openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Unerschrockene Aufklärung der Schattenseiten der Medizin

28.09.201714:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Unerschrockene Aufklärung der Schattenseiten der Medizin
Professor Dr. Wolfgang U. Eckart. (privat)
Professor Dr. Wolfgang U. Eckart. (privat)

(openPR) Professor Dr. Wolfgang U. Eckart verabschiedet sich zum 1. Oktober 2017 nach 25 Jahren als Ärztlicher Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg in den Ruhestand



---
Er leistete einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Rolle der Heidelberger Universitätsmedizin während der NS-Diktatur und engagierte sich in der gesellschaftlichen Diskussion um einen menschenwürdigen Umgang mit dem Sterben. Zum 1. Oktober 2017 geht Professor Dr. Wolfgang U. Eckart nach 25 Jahren als Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg in den Ruhestand. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn war 2016 die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande. Für die Lehre in seinem Fach ist besonders das Standardwerk der Medizingeschichte "Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin" hervorzuheben, das aktuell bereits in der 8. Auflage vorliegt. Auch im Ruhestand bleibt der 65-Jährige wissenschaftlich aktiv: Als Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) in Halle (Saale) will er weiterhin über Karrierewege namhafter Gelehrter der frühen Neuzeit sowie zur Geschichte nationaler Akademien in Europa forschen.

"Professor Wolfgang Eckart hat sich mit herausragendem Engagement für die gesellschaftliche Diskussion schwieriger, medizingeschichtlicher und medizinethischer Fragen der Gegenwart eingesetzt", sagt Prof. Dr. Wolfgang Herzog, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. "Wir danken ihm ganz herzlich für seinen großen Einsatz in Forschung und Lehre weit über sein Institut und Heidelberg hinaus."

Wolfgang Eckart, geboren 1952 im westfälischen Schwelm, studierte nach seiner Schulzeit in Wuppertal-Barmen in Münster Humanmedizin. Noch bis zum Ende des Praktischen Jahres mit einer Laufbahn als Kinderarzt liebäugelnd, wechselte er spätestens mit der Promotion 1978 endgültig in sein Metier: "Nach Projektarbeiten, Tätigkeiten als Hilfskraft und schließlich der Dissertation war ich so verfangen in der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, dass ich dabei geblieben bin - ermuntert durch meine Lehrer, die Professoren Johanna Bleker, Richard Toellner und Karl Eduard Rothschuh", erinnert er sich. Parallel zu seiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent und Hochschulassistent am In­stitut für Theorie und Geschichte der Medizin an der Universität Münster schloss er ab 1979 ein Studium der Geschichte und Philosophie an und habilitierte sich 1986 im Fach Medizingeschichte. Schon 1988 übernahm er den Lehrstuhl und die Leitung der damals neu eingerichteten Abteilung für Geschichte der Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, bis er schließlich 1992 dem Ruf nach Heidelberg folgte

Aufarbeitung der NS-Medizin als stete Mahnung

Die Liste der medizingeschichtlichen Themen, mit denen sich Wolfgang Eckart seither beschäftigte, ist beeindruckend lang: Hierzu gehören vor allem die Medizin in der schönen Literatur besonders im Zeitalter des Barock, Medizin in Kriegen seit dem 19. Jahrhundert, Ärzte und Pflegekräfte im deutschen Kolonialimperialismus sowie das Thema Medizin während der NS-Diktatur. Speziell die Rolle der Universitätsmedizin als Vollzugsgehilfin des nationalsozialistischen Regimes arbeitete er über die Jahre akribisch auf, wobei er die "unerschrockene und systematische 'Gewöhnung’ der Heidelberger Medizinischen Fakultät an ihre NS-Vergangenheit" als "nicht immer leicht" bezeichnet. Trotz zahlreicher Widerstände hielt er jedoch an dieser Thematik fest, wofür er unter anderem 2016 mit dem Bundesversdienstkreuz geehrt wurde. Die Aufarbeitung der NS-Medizin sei als stete Mahnung nötig, kläre sie doch heutige Generationen darüber auf, dass und auf welche menschenverachtende Weise Ideologien von Ärzten aufgegriffen, radikalisiert und in eine tödliche Praxis umgesetzt wurden, hieß es in der Laudatio.

Gleichzeitig wurde Eckarts bedeutender Beitrag für die gesellschaftliche Diskussion schwieriger medizinethischer Fragen der Gegenwart ausgezeichnet; in diesem Zusammenhang wurde auch das von ihm aufgebaute und geleitete Schulprojekt "Menschenwürde" betont, das Oberstufenschüler für die belastenden Fragen rund um die Wahrung der Menschenwürde am Lebensanfang und am Lebensende sensibilisieren sollte. Im Bereich Medizinische Ethik interessierten ihn besonders der ärztliche Umgang mit Gewalterfahrung und Traumatisierung sowie die Palliativmedizin bzw. der ärztliche Umgang mit dem Sterben. Zu diesem Thema gab er gemeinsam mit Michael Anderheiden das dreibändige "Handbuch Sterben und Menschenwürde" - eine umfassende Fokusdarstellung des Sterbens in der Gegenwart mit all seinen psychosozialen Dimensionen - heraus.

Medizingeschichte der deutschen Kolonien - "ein Herzensthema"

Als sein Herzensthema bezeichnet Wolfgang Eckart die Medizingeschichte der deutschen Kolonien, ein bis dahin nahezu unbearbeitetes Forschungsgebiet: "Mit diesem Thema konnte ich exemplarisch den Wurzeln der NS-Medizin im Sozialdarwinismus, im Rassismus, im Völkermord an den Herero und Nama in Südwestafrika unter ärztlicher Mitwirkung und in der unbarmherzigen Ausbeutung von Minderheiten nachgehen. Das hatte zuvor noch niemand gemacht." Ein weiteres Lieblingsfeld seiner Forschung ist noch immer die Medizin in der Barockliteratur, insbesondere im Schelmen- und Abenteuerroman des 17. Jahrhunderts, so etwa in Grimmelshausens 'Simplicissimus", für das er sich mit Begeisterung in die Sprachformen und Denkstrukturen der voraufgeklärten, barocken Wissenskultur einarbeitete.

Neben seiner Mitwirkung an der ärztlichen Ausbildung lehrte Professor Eckart als kooptiertes Mitglied der Philosophischen Fakultät am Historischen Seminar der Universität Heidelberg, war von 1996 bis 1998 Präsident der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte, ist seit 2002 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin (ehemals Akademie der Wissenschaften der DDR) und seit 2009 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Derzeit engagiert er sich im Vorstand des Studienzentrums der Leopoldina in Halle. Er ist Autor und Mitherausgeber zahlreicher Bücher, darunter in alleiniger Autorenschaft eine Trilogie zu Medizin und Politik in Deutschland vom Kaiserreich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges: Medizin und Kolonialimperialismus, Medizin und Krieg - Deutschland 1914-1924 sowie Medizin in der NS-Diktatur. Besonderen Spaß bereitet ihm bis heute zudem die Rundfunkarbeit: So hielt er seit 1992 insgesamt 20 Radiovorträge in der erfolgreichen SWR-Reihe AULA und gab viele Rundfunkinterviews zu Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, aber auch zu aktuellen Themen der Medizin.

Nun hofft er, neben der fortgesetzten Forschungsarbeit doch auch etwas mehr Zeit für seine Hobbys - Krimilesen, Kochen, Telegraphie und Kurzwellenfunk - zu finden und seine Frau zumindest ein bisschen bei der Gartenarbeit zu entlasten. Heidelberg, seiner Heimat seit 25 Jahren, wird er gemeinsam mit seiner Frau Rosemarie bis auf weiteres treu bleiben.

Weitere Informationen:
- http://www.medizinische-fakultaet-hd.uni-heidelberg.de/index.php?id=106575 Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 971403
 208

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Unerschrockene Aufklärung der Schattenseiten der Medizin“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Universitätsklinikum Heidelberg

Bild: Nach COVID-19 und Operationen - Langzeitbeatmung durch neue Studie vermeiden.Bild: Nach COVID-19 und Operationen - Langzeitbeatmung durch neue Studie vermeiden.
Nach COVID-19 und Operationen - Langzeitbeatmung durch neue Studie vermeiden.
Von einer Langzeitbeatmung abhängig zu sein ist eine Belastung für alle Beteiligten. Für Betroffene bedeutet dies den Verlust eines selbstbestimmten Lebens. Durch PRiVENT soll dem vorgebeugt werden. Heidelberg, 06.04.2021 - Wenn Atmen nicht mehr selbstverständlich ist Es gibt verschiedene Gründe, weshalb jemand beatmet werden muss. Das kann plötzlich notwendig werden. Zum Beispiel, wenn Menschen nach einem Unfall, bei einer COVID-19 Erkrankung, einer anderen schweren Lungenerkrankung oder nach einer OP nicht mehr in der Lage sind, selbst z…
Bild: Krebs der Bauchspeicheldrüse: Welche Rolle spielt das Immunsystem?Bild: Krebs der Bauchspeicheldrüse: Welche Rolle spielt das Immunsystem?
Krebs der Bauchspeicheldrüse: Welche Rolle spielt das Immunsystem?
Wissenschaftlerin der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg erhält Max-Eder-Nachwuchsgruppen-Förderung der Deutschen Krebshilfe für die Erforschung bösartiger Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse --- Dr. Susanne Roth, Assistenzärztin der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, erforscht wie das Immunsystem eine besonders häufige und aggressive Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse, das duktale Pankreasadenokarzinom, beeinflusst. Bislang haben betroffene Patienten kaum Aussicht auf Heilung, wirksame Medikamente gibt es noch ni…

Das könnte Sie auch interessieren:

Übergewicht bei Kindern - Kostenloser Leitfaden für Eltern
Übergewicht bei Kindern - Kostenloser Leitfaden für Eltern
… und Jugendlichen nimmt zu. Es besteht daher ein hoher Präventions- und Behandlungsbedarf. Für alle Ratsuchenden, Eltern wie Fachkräfte, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den Leitfaden „Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen - So finden Sie ein gutes Programm“ entwickelt, das umfangreiche Informationen und praktische Hinweise enthält …
Bild: Dagmar Metzger für Lutherpreis vorgeschlagenBild: Dagmar Metzger für Lutherpreis vorgeschlagen
Dagmar Metzger für Lutherpreis vorgeschlagen
Die CDU-Stadtratsfraktion schlägt für den Preis der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ die hessische Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger (SPD), aus Darmstadt, vor. Der Preis "Das unerschrockene Wort" wurde von den Lutherstädten der alten und neuen Bundesländer initiiert. Am 25. April 2009 wird er zum siebenten Mal verliehen. Im nächsten Jahr wird …
Pal Dragos: Leibsoziologie – Kostenexplosion in der Medizin - Biologismus – Die leiblose Postmoderne
Pal Dragos: Leibsoziologie – Kostenexplosion in der Medizin - Biologismus – Die leiblose Postmoderne
… verdrängt. Ohne den Leib ist jedoch weder eine Individuation noch eine Selbstverantwortung der körperlichen Zustände möglich. Die postmoderne Leiblosigkeit bedarf der Aufklärung. Seit der Studentenrevolution hat sich das Spektrum der menschlichen Krankheiten erheblich verändert. Die ständige Zunahme der Verhärtungstendenzen und die Vielfalt der funktionellen …
Bild: Sollen Demenzpatienten über ihre Erkrankung aufgeklärt werden?Bild: Sollen Demenzpatienten über ihre Erkrankung aufgeklärt werden?
Sollen Demenzpatienten über ihre Erkrankung aufgeklärt werden?
… habe, ist und bleibt insofern eine offene Frage, weil hierüber jedenfalls bei Eröffnung der Diagnose der Patient selbst entscheiden kann und von daher auch die „Schattenseiten“ einer demenziellen Erkrankung im Gespräch offen und hinreichend klar angesprochen werden sollten. Dies insbesondere auch deshalb, weil der Patient auch für den Fall einer Demenz …
Bild: Frauengesundheit im Wandel: Warum interdisziplinäre Versorgung und bessere Aufklärung überfällig sindBild: Frauengesundheit im Wandel: Warum interdisziplinäre Versorgung und bessere Aufklärung überfällig sind
Frauengesundheit im Wandel: Warum interdisziplinäre Versorgung und bessere Aufklärung überfällig sind
… oder unzureichend behandelt werden. Auch die Hormonersatztherapie (HET) wurde über Jahrzehnte entweder pauschal abgelehnt oder ohne ausreichende individuelle Aufklärung eingesetzt.Interdisziplinäre Medizin als SchlüsselAktuelle Studien und Versorgungsmodelle zeigen, dass eine interdisziplinäre Herangehensweise entscheidend ist, um diesen komplexen Krankheitsbildern …
Asthma - vier von fünf Asthmatikern inhalieren falsch
Asthma - vier von fünf Asthmatikern inhalieren falsch
… Handhabung von Dosieraerosolen passieren immer noch schwerwiegende Fehler, die zu einer falschen Wirkung führen können. Gerade bei Dosieraerosolen zählen Unerfahrenheit und mangelnde Aufklärung zu den häufigsten Ursachen für eine falsche oder fehlerhafte Anwendung. >> Zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im eJournal MEDIZIN ASPEKTE …
Essen: Klausurwoche zur Medizin und Hygiene
Essen: Klausurwoche zur Medizin und Hygiene
… Hygiene im Krankenhaus“ startet am Montag, 28. Juli, 9.15 Uhr, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, Tagungsraum R12R04B02, eine Klausurwoche, bei der die Aufklärung über Hygiene, Medizin und Gesellschaft im Vordergrund steht. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Veranstaltungswoche ermöglicht Nachwuchswissenschaftlerinnen und …
Bild: ÖDP-Gemeinderat hat "Keine Angst vorm bösen Wolf"Bild: ÖDP-Gemeinderat hat "Keine Angst vorm bösen Wolf"
ÖDP-Gemeinderat hat "Keine Angst vorm bösen Wolf"
… originelles Rotkäppchen, mit rotem Rock, weißer Bluse, roter Mütze und einem Korb mit Wein und Kuchen verkleidet. "Keine Angst vor bösen Wolf" mit diesem Schild hatte Eckhardt vollends die Zuschauer auf seiner Seite. Die ÖDP hat sich in der Vergangenheit insbesondere durch mutige und unerschrockene Meinungsäußerungen im Gemeinderat einen Namen gemacht.
Bild: pfeiffer design group bringt Springer Medizin auf Apple‘s iPadBild: pfeiffer design group bringt Springer Medizin auf Apple‘s iPad
pfeiffer design group bringt Springer Medizin auf Apple‘s iPad
… demonstriert und Therapieschritte illustriert werden. Darüber hinaus werden dem Patienten ausgewählte Dokumente zur Verfügung gestellt, die den Sachverhalt näher erklären. Die Aufklärung wird somit für beide Seiten weitaus effizienter und schafft durch Springer Medizin als wissenschaftlich fundierten Inhaltlieferanten größeres Vertrauen. Die bei der …
Das neue Onlineportal medizin-freiberuflich.de vermittelt Freiberufler und Auftraggeber in der Medizinbranche
Das neue Onlineportal medizin-freiberuflich.de vermittelt Freiberufler und Auftraggeber in der Medizinbranche
… die der punktuelle Einsatz von Freiberuflern für sie bedeute, seien Freiberufler zudem häufig motivierter als Festangestellte. Allerdings kennt er auch die Schattenseiten des Arbeitsverhältnisses zwischen Freiberuflern und Auftraggebern. „Am schwierigsten ist zumeist die Suche nach Auftraggebern, die für die jeweiligen Qualifikationen der medizinischen …
Sie lesen gerade: Unerschrockene Aufklärung der Schattenseiten der Medizin