(openPR) Die Aufwertung des Euro kommt für die meisten Beobachter überraschend. Viele lagen mit ihren Voraussagen gründlich falsch. Von Parität war die Rede und sogar von Kursen darunter. Zur Begründung wurde die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA angeführt, die zu einer steigenden Nachfrage nach US-Dollars führen sollte.
Was dabei übersehen wurde, war die (finanz)wirtschaftliche Realität. Die sieht nämlich für den Dollar gar nicht gut aus. Die nachhaltige us-amerikanische Wirtschaftskraft ist weit geringer als die europäische. Das Land wurde in Jahrzehnten heruntergewirtschaftet, deindustrialisiert. Prosperiert haben neben Google und Co. nur noch Finanzwirtschaft und das Schuldenmachen. Aber die schaffen keine Grundlage für soliden Wohlstand. Woher dessen Grundlagen kommen, haben die amerikanischen (und inzwischen auch die meisten europäischen Bankster und Politiker) leider vergessen. Wer Aktienkurse in die Höhe treibt, schafft dadurch keine leistungsfähigeren Unternehmen, und wer Anleihekurse in die Höhe treibt, schafft dadurch nicht mehr Wohlstand.
Echter, nachhaltiger Wohlstand wird nur durch sinn- und maßvolle Produktion ohne Raubbau an den menschlichen und natürlichen Ressourcen geschaffen, nicht durch Finanztricksereien.
Die Veranstaltung der Notenbanker in Jackson Hole war ein unübersehbares Signal der Hilflosigkeit. Die Rat-losigkeit der Beteiligten war offensichtlich. Man muß nicht Hellseher sein, um vorauszusehen, daß sich die Ponzi-Spiele der Notenbanker ihrem autonomen Ende nähern. Es fehlt nur noch der Auslöser, aber einige Kandidaten stehen dafür längst bereit.
Die Bundesbank erhebt endlich deutlicher ihre Forderung nach einem Ende der unsinnigen Anleihenaufkäufe der Europäischen Zentralbank. Die Begründung lautet explizit: Wegen der besonders gravierenden Nebenwirkungen. In der Tat: Diese Entscheidung der EZB war kompletter Unsinn, weil sie zu einer massenhaften Fehl-allokation von Kapital verleitet hat, skrupelloses Schuldenmachen erleichtert und dadurch sogar angeregt hat. Nicht zuletzt hat sie ermöglicht, daß Aktiengesellschaften mit dem Verkaufserlös aus eigens für den Aufkauf durch die EZB aufgelegten Anleihen Aktien des eigenen Unternehmens aufgekauft haben. Das konnte den an-genehmen Nebeneffekt haben, an den Aktienkurs gekoppelte „Erfolgsprämien“ von Vorständen und Aufsichts-räten kräftig zu steigern. Fazit: Nutzen für wenige Insider, Schaden für die Allgemeinheit.
Der Dollar ist schon lange nicht mehr das wert, was auf den Scheinen aufgedruckt ist. Mit rund 20 Billionen sind die USA hoffnungslos verschuldet. Sobald der Dollar sein Privileg als Welthandels- und Reservewährung verliert – und das könnte im Laufe einer Verschärfung der Finanzkrise viel schneller geschehen als die meisten Menschen glauben möchten – wird der Dollarkurs noch viel weiter durchsacken. Angesichts dieser Möglichkeit kauft man sich vernünftigerweise keine Dollars. Weniger Nachfrage führt dann ceteris paribus zu sinkenden Kursen gegenüber anderen Währungen, denen eine bessere Zukunft zugetraut wird.
Donald Trump hat die Misere der Vereinigten Staaten nicht verschuldet. Sie ist über Jahre hinweg von der US-„Elite“ geschaffen worden. Trump hat sie mit dem Präsidentenposten geerbt und steckt jetzt in veritablen Schwierigkeiten. Offenbar war er – ein Unternehmer! – sich über das problematische Erbe gar nicht im Klaren, welches er übernommen hat. Von seinen Wahlversprechen wird er unter den gegebenen Umständen kaum ein einziges umsetzen können.
Die US-Amerikaner müssen sich vollkommen neu aufstellen, wenn sich die Zukunft für sie wieder aufhellen soll. Die Vorherrschaft der Finanzwelt muß endlich beendet und die Re-Industrialisierung des Landes muß vor-angetrieben werden. Kurzfristig ist das allerdings nicht machbar, und die Macht der Casino-Kapitalisten wird es auch zu verhindern suchen. Nicht einmal eine vernünftige Steuerreform zugunsten des wirtschaftlichen Mittel-standes und zu Lasten von Bankstern, Zockern, Spekulanten und überbezahlten Managern scheint unter den gegenwärtigen Umständen durchführbar. Von der längst überfälligen Sorge für soziale Gerechtigkeit gar nicht zu reden.
Auch eine Staatspleite der USA liegt im Bereich des Möglichen. Die Auseinandersetzungen über eine nochmalige (die hundertste?) Anhebung der Schuldengrenze könnte beträchtliche Sprengkraft für das US-Finanzsystem entwickeln. Mit weltweiten Auswirkungen wäre zu rechnen.
Eine viele Milliarden Dollar teure Mauer entlang der Grenze zu Mexiko hätte Trump angesichts der finanziellen Lage des US-Haushalts seinen Anhängern besser nicht versprechen sollen. Und seine Zustimmung zur Erhöhung der Schuldengrenze von der Freigabe von Geldmitteln für den Mauerbau abhängig zu machen, scheint zur Bewältigung der Probleme seines Landes ebenfalls wenig zielführend. Wenn Trump sein Land weiter so „in die Grütze“ fährt, wird der Euro gegenüber dem Dollar noch viel stärker werden und mit dem Dollarprivileg könnte es schneller zuende sein als selbst die größten Pessimisten es erwarten.
Das Weltfinanzsystem gleicht einer Eiterbeule, die zur Entleerung drängt. Aber was könnte eine autonome Lösung der Weltfinanzkrise auslösen? Wir wissen es nicht genau. Aber es kann jederzeit geschehen. Sprengmaterial ist reichlich vorhanden. Geradezu Myriaden sogenannter Derivate wabern durch die virtuellen Spielhallen der Finanzindustrie. Dabei handelt es sich um nichts anderes als mit mehr oder weniger komplexen Spielregeln versehene Spielchips, die Banken und Bankster als Spielmacher in eigener Regie herstellen und mit denen sie mit anderen Spekulanten um schwindelerregende Einsätze spielen. Derzeit wird geschätzt, daß der „Wert“ dieser Derivate – „Massenvernichtungsmittel der Finanzindustrie“, wie Investorenlegende Warren Buffett sie einmal genannt hat – das Weltsozialprodukt deutlich übersteigt. Da die Derivate meistens mit Hebelwirkungen versehen werden, ist es möglich ein Vielfaches seines Einsatzes zu gewinnen oder zu verlieren. An den stark aufgeblähten Aktien-, Anleihen- und Währungsmärkten werden Unmengen dieser Derivate gehandelt. Insider meinen, daß ohne eine endlose Steigerung der Hebelwirkungen dieser Wetten sowie ohne gehebelte Absicherungen gegen mögliche Verluste aus diesen gehebelten Wetten das Finanzsystem bereits jetzt in großen Schwierigkeiten wäre. Das Problem ist nur, daß sich das Risiko zwar verschieben, aber nicht aus der Welt schaffen läßt. Im Gegenteil: Alle Versuche, mit noch mehr ausgeklügelten Wetten mehr Sicherheit zu schaffen, steigern das Risiko des Totalcrashs weiter.
Die Frage ist deshalb nur noch: Wie lange kann dieses Höllenspiel noch weitergehen?
Es scheint angebracht, sich warm anzuziehen. Die Probleme kulminieren zusehends. Hunderte Millionen unschuldiger, weil solide wirtschaftender Menschen werden unter den realwirtschaftlichen Folgen des Zusammen-bruchs der Finanzwirtschaft leiden. Wer nicht vorbereitet ist, wenn sie sich lösen, könnte schneller nackt da-stehen als ihm oder ihr lieb ist.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit langem regelmäßig das ebenso interessante wie fragwürdige und nicht selten erschreckende Treiben der Menschentiere, vor allem das ihrer „Eliten“. Seine Beobachtungen dokumentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“. 7 Bände sind bisher erschienen. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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