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Umweltkatastrophe in Vietnam

02.05.201615:28 UhrEnergie & Umwelt
Bild: Umweltkatastrophe in Vietnam
Empörung über Massenfischsterben in Vietnam: #ich wähle Fisch (Bild oben), Künstlerprotest (unten)
Empörung über Massenfischsterben in Vietnam: #ich wähle Fisch (Bild oben), Künstlerprotest (unten)

(openPR) 30.04.2016 (Forum Vietnam 21) - Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit ist Vietnam seit ein paar Wochen von einer Umweltkatastrophe betroffen.

Bereits Anfang April 2016 wurden vermehrt tote Fische in den Küstenprovinzen von Zentralvietnam gefunden. Die Katastrophe nahm ihren Lauf in Provinz Ha Tinh, weitete sich auf die südlichen Nachbarprovinzen Quang Binh, Quang Tri und Thua Thien - Hue und erreicht nun auch schon Da Nang. In der letzten Aprilwoche erreicht das Massensterben mit hunderttausenden von toten Fische den vorläufigen Höhepunkt. Für die Fischer ist dies das Aus für ihre Lebensgrundlage.



Die Ursache für das massive Fischsterben ist noch unbekannt. Regierung und Industrie weisen jede Schuld weit von sich. Das in der Industriezone Vung Ang, Provinz Ha Tinh, befindliche Stahlwerk "Formosa Ha Tinh Steel Company (FHS)" steht unter dem Verdacht, giftiges Abwasser ins Meer geleitet zu haben. Die FHS bestreitet jegliche Verantwortung für die Katastrophe, da angeblich alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt seien. Zuerst entschuldigte sich Chou Chun Fan, ein leitender FHS-Manager, für die Katastrophe. Mit der Aussage “Um ehrlich zu sein, man muss etwas verlieren, um etwas zu gewinnen. Willst du Fische oder willst du ein Stahlwerk?. Du musst dich entscheiden" versuchte Chou sich zu rechtfertigen. Selten ist ein Manager so „ehrlich“ wie der FHS-Manager. Chous Aussage hat eine Welle der Empörung in der vietnamesischen Öffentlichkeit ausgelöst.
In den sozialen Medien schossen empörte Vietnamesen daraufhin Selfies mit Postern, auf denen stand: "Ich wähle Fisch." Unter dem Hashtag #toichonca ("Ich wähle Fisch") machen die Menschen ihrem Unmut über das Stahlwerk und die ihrer Ansicht nach viel zu langsame Reaktion der Regierung Luft. Als Konsequenz seiner „Ehrlichkeit“ wurde Chou entlassen, da sein Statement nicht der offiziellen Sprachregelung des Unternehmens entspricht.

Und die Regierung in Hanoi? Sie verharrt im Nichtstun. Die Katastrophe trifft sie völlig unvorbereitet, es gibt gar kein funktionierendes Krisenmanagement. Kein Ministerium fühlt sich für den Fall zuständig. Zuerst ging die lokale Behörde von Ha Tinh in die Öffentlichkeit und behauptete , sie habe keine Erlaubnis zur Durchführung von Untersuchungen, weil das Stahlwerk ausländisches Eigentum sei. Später versuchte es das Ministerium für Industrie und Handel mit einem Besuch bei der FHS – der Ausgang ist unbekannt. Schließlich gab am 27.04.2016 der stellvertretende Minister für Ressourcen und Umwelt (Ministry of Natural Resources and Environment) Vo Tuan Nhan in einer 10-minütien Pressekonferenz bekannt, dass toxische Chemikalien, von Menschen ins Meer ausgeschieden, und eine Algenblüte die Ursache für das Fischsterben sind. Nach Ansicht Vos ist die FHS nicht für das Fischsterben verantwortlich. Fragen waren bei der Pressekonferenz nicht zugelassen.

Auf die Frage einer Reporterin der Zeitung Thanh Nien nach der Pressekonferenz, welche Erklärung der stellvertretende Minister habe für die hohe Konzentration von Schwermetall im Meereswasser, reagiert er gereizt: "Deine Frage schadet eher unserem Land. Schalte dein Gerät bitte aus".

Um zu zeigen, wie verseucht das Meereswasser derzeit in der Küstenregion ist, hat ein TV-Reporter einen Test gemacht, indem er Wasserprobe in einem Fischfarm entnahm und zwei gesunde Fische in den mit dem entnommenen Wasser gefüllten Behälter setzte. Nach nur zwei Minuten starben die Fische qualvoll.

Vietnamesische Umweltschützer geben sich mit der Erklärung des Minisierums für Ressourcen und Umwelt nicht zufrieden. Sie rufen am Tag der Arbeit (01.05.2016) zu einer Massendemonstration gegen vom Menschen verursachte Umweltkatastrophen in Hanoi (vor dem Großtheater) und Saigon (Park 30. April, Distrikt 1) auf. (tad)

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