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Heimat finden im Schilderdschungel

02.08.201713:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Das Haltestellenschild am Weltkulturerbe Zollverein begrüßt die Gäste in fünf verschiedenen Sprachen, regionale Spezialitätenläden preisen ihre Waren in Polnisch und Deutsch an: Wie sich die Sprachenvielfalt im Ruhrgebiet im öffentlichen Raum sichtbar niederschlägt, untersuchte das Forschungsprojekt Metropolenzeichen in den vergangenen drei Jahren. Es verband eine interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Bochum (RUB) und wurde durch das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) gefördert.



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Türkisch, Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch, Arabisch, Chinesisch: Dass im Ruhrgebiet viele verschiedene Heimatsprachen gesprochen werden, spiegelt sich in dem, was öffentliche Wegzeichen wiedergeben. Seit 2014 erfasste und bewertete die Forschergruppe mehr als 25.000 Straßen-, Geschäfts-, Hinweis- oder Namensschilder sowie Plakate, Aufkleber und Graffitis in verschiedenen Stadtteilen vier typischer Kommunen nördlich und südlich des „Sozialäquators“ A40.

Schilderanalyse und Vor-Ort-Interviews

„An ihnen erkennt man nicht nur die Migrationsströme, sondern auch kultur- und konsumtouristische Besonderheiten“, weiß die Linguistin Prof. Dr. Evelyn Ziegler. Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan egänzt: „Unsere Studie ist deshalb so besonders, weil wir die visuelle Mehrsprachigkeit gleich in mehreren Dimensionen erfasst haben. Wir haben nämlich nicht nur zigtausend Schilder analysiert, sondern zusätzlich auch die Anwohner vor Ort interviewt und um ihre Einschätzung gebeten.“

Die mehrsprachigen Schilder bezeugen die ethnische Bevölkerungsvielfalt in Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund. Nachweisen ließ sich dies insbesondere in den Stadtteilen nördlich der A40: In Duisburg-Marxloh sind mehr als ein Viertel aller erfassten Schilder in Türkisch. Fast die Hälfte der hier lebenden nichtdeutschen Bevölkerung hat einen türkischen Migrationshintergrund. Der örtliche Einzelhandel ist überregional bekannt für seine Spezialisierung auf türkische Brautmode. Deutlich niedriger ist der Türkisch-Anteil in Essen-Altendorf und Dortmund-Nordstadt (jeweils 7 %).

Bei den südlich der A40 gelegenen Stadtteilen liegt der Türkisch-Anteil bei 3,2 % in Duisburg-Innenstadt sowie jeweils 0,9 % in Bochum Langendreer und Dortmund-Nordstadt. Das Arabische (insgesamt 183 Schilder) konzentriert sich vor allem auf Essen-Altendorf und Dortmund-Nordstadt. Hier leben viele Bewohner/innen mit einer irakischen, marokkanischen oder libanesischen Staatsangehörigkeit.

Vor allem Deutsch, Englisch und Türkisch

Die drei sichtbarsten Sprachen in der Metropole Ruhr sind Deutsch, Englisch und Türkisch. Auf sie verteilen sich neun Zehntel aller Sprachvorkommen: Deutsch (66 %), Englisch (knapp 20 %) und Türkisch (gut 4 %). Französisch, Italienisch und Spanisch zusammen belegen weitere 4 % aller Textpassagen. Die seltenere Sprachkombination von Deutsch-Türkisch-Russisch findet sich zum Beispiel auf einer Mülltonne für Pappe und Papier. Vier oder mehr Sprachen kommen fast gar nicht (0,5 %) auf den Schildern vor.

Ein Viertel der 12.500 ausgewerteten kommerziellen Schilder sind zweisprachig, meist werden Deutsch und Englisch kombiniert. Die Migrantensprache Türkisch spielt im Geschäftsleben die größte Rolle, gefolgt von Italienisch und Arabisch. In 120 Vor-Ort-Interviews zeigte sich, dass ? neben der eigenen Muttersprache ? Deutsch und Englisch am meisten wertgeschätzt werden. Polnisch wird im Revier wenig akzeptiert trotz der zurück liegenden Einwanderungsgeschichte. Am Ende der Wertschätzungsskala rangieren Arabisch und Chinesisch, vermutlich weil deren Schriftzeichen als fremd wahrgenommen werden.

Anwohner-Befragung

In einer mehrsprachigen Telefon-Befragung von 1.000 Personen mit und ohne Migrationshintergrund stellte sich heraus, dass knapp 63 % mehrsprachige Schilder an öffentlichen Institutionen gut finden: als Orientierungshilfe und zum Abbau von Sprachbarrieren. Ein Viertel hat allerdings Probleme damit, dass an Bahnhöfen, Rathäusern, Museen und Kindergärten Schilder in verschiedenen Sprachen angebracht sind, weil Migranten „der deutschen Sprache mächtig sein sollten“ und die Übersichtlichkeit darunter leidet. In den nördlich gelegenen Stadtteilen ist die Zustimmung größer (73 % statt 53 % in den südlichen Bezirken).

Wissenschaftlich geleitet wurde das Projekt durch die UDE-Germanisten Prof. Dr. Evelyn Ziegler und Prof. Dr. Ulrich Schmitz sowie dem UDE-Niederlandisten Prof. Dr. Heinz Eickmans und dem UDE-Psychologen Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan zusammen mit dem Soziologen Prof. Dr. Klaus Peter Strohmeier von der Ruhr-Universität Bochum.

Weitere Informationen:
Tirza Mühlan-Meyer, Evelyn Ziegler und Haci-Halil Uslucan: „Metropolenzeichen“. Vorkommen und Bewertung visueller Mehrsprachigkeit in der Metropole Ruhr, in: UNIKATE, Berichte aus Forschung und Lehre der UDE, Heft 49 (2016), Mehrsprachigkeit im Ruhrgebiet. Vielfältig und doch individuell, S. 42-55
• Prof. Dr. Evelyn Ziegler, Linguistik, Institut für Germanistik, T. 0201/183-4901, E-Mail
• Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Institut für Turkistik, Tel.0201/183-4909, E-Mail

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, E-Mail

Weitere Informationen:
- https://www.uni-due.de/imperia/md/images/webredaktion/2017/17-08-02_aufsatz_metropolenzeichen_unikate_49.pdf

Quelle: idw

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