openPR Recherche & Suche
Presseinformation

EuGH verwirft Rx-Boni-Verbot: Ist der Apotheker der eigentliche Gewinner?

14.11.201616:27 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Berlin, den 10. November 2016 – Der EuGH hat mit seinem Urteil vom 19. Oktober 2016 entschieden, dass ausländische Arzneimittelhändler nicht an die deutschen Apothekenabgabepreise gebunden sind. Damit öffnet sich die Tür für den Arzneimittel-Versandhandel und möglicherweise eine flexiblere Preisgestaltung in der deutschen Apothekenlandschaft. Diese Entscheidung ist im Sinne der Patienten, sie bietet aber auch erhebliche Chancen für Apotheker, ihr Berufsbild weiterzuentwickeln und stärker in der Versorgungskette der Patienten mitzuwirken.



Die Entscheidung des EuGH setzt neue Parameter für den Wettbewerb im Apothekenmarkt: Sie liberalisiert die Preisgestaltung – und bietet die Chance für mehr: „Neue Wettbewerbsparameter im Apothekenmarkt haben enormes Entwicklungspotential für das Berufsbild des Apothekers“, erklärt Ralf Sjuts, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Managed Care e.V. (BMC). Der niedergelassene Apotheker sollte sich von einem Versandhändler über mehr abgrenzen als nur über die Preisgestaltung. „Hier ist vor allem die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen für ein Tätigkeitsfeld zu schaffen, das sich von dem in den letzten Jahrzenten verfestigtem Bild des Apothekers als schlichtem Arzneimittelverkäufer abhebt“, appelliert Sjuts und meint, „durch die Entscheidung des EuGH könnte dieser Prozess nun endlich Fahrt aufnehmen“.
„Die Aufhebung des Mehrbesitzverbotes, Implementierung von Strukturen des Medikationsmanagements und Einbeziehung von Apotheken in die Integrierte Versorgung, das sind die Bereiche, die es anzupacken gilt“, bekräftigt auch Dr. Susanne Ozegowski, Geschäftsführerin des BMC e. V., „dann ist der Weg frei für eine Einbeziehung des Apothekers in das Versorgungsmanagement, womit auch eine Aufwertung des Apothekerberufes insgesamt verbunden ist“. Dies ist besonders sinnvoll im Bereich der Versorgung multimorbider Patienten und könnte sich etwa auf die Durchführung von Schnelltest und die Überprüfung von Adhärenz und Compliance beziehen. „Die Abkehr von der alleinigen Ausrichtung auf den Arzneimittelverkauf hin zur Übernahme einer aktiven Rolle als Bestandteil eines Versorgungsteams – das sollte das neue Apothekerbild sein“, betont Sjuts. Zudem sollte die Rolle des Apothekers im modernen Medikationsmanagement gestärkt werden und die Bereiche der Begleitung, Beratung, Koordinierung und Betreuung bei der Arzneimitteltherapie umfassen.
„Durch das Urteil des EuGH gewinnt außerdem die Einbeziehung von Apotheken als Leistungserbringer in die Verträge der Besonderen Versorgung nach § 140a SGB V durch die Krankenkassen an Attraktivität“, ist sich Dr. Susanne Ozegowski sicher. Dies ist nicht nur für die Krankenkassen, sondern auch für den Apotheker erstrebenswert, denn Selektivverträge stellen nur für denjenigen ein Problem dar, der nicht mitmacht. Für die Apotheker, die sich daran beteiligen, können solche Verträge auch finanziell interessant sein.
Ganz deutlich stellt der EuGH mit seiner Entscheidung auch Verbraucherinteressen in den Mittelpunkt und stärkt die Chancen der Patienten auf kostengünstigere Arzneimittel. Ozegowski erläutert hierzu: „Diese Zielrichtung dürfte auch im Interesse der Krankenkassen liegen, die grundsätzlich alles unternehmen sollten, um Versicherten einen kostengünstigen Zugang zu Medikamenten zu ermöglichen“. Die bestehenden Effizienzreserven sollten gehoben werden, statt sie zu Lasten der Versicherten fortzuschreiben.
Der BMC sieht daher auch keine Grundlage für die in der öffentlichen Diskussion geäußerten Ängste vor einer Gefährdung der Sicherstellung der Arzneimittelversorgung: „Die Argumentation, ein solcher Wettbewerb wirke sich negativ auf die Patientenversorgung aus, überzeugt nicht“, bekräftigt Sjuts. In städtischen Räumen ist die Apothekendichte ohnehin sehr hoch. So weist allein die Stadt Berlin eine Zahl von 860 Apotheken auf – und damit eine Apotheke je 3.500 Einwohner. Auch in NRW gibt es mit insgesamt 4.400 Apotheken ein sehr hohes Apothekenversorgungsnetz.
Der Rückgang der Apothekendichte in ländlichen Regionen liegt hingegen insbesondere in dem Mangel an KandidatInnen für die Nachbesetzung von Apotheken begründet. Diesem Nachwuchsmangel sollte mit attraktiveren Arbeitskonditionen in ländlichen Regionen für die junge PharmazeutInnen-Generation begegnet werden. Dazu gehören die Aufhebung des Mehrbesitzverbotes von Apotheken, erweiterte Möglichkeiten für eine Tätigkeit in einem Anstellungsverhältnis sowie – in Einzelfällen – die Gewährung von Sicherstellungszuschlägen.
Sjuts und Ozegowski sind sich daher sicher: Die Entscheidung des EuGH bietet das Potential, den Wettbewerb in der Apothekenlandschaft anzukurbeln und damit – im Sinne aller Akteure – gute und kosteneffiziente Versorgungsmodelle zu implementieren.



Vorstand: Prof. Dr. Volker Amelung (Vorsitzender), Susanne Eble, Ralf Sjuts, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Ralph Lägel, Franz Knieps, Dr. h.c. Helmut Hildebrandt
Geschäftsführung: Dr. Susanne Ozegowski

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 927144
 527

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „EuGH verwirft Rx-Boni-Verbot: Ist der Apotheker der eigentliche Gewinner?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Bundesverband Managed Care

„Abschaffung der Quartalsdenke“ – Der BMC stellt sein Impulspapier für die Bundestagswahl 2017 vor
„Abschaffung der Quartalsdenke“ – Der BMC stellt sein Impulspapier für die Bundestagswahl 2017 vor
Berlin, 21. November 2016 – Die bestehenden Vergütungssysteme brauchen einen Neuanfang, der das tradierte System des Quartalsbezugs aufhebt – so lautet eine der Kernaussagen des sechs Punkte umfassenden Impulspapiers, mit dem der Bundesverband Managed Care e. V. (BMC) seine Impulse an die Politik zur Bundestagswahl 2017 darlegt. In integrierten Vergütungssystemen sollen verschiedene Vergütungsmodelle kombiniert werden. Dafür sei die bisherige Quartalsdenke aufzubrechen und durch eine quartalsunabhängige Kombination von stark pauschalisierten,…
Bundesverband Managed Care begrüßt Konkretisierung des Innovationsfonds
Bundesverband Managed Care begrüßt Konkretisierung des Innovationsfonds
Berlin, 16.05.14 – Für die Einführung des im Koalitionsvertrag verankerten Innovationsfonds setzt sich der Bundesverband Managed Care seit langem ein. Vor diesem Hintergrund begrüßt der BMC das am 14. Mai 2014 öffentlich gewordene Papier von Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach, SPD, und Jens Spahn, CDU, das die Ausgestaltung des Fonds weiter konkretisiert. Um den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten gerecht zu werden ist eine Weiterentwicklung der derzeitigen Versorgungsstrukturen unabdingbar. Als ein wichtiger Impulsgeber für Innovationen h…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Petition gegen den Wandel mit Apothekenmarkt: Rückschritt gewollt?Bild: Petition gegen den Wandel mit Apothekenmarkt: Rückschritt gewollt?
Petition gegen den Wandel mit Apothekenmarkt: Rückschritt gewollt?
… Petitionsausschuss des Bundestages zu seiner Petition für ein Verbot des Rx-Versandhandels befragt. Dabei ist das Thema schon länger vom Tisch. Auch der Apothekerverband ABDA unterstützt Bühlers Petition nicht. Dabei besteht aktuell tatsächlich eine Ungleichheit zwischen deutschen und europäischen Apotheken. Die europäischen Apotheken dürfen nach einem …
Bild: juravendis Rechtsanwälte - Nach der EuGH-Entscheidung zum Fremdbesitzverbot - Es bleibt alles andersBild: juravendis Rechtsanwälte - Nach der EuGH-Entscheidung zum Fremdbesitzverbot - Es bleibt alles anders
juravendis Rechtsanwälte - Nach der EuGH-Entscheidung zum Fremdbesitzverbot - Es bleibt alles anders
Es ist nochmal gut gegangen, für Deutschlands Apotheker. Der EuGH hat einer langen juristischen und emotionalen Achterbahnfahrt, die vergangene Woche durch Gerüchte um eine Befangenheit des zuständigen Generalanwalts Yves Bot in die letzte Runde ging, vorläufig ein Ende gesetzt und das deutsche Fremdbesitzverbot für Apotheken als europarechtskonform …
Bild: Innovative Arzneimittelversorgung vorantreibenBild: Innovative Arzneimittelversorgung vorantreiben
Innovative Arzneimittelversorgung vorantreiben
… Medikamente, pharmazeutisch geprüft und mit individueller Beratung per E-Mail, Telefon, Chat und Co. In Baden-Württemberg sind die Ärzte mutiger und innovativer als die Apotheker - die Landesärztekammer hat ein Modellprojekt zur Telemedizin gestartet. „Hier müssen die Apotheker andocken, denn was für die Arzneimittelversorgung Effizienz ist, empfinden …
Bild: Patienten wollen Wettbewerb unter ApothekenBild: Patienten wollen Wettbewerb unter Apotheken
Patienten wollen Wettbewerb unter Apotheken
… versprechen sich vom Wettbewerb unter Apotheken einen besseren Service“, sagt BVDVA-Geschäftsführer Udo Sonnenberg. „Es hat den Anschein, dass sich vor allem die stationären Apotheker einem Wettbewerb verschließen, wie es ihn in nahezu allen anderen Branchen bereits gibt.“ Unklarheit herrscht nach wie vor beim Sachzusammenhang Die Hälfte der Befragten …
Bild: Arzneimittelversorgung zukunftsfähig gestalten | Rückfall in alte Verbotsmuster verhindernBild: Arzneimittelversorgung zukunftsfähig gestalten | Rückfall in alte Verbotsmuster verhindern
Arzneimittelversorgung zukunftsfähig gestalten | Rückfall in alte Verbotsmuster verhindern
… umsetzen. Dann würden für gesetzlich Versicherte Einheitspreise gelten, für die 10 Prozent der Privatversicherten möglicherweise allerdings nicht. Außerdem sollen die Apotheker durch das Gesetz, das insgesamt neun Gesetze und Verordnungen tangiert, besser vergütet und Botendienste erweitert werden. Deutsche Bürger wollen Arzneimittelversand Obwohl die …
Bild: Deutschen Apotheken fehlen wettbewerbliche Elemente: Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz tritt heute in KraftBild: Deutschen Apotheken fehlen wettbewerbliche Elemente: Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz tritt heute in Kraft
Deutschen Apotheken fehlen wettbewerbliche Elemente: Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz tritt heute in Kraft
… nach über vier Jahren seit dem EUGH-Urteil wieder gleiche Bedingungen für alle in Deutschland agierenden Marktteilnehmer her. Das ist gut“, sagt Christian Buse, Apotheker und Vorsitzender des BVDVA. Mehr wettbewerbliche Impulse für den Apothekenmarkt Unter anderem verbietet das Gesetz, zukünftig RX-Rabatte anzubieten. Das gilt für Vor-Ort- und für Versandapotheken …
Weitere Experten gegen ein RX-Versandhandelsverbot
Weitere Experten gegen ein RX-Versandhandelsverbot
… Versandhandelsverbot wäre die falsche Antwort und entgegen den Bedürfnissen vieler chronisch kranker Patienten. Das EuGH-Urteil sollte vielmehr dazu anregen, die Aufgaben für Apotheken und Apotheker sowie die entsprechende Vergütung zu reformieren“, so Prof. Busse bei einer Tagung in Berlin. Der BVDVA hat vor einigen Wochen bereits darauf hingewiesen, wer …
Bild: Rx-Präparate: Pharmagroßhandel darf Skonti gebenBild: Rx-Präparate: Pharmagroßhandel darf Skonti geben
Rx-Präparate: Pharmagroßhandel darf Skonti geben
… Umwandlung des Festpreissystems in eine neu einzuführende Höchstpreisverordnung für Rx-Präparate könnten Apotheken unternehmerischer im Sinne ihrer Kunden handeln“, sagt Christian Buse, Apotheker und Vorstand des BVDVA. BHG sieht keine Preisuntergrenze, aber eine Obergrenze bei Rx-Präparaten Für den pharmazeutischen Großhandel hat der BGH die Vorschrift …
Bild: Rx-Versandverbot: Juristische Verfahren werden der neuen Regierung den Verhandlungsspielraum raubenBild: Rx-Versandverbot: Juristische Verfahren werden der neuen Regierung den Verhandlungsspielraum rauben
Rx-Versandverbot: Juristische Verfahren werden der neuen Regierung den Verhandlungsspielraum rauben
… verschreibungspflichtiger Medikamente verboten werden soll. „Das Verbot des Rx-Versands dürfte sich aber nicht durchsetzen lassen, denn es kommt einem Berufsverbot gleich“, sagt Christian Buse, Apotheker und Vorstand des BVDVA. Die Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) ist ein Grundrecht, dass nur mit starken Gründen durch ein anderes Gesetz eingeschränkt …
Bild: arzneimittel.de ++ Ratgeber Gesundheit - EuGH-Entscheidung zum FremdbesitzverbotBild: arzneimittel.de ++ Ratgeber Gesundheit - EuGH-Entscheidung zum Fremdbesitzverbot
arzneimittel.de ++ Ratgeber Gesundheit - EuGH-Entscheidung zum Fremdbesitzverbot
Nach der EuGH-Entscheidung zum Fremdbesitzverbot: Es bleibt alles anders! Es ist nochmal gut gegangen, für Deutschlands Apotheker. Der EuGH hat einer langen juristischen und emotionalen Achterbahnfahrt, die vergangene Woche durch Gerüchte um eine Befangenheit des zuständigen Generalanwalts Yves Bot in die letzte Runde ging, vorläufig ein Ende gesetzt …
Sie lesen gerade: EuGH verwirft Rx-Boni-Verbot: Ist der Apotheker der eigentliche Gewinner?