(openPR) Die Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals für das frühere Jugoslawien, Carla Del Ponte, hat sich beeindruckt gezeigt von der Art, wie sich der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic in seinem Prozeß verteidigt hat. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe) sagte sie: "Wie er gewisse Zeugen verhört hat, war faszinierend. Er wußte schon, wie man die Leute nimmt. Ich habe das bewundert." Seinen Tod bezeichnete sie als "Niederlage".
Große eigene Fehler will Carla Del Ponte, die sich vor allem als Vertreterin der Opfer sieht, im Rückblick auf ihre bisherige Amtszeit nicht erkennen. Ihr Ziel habe sie aber nicht erreicht, solange noch sechs mutmaßliche Kriegsverbrecher auf freiem Fuß seien. Frau Del Ponte wies auf Versuche hin, ihre Arbeit politisch zu beeinflussen. "Oft wurde versucht, aus politischen Gründen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung einer Anklage Einfluß zu nehmen", sagte sie in Den Haag. Zugleich hob sie hervor: "Wir arbeiten nicht unter politischem Druck. Wir lassen uns nicht von der Politik führen." Die Anklägerin beklagte die mangelnde Zusammenarbeit auch der internationalen Gemeinschaft bei der Suche nach Kriegsverbrechern und erläuterte ihren Wunsch nach einer eigenen Eingreiftruppe. "Niemand sucht Karadzic", beklagte die Schweizer Juristin. Die Suche nach dem bosnischen Serbenführer sei eingeschlafen. "Wir konzentrieren uns jetzt auf Mladic, denn wir wissen, wo er ist. Und wir wissen, daß Belgrad ihn uns geben kann." Der serbische Ministerpräsident Kostunica wisse genau, wo Mladic sich bis Februar dieses Jahres aufhielt. "Kostunica weiß auch genau, daß er Mladic selbst beschützt hat bis 2002." Frau Del Ponte sagte, "sehr wahrscheinlich" hätten auch die Ermittlungen gegen den mittlerweile gestorbenen bosnischen Präsidenten Izetbegovic zu einer Anklage geführt.
Zu dem ehemaligen kosovarischen Ministerpräsidenten Haradinaj, der gegen den Willen Frau Del Pontes bis zum Beginn seines Prozesses auf freien Fuß gesetzt wurde, merkte sie kritisch an, er sei der einzige Angeklagte, der sich politisch betätigen dürfe. "In der Entscheidung heißt es, er sei ein Sicherheitsfaktor für das Kosovo. Ich habe das nie verstanden. Für mich ist er ein Kriegsverbrecher."
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