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Arbeitskreis Leben ist alarmiert: Immer mehr ältere Menschen nehmen sich das Leben

14.06.200614:02 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes

(openPR) Tübingen, 14. Juni 2006. Mehr als zehntausend Menschen bringen sich in Deutschland Jahr für Jahr um ihr Leben. Damit liegt die Zahl der Selbsttötungen nahezu doppelt so hoch wie die der im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Menschen. Besonders alarmierend: Der Anteil der älteren Menschen, die ihr Leben selbst beenden, steigt kontinuierlich. Darauf weist die Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitskreise Leben Baden-Württemberg (LAG) hin. Die Arbeitskreise Leben (AKL) bieten Menschen Hilfe bei Selbsttötungsgefahr und in Lebenskrisen.



„Im Frühjahr ist es besonders deutlich“, weiß Carola Schnurr, hauptamtliche Fachkraft beim Arbeitskreis Leben Tübingen. Wenn sich die meisten Menschen an der wieder erwachenden Natur und den längeren, sonnigen Tagen erfreuen, häufen sich die Hilferufe von verzweifelten Menschen. „Für Viele wird da der Unterschied zwischen der eigenen, negativ geprägten Stimmung und der Außenwelt unerträglich.“ Die Zahl der Kontaktaufnahmen und die Suizidrate sind deshalb in dieser Zeit besonders hoch.

In Tübingen, wurde vor 30 Jahren der erste Arbeitskreis Leben gegründet mit dem Ziel, Menschen in Lebenskrisen zu helfen, gemeinsam mit ihnen Wege aus ihrer scheinbar ausweglosen Situation zu finden und ihnen wieder neuen Lebensmut zu geben.

Inzwischen gibt es in Baden-Württemberg zwölf solcher Einrichtungen. Sie stehen Suizidgefährdeten und Menschen nach Selbsttötungsversuchen, aber auch Angehörigen und Hinterbliebenen von Suizidtoten zur Seite – als Gesprächspartner und mit weiterführenden Angeboten, die helfen sollen, die Betroffenen wieder zu stabilisieren und ihnen eine Neuorientierung zu ermöglichen. Getragen wird diese Arbeit von ehrenamtlichen KrisenbegleiterInnen und hauptamtlichen Fachkräften.

Ältere Menschen sind überproportional gefährdet

Seit einigen Jahren beobachten die AKL-MitarbeiterInnen eine Besorgnis erregende Entwicklung: Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Menschen dank des medizinischen Fortschritts immer älter werden, scheinen immer mehr von ihnen dies nicht als Segen sondern als Last zu empfinden, die sie nicht mehr zu tragen vermögen. Carola Schnurr: „Von 10.733 Suizidtoten in Deutschland im Jahr 2004 waren 4.490 60 Jahre und älter, das entspricht rund 42 Prozent aller Selbsttötungen.“ Zum Vergleich: Dieselbe Bevölkerungsgruppe stellt mit rund 20,5 Millionen Menschen lediglich ein knappes Viertel der Gesamtbevölkerung (82,5 Millionen) in Deutschland.
Damit liegt die Selbsttötungsrate bei den Senioren mehr als doppelt so hoch wie beim Rest der Bevölkerung.

Gesprächsangebote dringend nötig

„Veränderungen im Alter sind in der Regel mit Verlusterfahrungen verbunden: Verlust der körperlichen Gesundheit, Verlust von Mobilität, Partnern und Freunden. Hinzu kommen Ängste und Sorgen, die viele von ihnen mit niemandem teilen und besprechen können. Die Angst, anderen zur Last zu fallen, wird durch die gesellschaftliche Diskussion mit Begriffen wie Rentenlast und Altenlast genährt“, weiß die AKL-Mitarbeiterin aus ihrer täglichen Arbeit. Eine enorme Hemmschwelle davor, sich helfen zu lassen, halte ältere Menschen meist davon ab, eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Gespräche in einem geschützten und vertrauensvollen Rahmen entlasten und stabiliseren“, so Carola Schnurr. Darüber reden kann also tatsächlich Leben retten (siehe Plakat: Alle 47 Minuten ...“).

Durch Aufklärungsarbeit und das Bekanntmachen der AKL-Einrichtungen und ihrer Arbeit hoffen die Verantwortlichen, künftig mehr Menschen zu erreichen, um sie in einer solchen Situation unterstützen zu können. Unser Angebot richtet sich an Menschen aller Altersstufen, aber gerade für ältere Menschen gilt es besonders, Hilfe und Gesprächsangebote zugänglich zu machen.“

Um dies zu gewährleisten bedarf es einer zeitnahen und unbürokratischen Kontaktaufnahme, wie sie in der AKL-Arbeit zum Standard gehört. Gerade bei älteren Menschen ist das Aufsuchen zu Hause oder im Pflegeheim oft die einzige Möglichkeit mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Denn, so Carola Schnurr: „Der Bedarf an niedrigschwelliger Krisenbegleitung wächst in den letzten Jahren ständig, und Suizid ist nicht nur im Alter ein stark tabuisiertes Thema, mit dem betroffene Menschen in der Regel allein gelassen sind.“

Angewiesen auf Spenden

Einfach indes ist das nicht. So fehlt es den Arbeitskreisen vor allem an finanzieller Unterstützung. „Zwar werden wir im Gegensatz zu anderen Bundesländern vom Land Baden-Württemberg unterstützt, dennoch sind die Leistungen der öffentlichen Hand insgesamt für unsere Arbeit in den vergangenen Jahren dramatisch zurück gegangen“, erklärt Volker Schumacher, Geschäftsführung des AKL Tübingen und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der AKL Baden-Württemberg. Dabei werde die Belastung von Jahr zu Jahr höher. „Die aktuell zwölf AKL im Land müssen in diesem Jahr rund 440.000 Euro, das entspricht etwa 42 Prozent des Gesamthaushaltes von rund 1,05 Millionen Euro selbst `erwirtschaften´.

In der Beteiligung engagierter Bürger, die sich für Mitmenschen in schwierigen Situationen einsetzen und ihre Lebenserfahrung und ihr Verantwortungsgefühl einbringen, liegt der Erfolg unserer Arbeit.“
Um dieses niedrigschwellige und zeitnahe Hilfeangebot aufrecht zu erhalten, sind die Arbeitskreise Leben mehr denn je auf zusätzliche öffentliche Mittel und Spenden angewiesen.“


Hinweise für die Redaktion:

Selbstverständlich stehen Ihnen die MitarbeiterInnen der AKL in Baden-Württemberg gerne für weitere Informationen und/oder ein Gespräch zur Verfügung.
Die Kontaktdaten: Volker Schumacher, Geschäftsführung Arbeitskreis Leben e.V. Tübingen, Tel.: 07071-9221-11, Fax : 07071-9221-90, Mail: E-Mail

Druckfähiges Bildmaterial zu dieser Meldung sowie die Druckvorlage für ein AKL-Plakat („Alle 47 Minuten bringt sich ein Mensch um sein Leben“) finden Sie zum Download unter www.ak-leben.de/presse.

Wir freuen uns, wenn Sie die Arbeit der AKL in Baden-Württemberg durch Veröffentlichung des AKL-Spendenkontos unterstützen:
LAG AKL Konto Nr. 24 169 46
Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01)


Über die Arbeitskreise Leben (AKL):
Die Arbeitskreise Leben (AKL) bieten Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeder sozialen Stellung Hilfe bei Selbsttötungsgefahr und in Lebenskrisen. Das Angebot ist grundsätzlich kostenlos. Es wird überwiegend getragen von freiwilligen MitarbeiterInnen, die von sozialpädagogischen und therapeutischen Fachkräften unterstützt werden. Ziel ihrer Arbeit ist es, Menschen aus der Ausweglosigkeit zu begleiten und mit ihnen gemeinsam Wege zur Stabilisierung und Neuorientierung zu finden. Das Angebot gilt für Menschen in Lebenskrisen oder nach einem Suizidversuch, aber auch für deren Angehörige.

Die Arbeit der Arbeitkreise Leben finanziert sich durch Spenden und durch freiwillige Beiträge Hilfesuchender. In der Landesarbeitsgemeinschaft der AKL Baden-Württemberg sind derzeit zwölf eigenständige, regional wirkende AKL-Einrichtungen zusammengeschlossen, eine weitere soll in Kürze hinzukommen. Sie sind Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband und bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der AKL Baden-Württemberg ist Volker Schumacher, Geschäftsführung Arbeitskreis Leben e.V. Tübingen.

Hintergrund:

Die Arbeitskreise Leben in Baden-Württemberg bieten mit haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen die alltagsnahe Begleitung von Suizidgefährdeten und Menschen in Lebenskrisen. Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen werden für ihre Arbeit von sozialpädagogischen und therapeutischen Fachkräften ausgebildet und während ihrer Tätigkeit unterstützt.

Die Zahlen für 2005:

- elf Krisenberatungsstellen der AKL in Baden-Württemberg
- 265 ehrenamtliche KrisenbegleiterInnen
- rund 50 Ehrenamtliche in Ausbildung
- weitere rund 60 aktiv unterstützende und etwa 260 fördernde Mitglieder
- 26 Fachkräfte, verteilt auf 14 Vollzeitstellen
- 2.741 Anfragen nach Unterstützung (90 mehr als in 2004).

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