(openPR) An der Seebrücke von Kühlungsborn herrscht Hochbetrieb. Früh morgens tummeln sich auf dem Holzsteg, der 240 Meter in die Ostsee führt, schon etliche Besucher. Er lockt, dem Meer trockenen Fußes näher zu kommen, diese schwer erklärbare, emotionale Mischung aus Salzwasser, jodhaltiger Luft und dem sagenhaften Gefühl von Freiheit, das im grenzenlosen
Horizont liegt, zu ergründen. Das regt den Körper und die Fantasie an. Gedichte werden erdacht, Grübeleien in den Wind geblasen, Krisen lösen sich in Luft auf. Am Meer hat man mehr vom Leben.
Ein anderer Strom von Menschen zieht sportlich, dynamisch in Richtung Konzertgarten. Viele tragen Stöcke bei sich. Denn in Kühlungsborn ist Nordic-Walking-Tag. „Es gibt kaum einen gesünderen Sport“, sagt Jörg Schefe zur Eröffnung. Der Mann mit dem roten Käppi ist auf dem Gesundheitstripp, Stützpunkttrainer der Nordic Walking Union und mit seinem „NW-Mobil“
ständig zwischen Schwerin, Rostock und Brandenburg unterwegs. Diesmal in Kühlungsborn. Wer keine Stöcke hat, kann sie ausleihen. Doch vor dem Vergnügen steht das Aufwärmen. „Walken wird leicht unterschätzt“, ruft Jörg der Gruppe lachend zu, die im Rhythmus der Musik flotte Arm- und Beinübungen macht und in der auch die Geübten langsam das Kribbeln in den
Muskeln spüren. „Ein Ausdauersport, supergesund. Mit dem habt Ihr mehr vom Leben“, sagt Jörg am Schluss und übergibt alles Weitere an Bettina Roese-Plöger, Basic Instructor der örtlichen Trainingskurse, die mit der Gruppe in die Umgebung ausrückt.
Während die Walker auf der Ostseeallee an den prächtigen restaurierten Villen aus der Bäderzeit um 1900 vorbeigehen, kontrolliert Tina genau, ob die Haltung stimmt und keiner das Pumpen mit den Händen vergisst. „Das stählt die Schultern!“ Durch den Stockeinsatz kommen neunzig Prozent der Muskeln in Bewegung. „Aktives Gehen“, nennt die Expertin das und biegt in den Stadtwald ein, wo die Walker richtig in Schwung kommen. Kühlungsborn ist für Sportler ein ideales Pflaster. Allein der Strand bietet sechs Kilometer Laufstrecke, die Promenade fast vier Kilometer. Zwischen den Ortsteilen West und Ost, die 1938 aus den Orten Arendsee und Brunshaupten zusammengelegt wurden, liegen 133 Hektar Wald. Wem das nicht reicht, der geht in die nahe Kühlung, dem kleinsten Mittelgebirge Deutschlands. „Lieber in der Natur laufen, als zum Arzt gehen“, sagt Tina den Walkern.
Genug getan, jetzt ist „Molli“ dran. In Kühlungsborn West wartet die gemütliche schwarze Dampflok schon vor dem historischen Bahnhof. Die Abteile füllen sich, und schnaufend setzt der „Molli“ sich fahrplanmäßig in Bewegung. Ein nostalgisches Abenteuer, denn die Schmalspurbahn wird im Juli 120 Jahre alt. Wie damals dampft die Bimmelbahn heute durch
Kurven, passiert mit maximal 40 km/h goldgelbe Rapsfelder und Wiesen, das legendäre Seebad Heiligendamm und die historische Galopp-Rennbahn. „Die Fahrkarten bitte“, ruft der Schaffner und knipst zum Entwerten in die neue alte Edmonsche Pappfahrkarte, die seit kurzem wieder gedruckt wird.
Nach 15,4 Kilometern ist Endstation in Bad Doberan, wo die bedeutendste Zisterzienserabtei Mecklenburg-Vorpommerns steht.
Zwischen Sumpfdotterblumen und hoch gewachsenen Buchen erhebt sich die gewaltige gotische Backsteinbasilika. „Die Zisterzienser waren geniale Ingenieure“, sagt Ursula Gühler, die seit sieben Jahren im Münster Gäste führt. Erst legten die Mönche den Sumpf trocken, dann bauten sie ein fünf Meter tiefes Steinfundament – „hart wie Beton“. Putzsucht war den Zisterziensern fremd. Doch mit dem Raum, der hier in den Himmel wächst, wucherten sie. Unter dem Kreuzgewölbe stehen auf 78 Meter Länge 24 Pfeiler, die eine Höhe von 26 Metern messen. „Man braucht fünf Erwachsene, um eine Säule zu umfassen“, so Gühler. Spannende Daten. Insgesamt fünf Millionen Backsteine sollen verbaut sein. Backsteine für die Ewigkeit. „Gut drei Jahre brauchte das Gemisch aus Lehm, Sand und Wasser, ehe es durchgetrocknet, gebrannt und vermauert war“, weiß Gühler vom Alltag am Bau zu erzählen. Eine Ewigkeit, und das Münster steht nun seit mehr als 700 Jahren. Der erste Spatenstich wurde um 1270 gesetzt, erst 1368 folgte die Weihung. Der Schmuck wie die prächtigen Altäre und Gräber stammen aus späteren Epochen, als die Zisterzienser es mit der Askese nicht mehr so genau nahmen. Die Reformation brachte im Jahr 1552 die Auflösung des Klosters, es blieb aber als landesfürstliches Grablege erhalten.
Zurück am Meer, ein Stück weiter westwärts bei Boltenhagen. Wind ist aufgekommen. Er bläst mit Stärke 7. Die „MS Boltenhagen“ hat die Schiffstouren vorerst eingestellt und liegt vertäut an der Seebrücke. Auch bei der neuen Swin-Golf-Anlage, auf der Anfänger unkompliziert und unelitär erste Schritte auf dem Grün wagen, bleiben Bälle und Schläger im Schrank. Nur in den Strandkörben sonnen sich die Unverzagten im natürlichen Thalassoklima, das die Natur ihnen gratis liefert. Die Böen zupfen an den Haaren, blasen die Lungen frei und durchbluten die Haut. Am Wellensaum stapfen kraftvoll Strandläufer und Nordic Walker in Richtung Steilküste und widersetzen sich der Wucht von vorn. Das ist Bodybuilding ohne Hanteln, Gewichten und Crosstrainer. Am Meer liegt das Fitnesstudio direkt vor der Haustür. Im nahen Wismar geht der Wind genauso steif wie am Strand.
Wind zum Leben. Die Naturgewalten, Koggen und gewieften Kaufleute waren zur Hansezeit das Kapital der Stadt, die damals „die Perle“ genannt wurde und heute mit der Hansekollegin Stralsund zum Unesco-Welterbe gehört. Dank der Monopole für den Handel mit Tuch, Pelzen, Salz und Honig wuchsen Macht und Reichtum der Städte ins Unermessliche. In der Gewölbe-Ausstellung des Rathauses ist auf einem selten gut erhaltenen Fresko zu sehen, wie die Leute im 14. Jahrhundert das Löschen der Koggen mit Wein und Bier feierten. An einem unscheinbaren Holzrohr gleich daneben erklärt Stadtführer Horst Walter, dass dies Teil des Doppelrohrsystems war, mit dem die pfiffigen Wismarer zum Bierbrauen Quellwasser aus sechs Kilometer Entfernung nach Wismar leiteten. Wieder oben am Markt, der der zweigrößte Norddeutschlands ist. „Das Ensemble ist wie eine Stilfibel“, sagt Walter und zeigt Gebäude aus der Gotik, Renaissance, dem Barock, Klassizismus und Jugendstil.
Das Prunkstück ist der „Alte Schwede“, dessen rubinrote Ziegel in der Sonne wie Edelsteine funkeln. Das Patrizierhaus strotzt bis unter die hohe Blendfassade vor Stolz, Standesbewusstsein und Machtanspruch. Außer den imposanten Giebelhäusern leisteten sich die 6000 Einwohner gleich drei backsteinerne Großkirchen: St. Nikolai, die viertgrößte in Deutschland, St. Marien und St. Georgen. Die Gotteshäuser wurden mit dem Geld der Kaufleute gebaut. Eine ihrer Koggen, die größte und älteste, die je gefunden worden ist, hat Ende Mai in Wismars altem Hafen einen festen Liegeplatz bekommen. Das Wrack der „Wissemara“ von 1354 wurde detailgetreu nachgebaut und mit modernster Technik ausgestattet. Zur diesjährigen Hanse Sail wird an ihrem 32 Meter hohen Mast erstmals das große Rahsegel mit einer Fläche von 270 Quadratmetern wieder gehisst. Nach gut 650 Jahren sticht sie wieder in See. Dann heißt es auch für sie „Meer zum Leben“.
Informationen:
Verband Mecklenburgischer Ostseebäder e.V., Uferstraße 2, 18211 Ostseebad Nienhagen, Tel.038103-77 61-0, Fax –77 71 20, www.ostseeferien.de., Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V., Platz der Freundschaft 1 · 18059 Rostock · www.auf-nach-mv.de, Pressekontakt: Pressestelle · fon +49(0)381 40 30-610 · fax –555 ·
Aktivitäten
Nordic-Walking-Kurse werden in Kühlungsborn ganzjährig angeboten. Schnupperkurse 2x wöchentlich Di + Do, 9.30 Uhr. Im Sommer zusätzlich geführte Wanderungen für Fortgeschrittene Mi 9.30 Uhr. Anmeldung und Treffpunkt: Haus des Gastes, Ostseeallee 19, 18225 Ostseebad Kühlungsborn, Tel. 038293-84 90, Fax –849 31, www.kuehlungsborn.de.
Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH, Am Bahnhof 18209 Bad Doberan, Tel. 038203- 4150, Fax –415 12, www.molli-bahn.de. Swin-Golf, Hof an der Steilküste, 23946 Ostseebad Boltenhagen-Redewisch, Tel. 038825- 26321, www.swingolf-boltenhagen.de. Tgl. 10-21 Uhr. „Carolinchen“, Boltenhagener Bäder Bahn, 23946 Ostseebad Boltenhagen, Tel. 038825-232 01
oder 0171-400 76 70, www.carolinchen.net. Abfahrten an der Haltestelle Kurhaus. Stadtführungen in Wismar, Tourist-Information, Am Markt 11, 23966 Wismar, Tel. 03841-251-3026. Tgl. um 10.30 Uhr, Dauer: 2 Std.
Freizeitbad Wonnemar, Bürgermeister-Haupt-Str. 38, 23966 Wismar, Tel. 03841-32 76 23, www.wonnemar.de. Geöffnet Okt.-Apr So-Do 10-22 Uhr, Fr-Sa 10-23 Uhr. Mai-Sept tgl. 10-21 Uhr.
Gut Schlafen
Hotel-Residenz Waldkrone, Tannenstr. 4, 18225 Ostseebad Kühlungsborn, Tel. 038293-400, Fax – 100 11, www.waldkrone.de. Komfortable, großzügige Zimmer in einer renovierten Bädervilla von 1906 im ruhigen Westen des Seebades. Seehotel Großherzog von Mecklenburg, Ostseeallee 1, 23946 Ostseebad Boltenhagen, Tel. 038825-500, Fax 505 00, www.seehotel-boltenhagen.de. Freundliches Hotel mit Vier-Sterne-Komfort und dem Strand vor der Haustür. Gleich daneben Seebrücke, Promenade und Kurhaus.
Gut Essen und Trinken
„Orangerie“ im Hotel „Vier Jahreszeiten, Ostseeallee 8, 18225 Ostseebad Kühlungsborn, Tel. 038293-810 00, Fax –810 81, www.vier-jahreszeiten.de. Kulinarische Höhepunkte in einer restaurierten Villa im Stil der Bäderarchitektur.
Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. ist der zentrale
Ansprechpartner für Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Er gibt umfassende
Reiseinformationen über Urlaub an der Ostsee, in der Seenplatte,
Familienferien, Radwandern, Hausbootferien oder Wellness im sanft
gewellten Hügelland und an der Küste. Ein Buchungsservice für
Ferienwohnungen, Hotels, und Pauschalen, Katalogbestellung und
Veranstaltungskalender gehören ebenfalls zum Service des
Landesverbandes.











