(openPR) Mysterium Nahtoderlebnis: Nach Aussagen des Netzwerk-Nahtoderfahrung e.V. hatten in Deutschland geschätzte vier Millionen Menschen schon mindestens einmal ein ungewöhnliches, paranormales Erlebnis, welches ihr weiteres Leben von da an prägt.
Wissenschaftler können einige Aspekte des Phänomens der sogenannten Nahtoderlebnisse, die sich oft traumatisierend auf die Betroffenen auswirken, erklären. Andere Aspekte entziehen sich dem Blick der Forscher.
Zu ihren häufigsten Merkmalen gehören unter andrem helle Lichtvisionen, oft am Ende eines Tunnels, die auch als goldener Schimmer oder als Sonnenstrahlen beschrieben werden. Viele berichten vom Gefühl des Schwebens, und davon, ihren Körper von oben, aus der Vogelperspektive sehen zu können. Ihre Berichte beschreiben das Verlassen des eigenen Körpers, Glücksgefühle oder einen „Lebensfilm“, der im Geist des im Sterben Liegenden abläuft. Oft äußern Überlebende ihre Enttäuschung über die Rückkehr in ihren kranken Körper. Sie erzählen von der Begegnung mit ihren bereits verstorbenen Angehörigen und von einem veränderten Leben ohne Angst vor dem Tod. Manche berichten auch davon, dass ihre „Sinne erweitert“ gewesen seien.
Viele der Betroffenen sehen sich nach einem solchen Erlebnis dazu veranlasst, ihr gesamtes Leben neu zu ordnen. Berichte über Nahtoderfahrungen haben eins gemeinsam, nämlich, dass insbesondere Überlebende eines Herzstillstandes ihre Nahtoderfahrungen als besonders real empfinden. Es ist ein weltweites Phänomen, das jeden von uns treffen kann.
In einer im Oktober 2014 veröffentlichen AWARE-Studie, wurden 2060 Patienten mit Herzstillstand aus den USA, Großbritannien und Österreich vier Jahre lang untersucht. 46 Prozent der 140 befragten Überlebenden, gaben an, sich an optische und arkustische Wahrnehmungen während ihres Herzstillstandes erinnern zu können.
Eine Nahtoderfahrung ist ein Erlebnis, das sich traumatisierend auswirken kann. Danach ist für das Opfer nichts mehr so, wie es mal war, und der Betroffene selbst ist nicht mehr der, der er mal war. Nicht wenige tauschen danach ihre Karrierepläne gegen selbstloses Engagement, oder sie werden religiös. „Ein Beleg dafür, dass es höhere Wesen und damit Gott gibt, sind Nahtoderlebnisse. Tausende Menschen haben sie gemacht. Die wenigsten von ihnen haben bisher darüber gesprochen, da ihnen keiner glauben wollte, “ sagt Björn Weiershausen auf seiner Webseite Wo-ist-Gott.
Aber wir sollten uns davor hüten, leichtfertig oder gar abwertend, ein schnödes Träumen von zuvor erworbenen spirituellen und anderen Erfahrungen zu unterstellen, wenn uns jemand von seinem Nahtoderlebnis berichtet. Er vertraut uns damit etwas Wertvolles an, sich selbst. Möglicherweise stellt dieser Mensch gerade alles in Frage, das ihm früher wichtig war, möglicherweise stellt er seine bisherigen Wertvorstellungen in Frage. Statt für seine Altersvorsorge oder für ein Sportboot interessiert er sich nun vielleicht für Tierschutz und für Terra-Preta, die schwarze Erde des Amazonas und für Naturreligionen, oder für Feng Shui. – Berichte darüber, dass der Wertewandel anders herum gelaufen wäre - Aktien statt Peace-Keeping, sind indes nicht bekannt.
Dabei liegt es auf der Hand, Spiritualität und intrinsische Religiosität, also die Glaubenspraktizierung um ihrer selbst Willen, nicht um des sozialen Umfelds Willen, als sich überlappend anzusehen.
Für beides gilt jedoch in gleicher Weise: Religiosität und Mystik sind keinesfalls mit Nahtoderlebnissen zu verwechseln. Im Gegenteil:
Der Neurochirurg George Mashour sagt zum Zustand des im Sterben liegenden Menschen: „Viele elektrische Merkmale des Bewusstseins übersteigen sogar die Werte des Wachzustandes. Das deutet darauf hin, dass das Gehirn im frühen Stadium des klinischen Todes zu gut organisierter elektrischer Aktivität fähig ist“. Und nun der Vergleich mit mystisch „entrückten“, sich im religiösen Trancezustand befindlichen Personen: Mittels moderner Diagnose-Technik (mit PET) wurde untersucht, was sich in den Gehirnen tibetischer Mönche während der Meditation abspielte. Dazu wurde die Durchblutung des Gehirns mittels eines schwach radioaktiven Kontrastmittels sichtbar gemacht. Die Probanden gaben ein Zeichen, sobald sie sich völlig „mystisch entrückt“ fühlten. Das per Hirn-Scan ermittelte Ergebnis ergab: Im oberen hinteren Scheitellappen war der Blutstrom stark zurückgegangen.
Von ähnlichen Beobachtungen wusste der gleiche Forscher auch bei Franziskanerinnen zu berichten, die tief ins Gebet versunken waren.
Wir müssen also an einen Aktivierungsrückgang im Hirn denken, wenn wir von Mystik sprechen, von dem Empfinden eines Loslösens von räumlichen Dimensionen, vom Nirwana. - Quelle: Moderne Sinnsuche, Anton A. Bucher.
Ein rein medizinisches Phänomen indes ist ein Nahtoderlebnis auch nicht. Sonst könnten wir auch flackernde Quadrate und funkelnde Kreise sehen, und wir könnten dies als äußerst unangenehm oder sogar als einen „Horrortrip“ empfinden. Statt wunderschöner Musik könnten wir auch das Kreischen gläserner Kettensägen hören. Doch es ist kein Mensch bekannt, der ein Nahtoderlebnis, vielleicht wirklich eine Zwischenwelt von Leben und Tod, als erschreckend oder beängstigend empfunden hätte. Die Betroffenen berichten von einem schönen Erlebnis, und oft auch von der Enttäuschung über die Rückkehr ins Leben.
Aber was kommt nach dem hellen Licht?
Kein Mensch ist bekannt, welcher jemals über seine Rückkehr zu berichten wusste, von dem Danach, vom Himmel, vom Paradies und nicht aus der Hölle. Die Antwort auf diese Frage liegt in unserer Vorstellungskraft. Bettina Wendt erzählt in ihrem Roman „Grenzenlos“ von intensiven Emotionen, von Begegnungen, vom Verzeihen, und von der immer wiederkehrenden Aussage: Ich kann nicht glauben, dass ich tot bin. Es ist eine Fiktion von "der anderen Seite", vom Leben nach dem Tod.
Die Nahtoderlebnisse gleichen sich weltweit. Sie sind nicht an die Kultur, Tradition, Religion, oder an irgendeine Ideologie oder politische Weltanschauung gebunden, ebenso wenig an das Geschlecht oder an das Alter des Betroffenen. Während der Eine eher nüchtern von hyperaktiven Hirntätigkeiten spricht, genügt es dem anderen als Beweis, dass wir uns nach unsrem irdischen Dasein auf den Weg zu Gott begeben.
Religiosität, oftmals ja. – Religion, nein. Die türkisch-kurdische Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates empfindet ihre Nahtoderfahrung als Gotteserlebnis. - Sie ist Muslimin.
Der amerikanische Neurochirurg Eben Alexander hielt die Berichte seiner Patienten von deren Nahtoderlebnissen und von ihren Gesprächen mit Gott für reine Fantasie, bis er in Folge einer seltenen Form der Gehirnhautentzündung selbst ins Koma fiel.
Der Naturwissenschaftler Roth führt derlei Wahrnehmungen auf die Ausschüttung von Endorphinen mit ihren euphorischen Folgen zurück, sowie auf eine Unterversorgung der Netzhaut des Auges. Aber ein in solcher Weise unterstellter Fata-Morgana-Effekt erzeugt bekanntlich keine funkelnden Kreise, sondern immer wieder das helle Licht, Musik und oft Gespräche mit Gott.
Slowenische Forscher führen dies auf den Anstieg von Kohlendioxid im Blut zurück, aus dem eine Veränderung des Säure-Basen-Gleichgewichts resultiere, welche derlei Wahrnehmungen hervorrufe.
Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse scheinen das Ergebnis von Laborversuchen mit Ratten zu untermauern, wonach auf einen Herzstillstand eine kurzfristige Steigerung der Hirnaktivität folgt.
Erfahrungsgemäß bedeutet Mensch-Sein mehr als das Durchblutet-Sein der sich fortpflanzenden Materie. Somit dürfte die Suche nach Gott im Labor bislang nicht gelungen sein.
Vielleicht liegt die Wahrheit über den Zustand zwischen Leben und Tod, wie so vieles, im – spirituellen - Auge des Betrachters: Elektrische Impulse, Hirn-Chemie und Gottes-Gespräche, aber bemerkenswerterweise keine sinn-freien flackernden Quadrate.
In den siebziger Jahren führte Professor Roland Hetzer in der Berliner Charité unter anderem die ersten Transplantationen von künstlichen Herzen in Deutschland durch. Ähnlich wie einst Eben Alexander, der es für reine Fantasie hielt, ist auch er davon überzeugt, dass Menschen in einer, wie er sagt: „Koma-Phase“ oft Empfindungen haben, die nichts mit der Realität zu tun haben, sondern eher mit „tiefen Träumen“. - Träume von Gott?












