(openPR) Nach einem Schlaganfall im Mutterleib kommt die Tochter von Anna Vonnemann halbseitig gelähmt auf de Welt. Nachdem die Ärzte das Kind aufgegeben haben, entwickelt Vonnemann ein Gerät, mit dem die heute 25-jährige schmerzfrei gehen gelernt hat. Jetzt sammeln die beiden mit einer Crowdfunding-Kampagne Geld, um auch anderen Schlaganfall-Patienten zu helfen.
Sieht man Videos von Dindia Gutmann früher und heute, glaubt man kaum, dass es sich um denselben Menschen handelt. Aber doch: Diese selbstbewusste junge Frau, die lachend in die Luft springt und kilometerweit wandert, ist das Mädchen, dem man früher nur zu deutlich angesehen hat, dass es nur unter größter Anstrengung und großen Schmerzen überhaupt ein paar Meter laufen konnte. Die düstere Vorhersage der Ärzte, sie werde ihr Leben im Rollstuhl verbringen, ist nicht wahr geworden. Zu verdanken hat sie das ihrer Mutter, die ein spezielles Trainingsgerät für sie entwickelt hat. Ab Mittwoch, dem 16. November 2016 suchen Mutter und Tochter mit ihrem StartUp ReMoD nun nach Geldgebern. Sie wollen das Gerät weiterentwickeln und als Medizinprodukt zulassen, so dass auch andere Schlaganfall-Patienten die Chance erhalten, wieder laufen zu lernen. An der Crowdfunding-Kampagne kann sich jeder mit einem beliebigen Betrag beteiligen.
"Keiner kann verstehen, wie schön es sein kann, im Gehen ein Eis zu essen", sagt Dindia Gutmann. "Früher hätte ich den Mund nie treffen können, weil die Welt so stark wackelte. Dass es die Welt ist, die wackelt, dachte ich wirklich - ich kannte es ja nicht anders, weil ich schon halbseitig gelähmt zur Welt gekommen bin." Sie erinnert sich nicht gerne an ihre Kindheit: "Zu hören, dass ich wahrscheinlich bald im Rollstuhl sitze und auch mit Übungen keine Hoffnung auf Besserung besteht, macht nicht glücklich."
Etwa die Hälfte der Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, ist danach halbseitig gelähmt. Bei dieser sogenannten Hemiparese sind nicht etwa Arm und Bein an sich geschädigt, sondern die Kommunikation mit dem Gehirn. Dadurch funktioniert auch der Gleichgewichtssinn nicht mehr richtig: Hemiparese-Patienten halten sich und laufen oft schief. Das führt schnell zu schweren Haltungsschäden und großen Schmerzen. Am Ende bleibt für viele nur der Rollstuhl - so wie es für Dindia Gutmann im Alter von zehn Jahren absehbar war.
An dieser Stelle setzt das Gerät an, das Dindias Mutter Anna Vonnemann erdacht und mit ihrer Tochter sowie Wissenschaftlern der Technischen Universität Berlin entwickelt hat: Der "MovEAid" ist eine Art künstliches Gleichgewichtsorgan. Das Gerät ist in der Lage,* zusammengesetzte Körperbewegungen wie eine Drehung bei gleichzeitiger Neigung zu erkennen und das genaue Ausmaß eines Haltungs- oder Bewegungsfehlers zu bewerten. Über leichte Stromstöße informiert es den Patienten, der dadurch seine Haltung korrigieren kann. Mit ihrer Crowdfunding-Kampagne wollen die beiden Frauen nun genügend Geld einsammeln, um das Gerät fertig zu entwickeln und die Zulassung als Medizinprodukt zu bezahlen.
Ein Trainingsgerät namens PosTrain für Menschen mit hartnäckigen Haltungsproblemen ist bereits marktreif: Die erste Kleinserie liegt bereits bei Anna Vonnemann auf dem Schreibtisch und wartet darauf, als Dankeschön an Spender der Crowdfunding-Kampagne verschickt zu werden.
"Mit meinem MovEAid-Prototypen habe ich endlich das Gefühl, dass ich lebe", sagt Dindia Gutmann. “Ich bin frei und selbstständig. Ich reise durch die Welt, gehe auf Parties und habe gerade meinen Master in Amsterdam gemacht – Dinge, die vor 15 Jahren absolut undenkbar gewesen wären.” Sie hofft, dass die Crowdfunding-Kampagne Erfolg hat: "Damit auch andere Schlaganfall-Patienten möglichst schnell die Chance auf ein halbwegs normales, schmerzfreies Leben haben."
Mehr Informationen und Link zur Crowdfunding-Kampagne: http://www.hemiparese-therapie.de
Link zum Video von Dindia Gutmann: http://www.hemiparese-therapie.de/film/
Hintergrundinformationen:
Das von ReMoD entwickelte Gerät "MovEAid" bietet Hilfe* für ein weitverbreitetes Problem: Die halbseitige Lähmung ist in der Regel die Folge eines Schlaganfalls, von dem etwa jeder fünfte Mensch irgendwann in seinem Leben betroffen ist. Rund die Hälfte davon, also etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, behält eine halbseitige Lähmung zurück, eine sogenannte Hemiparese. Es handelt sich bei "MovEAid" um eine Art künstliches Gleichgewichtsorgan, das Menschen mit dieser Lähmung mit Informationen zur Propriozeption versorgt, also Informationen zur Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum und deren Stellung zueinander. Das sind Informationen, die diesen Patienten lähmungsbedingt fehlen, jedoch unabdingbare Voraussetzung für das Gehen sind. Das Gerät MovEAid ist in der Lage,* zusammengesetzte Körperbewegungen wie eine Drehung bei gleichzeitiger Neigung (z.B. der Wirbelsäule) zu erkennen und das genaue Ausmaß eines Haltungs-/Bewegungsfehlers zu bewerten. Es gibt dem Patienten über leichte Stromstöße eine Rückmeldung, so dass dieser sich selbst korrigieren kann und im Laufe der Zeit ein Trainingseffekt einsetzt:* Dindia Gutmann kann heute auch ohne ihren MovEAid-Prototypen gehen und schmerzfrei leben. Erst nach etwa zwei bis drei Wochen braucht sie das Gerät wieder, dann macht sich ihre Lähmung wieder bemerkbar. Für ihre Lähmung selbst ist leider keine Heilung in Sicht.
* Rechtlicher Hinweis: Die Crowdfunding-Kampagne dient u.a. dazu, den Nachweis zu finanzieren, dass der MovEAid unbedenklich und wirksam ist. Die Aussagen beruhen auf den bisherigen Erfahrungen, die unter anderem aus einer kleinen klinischen Studie stammen, aber noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt sind.











