Maria Mittag, Dr. Severin Sasso
Biologisch-Pharmazeutische Fakultät der Universität Jena
Am Planetarium 1, 07743 Jena
Telefon: 03641 / 949201, 03641 / 949475
E-Mail: M.Mittag[at]uni-jena.de, severin.sasso[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:
- http://www.uni-jena.de

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 981943
 449

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Treibjagd in der Petrischale“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Demokratieverachtung. Autoritäre Dynamiken in der Zwischenkriegszeit und in der Gegenwart“
„Demokratieverachtung. Autoritäre Dynamiken in der Zwischenkriegszeit und in der Gegenwart“
Internationales Symposion des „Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“ und des „Imre Kertész Kollegs Jena“ vom 25. bis 27. Januar an der Friedrich-Schiller-Universität Jena / Anmeldung noch bis 19. Januar möglich --- „Demokratieverachtung. Autoritäre Dynamiken in der Zwischenkriegszeit und in der Gegenwart“ – so lautet das Thema eines internationalen Symposions, das das „Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“ und das „Imre Kertész Kolleg Jena“ gemeinsam vom 25. bis 27. Januar 2018 in der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranst…
Bild: Mit kurzen Wellen durch das WasserfensterBild: Mit kurzen Wellen durch das Wasserfenster
Mit kurzen Wellen durch das Wasserfenster
Physiker der Uni Jena entwickeln gemeinsam mit polnischen Kollegen die Optische Kohärenztomografie weiter --- In der Augenheilkunde ist sie bereits seit langem ein Klassiker, lässt sich doch durch sie einfach und sicher die Netzhaut durchdringen und dreidimensional darstellen: die Optische Kohärenztomografie. Doch was beim Auge funktioniert, wollen Physiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena auch für andere Anwendungsgebiete in der Mikroskopie weiterentwickeln. Gemeinsam mit Kollegen aus Warschau starten sie dafür im Januar 2018 ein For…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Dealjaeger.de: Das Power-Shopping geht weiter - Aufruf zur zweiten TreibjagdBild: Dealjaeger.de: Das Power-Shopping geht weiter - Aufruf zur zweiten Treibjagd
Dealjaeger.de: Das Power-Shopping geht weiter - Aufruf zur zweiten Treibjagd
… Social-Shopping-Marktführer Dealjaeger.de startet nach der erfolgreichen Reanimation des LetsBuyIt.com-Prinzips am kommenden Dienstag, den 6. Februar 2007, um 9 Uhr die zweite Treibjagd. Wieder sind 100 Nutzer aufgerufen, sich auf Dealjaeger.de für einen Kauf zusammenzuschließen, um gemeinsam bei einem kooperierenden E-Commerce-Händler einen einmaligen …
Bild: Neues Verfahren ermöglicht die Kultivierung menschlicher Gehirnschnitte in der PetrischaleBild: Neues Verfahren ermöglicht die Kultivierung menschlicher Gehirnschnitte in der Petrischale
Neues Verfahren ermöglicht die Kultivierung menschlicher Gehirnschnitte in der Petrischale
… Tübingen in der Fachzeitschrift Scientific Reports. Der entscheidende Trick der Tübinger Wissenschaftler: Sie nutzten menschliches Hirnwasser, um das Gewebe in der Petrischale zu kultivieren. Die Gewebekulturen waren auch nach drei Wochen anatomisch gut erhalten und funktionsfähig. Bislang versuchte man, Hirnschnitte in standardisierten Nährlösungen …
Bild: Neues Forschungsprojekt zur altersbedingten MakuladegenerationBild: Neues Forschungsprojekt zur altersbedingten Makuladegeneration
Neues Forschungsprojekt zur altersbedingten Makuladegeneration
Nachbau der AMD aus komplexen Zellsystemen in Petrischale „AMD in a dish – die altersabhängige Makuladegeneration in einer Schale“: Hinter diesem Titel verbringt sich ein neues Forschungsprojekt der Augenklinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, bei dem die Wissenschaftler um Priv.-Doz. Dr. Stephanie Joachim und Dr. rer. nat. Teresa …
Bild: Dealjaeger.de: Chancen für kleine Händler - einfach große Posten per Treibjagd verkaufenBild: Dealjaeger.de: Chancen für kleine Händler - einfach große Posten per Treibjagd verkaufen
Dealjaeger.de: Chancen für kleine Händler - einfach große Posten per Treibjagd verkaufen
Hamburg - Bei Dealjaeger.de läuft eine weitere Treibjagd. Wieder sind 100 Nutzer gesucht, um sich über Dealjaeger.de für einen gemeinsamen Kauf zusammen zuschließen. Das Angebot ist ein 4 GB USB-Stick des Elektronik-Händlers Stackswap.de, der für die Treibjagd einen deutlichen Mengenrabatt garantiert. Das Treibjagd-Angebot gilt zum kommenden Donnerstag, …
Bild: Kneipjagd - Treibjagd - Das K1 ermittelt im beschaulichen MittelfrankenBild: Kneipjagd - Treibjagd - Das K1 ermittelt im beschaulichen Mittelfranken
Kneipjagd - Treibjagd - Das K1 ermittelt im beschaulichen Mittelfranken
"Kneipjagd - Treibjagd" ist eine Kriminalerzählung von Bernd Heinz Werner, die ihren Lesern Hochspannung garantiert. Das Ermittlerteam muss einen besonders brutalen dreifachen Frauenmord aufklären. In den Kneipen der idyllischen mittelfränkischen Stadt Ansbach findet in diesem Jahr die sogenannte Kneip-Jagd statt. In über zwanzig Lokalen der historischen …
Nabelschnurblut findet in vielen Forschungsbereichen Anwendung
Nabelschnurblut findet in vielen Forschungsbereichen Anwendung
… charakterisieren wir Zellen und in vitro-Gewebesysteme. (Anm d. Red.: in vitro – Vorgänge die außerhalb des Organismus in einer künstlichen Umgebung, zum Beispiel Reagenzglas oder Petrischale stattfinden. Gegensatz: in vivo.) Dabei arbeiten wir sowohl mit „normalen“ Zellen aus Körpergeweben als auch mit Tumorzellen. Ziel dieser Arbeit ist es, ein Zellkultursystem …
Halbjahres-Bilanz: 12 Tote durch Jäger
Halbjahres-Bilanz: 12 Tote durch Jäger
… gehabt, wir feiern jetzt ihren Geburtstag zwei Mal." Wie sich herausstellte, hatte ein Jäger auf dem Feld geschossen. 20.1.15: Jagdprojektil durchschlägt Fenster "Geschoss bei Treibjagd fehlgeleitet", meldete die Polizei Wolfsburg am 20.1.2015. In Papenrode hatte ein Jagdprojektil das Fenster eines durchschlagen. Die Ermittler gehen davon aus, dass …
Bild: Dealjaeger.de reanimiert LetsBuyIt.com-Idee - Gruppen-Shopping wird wieder populärBild: Dealjaeger.de reanimiert LetsBuyIt.com-Idee - Gruppen-Shopping wird wieder populär
Dealjaeger.de reanimiert LetsBuyIt.com-Idee - Gruppen-Shopping wird wieder populär
Hamburg - Der Social-Shopping-Marktführer Dealjaeger.de startet heute in Kooperation mit führenden E-Commerce-Anbietern einen Service zum kollektiven Sparen: die Dealjaeger.de-Treibjagd. Nutzer können ab jetzt regelmäßig auf Dealjaeger.de ausgewählte Produkte in Käufergruppen zu einmalig günstigen Preisen erwerben. Händler können einfach ganze Sonder- …
Dealjaeger.de: Gruppen-Shopping funktioniert wieder - 100 Kameras in wenigen Stunden ausverkauft
Dealjaeger.de: Gruppen-Shopping funktioniert wieder - 100 Kameras in wenigen Stunden ausverkauft
Hamburg - Social-Shopping-Marktführer Dealjaeger.de führt mit der Aktion Treibjagd das Einkaufen in Gruppen (LetsBuyIt.com-Prinzip) wieder erfolgreich in Deutschland ein. Bei der heutigen Premieren-Treibjagd in Kooperation mit dem neuartigen Internet-Shop Schutzgeld.de schlossen sich bereits innerhalb weniger Stunden 100 Kaufinteressenten zusammen. Mit …
Shopping im Web 2.0 - Die Kraft der Nutzer ermöglicht deutliche Rabatte
Shopping im Web 2.0 - Die Kraft der Nutzer ermöglicht deutliche Rabatte
Die Dealjaeger.de-Preis-Treibjagd geht weiter Hamburg - Dealjaeger.de bietet ein einmaliges Angebot rund um das Shopping. Mittlerweile können 8.500 interessante oder günstige Produktvorschläge von Nutzern für Nutzer aus über 1.500 Shops gesucht, kommentiert und unterboten werden. Aus diesem großen Angebot hat sich die Dealjaeger.de-Treibjagd ergeben: …
Sie lesen gerade: Treibjagd in der Petrischale