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Abenteuer zwischen Riffen, Stürmen, Frauen und Piraten Teil 6

Bild: Abenteuer zwischen Riffen, Stürmen, Frauen und Piraten Teil 6
Äquatortaufe
Äquatortaufe

(openPR) Mein Kindertraum ging in Erfüllung als wir auf Kokos Insel landeten, wo viele vergrabene Schätze ruhen, unter anderen die Madonna von Lima, eine tonnenschwere Statue aus purem Gold, übersäht mit Edelsteinen. Die Insel diente vielen Piraten als Unterschlupf und als Ablageplatz für ihre Beute. Sie ist ideal gelegen in der Nähe der Mittelamerikanischen Küste mit reichlich Trinkwasser und mit einer Bucht – die Waffer Bucht - wo sie Ihre Schiffe an Land ziehen konnten um sie von Bewuchs zu reinigen. Viele Expeditionen waren schon hier und buddelten nach Schätzen, ob jemand was grösseres gefunden hatte ist amtlich nicht bekannt.

Die Insel gehört zu Costa Rica und war zu der Zeit verbotene Zone, ohne Sondererlaubnis durfte man da nicht hin. Ich bin diesmal nicht der Schätze wegen gekommen, wir ankerten trotzdem in Chatam bay, ein 2 M Hai und mehrere Kilo Rotfisch belohnten den Stop. Wir waren aber bei Tageseinbruch wieder unterwegs, der Kanonenboote wegen, wenn Jachten hier unerlaubt hielten wurden sie angeblich beschlagnahmt; aber ich versprach wieder zu kommen. Das Fischen um die Insel war einfach unwahrscheinlich, Doraden und Wahoos gaben sich die Klinke zu unserer Kühltruhe in die Hand, auch auf der Weiterreise fingen wir noch etliche große Fische.

Die Äquatortaufe erlebte ich zum ersten Mal, Klaus spielte Neptun. Er hatte das Anrecht dazu da er auf Handelsschiffen den Äquator schon überquert hatte. Die Zeremonie ist interessant, der Neuling muss gründlich von dem Schmutz der nördlichen Halbkugel befreit werden, der Neptun hat unbegrenzte Macht über alle an Bord und von ihm hängt ab, ob man glimpflich davon kommt oder kielgeholt wird. In alten Zeiten war dieses Ritual eine rauhe Männersache, weil ich dabei war ließ Klaus aber in eigenem Interesse Gnade walten. Wir waren alles Anfänger und er hatte sichtbar viel Spaß. Wir wurden alle ordentlich schwarz von Schuhpaste und gut abgebürstet in unserem Lobstertank, sonst war es ganz manierlich. Alle wurden nach altem Brauch umgetauft, jeder erhielt einen Fischnamen. Ich wurde Hammerhai genannt und war stolz darauf, ich wusste noch nicht dass man damit jemanden als behämmert abstempeln kann, was Klaus wohl in Gedanken hatte. Trotzdem nahm ich den Hammerhai in meine Eignerflagge als Zentralmotiv auf.

Galapagos ist manchmal schwer zu finden, viele fahren daran vorbei. Tiefe Bewölkung ohne Sonne und diesiges Wetter sind die Ursache. Auch wir segelten beinahe an der Insel Espanola vorbei, die Sicht betrug keine 2 Meilen. Es war saukalt, kaum zu glauben am Äquator, wir brauchten Handschuhe, Jacken und Pullover sogar unter Deck. Der Grund der Kälte ist der Perustrom, der das kalte Wasser aus der Antarktis bis weit hinter Galapagos trägt.

In San Christobal ankerten wir in Bahia Wreck. Ich tauschte unseren Fang gegen Säcke von Orangen, Bananen und Gemüse ein, dabei war frisches Zeug hier spottbillig, z.b. 5 Fr.Franken für 1 Sack Orangen, 6 für 1 Staude Bananen, Langusten 10 Ffr Kilo, die sind nicht braun wie in der Karibik, sondern schwarz.
In der Akademie Bay auf Sta.Cruz angekommen begegnete ich Guss Angermeier, der kaum noch Zähne hatte, er hielt nichts vom Zahnarzt, trotzdem war er fit und voller leben. Zusammen mit seinen 3 Brüdern war er einer der ersten Siedler hier. Er wurde früher angeblich als König von Galapagos gekrönt, für mich ist er dass immer noch. Er lud mich zu seiner Höhle ein, sie lag nahe am Wasser und er hatte alles selbst gebaut, ich fand es richtig gemütlich. Rückenwirbel von Walen dienten als Sessel und Überreste von allen möglichen Seebewohnern als Dekoration, die Kulisse war einfach großartig. Das Haus war aus Steinen gebaut, nur das Dach war etwas brüchig zusammengezimmert.

Valerie und ich störten wohl eine gedachte Party, da saßen 2 junge Nymphen, nur in Ziegenfelle gekleidet, die dem Guss sonst als Teppiche dienten. Die Bekleidung war sehr sexy und mir war klar, die Show war nicht mir zugedacht. Die beiden hübschen Touristinnen erlagen wohl dem Charme der Gegend und dem von Guss natürlich. Ich glaube, er hat keine Probleme mit dem Alter, damals war er über 60. Er lag ganz auf meiner Wellenlänge, trotzdem er eher Künstler ist und ich Materialist. Er beantwortet meine Briefe nicht, vielleicht kann er nicht schreiben, aber was soll’s, ich beantworte auch kaum einen Brief. So habe ich wenigstens immer wieder einen Grund hinzusegeln, um ihn zu besuchen.
Ohne Visa sollte man Galapagos schon damals nicht besuchen und wir hatten natürlich keine. Geld regiert die Welt, wir besuchten ohne den lästigen Wächter an Bord, der sonst jeder Jacht vom Parkservice als Begleiter aufgezwungen wird, viele Inseln, ich zählte 12 Ankerplätze. Ich fand keine Schildkröten, außer im Zoo auf Sta Cruz, dafür aber Massen von Ziegen, die vielleicht den Tod dieses Paradieses bedeuten werden. Sie wurden von Piraten angeschleppt und sind heute Herrscher über einige Inseln, hunderttausende von denen knabbern alles Grüne in ihrer Reichweite ab. Schildkröten kommen nicht so hoch und sind die Verlierer, sie werden bald nur noch im Zoo zu sehen sein. Die Treibjagden mögen nur auf kleineren Inseln Erfolg haben, auf großen werden sich die Ziegen danach nur noch schneller vermehren, sie sind der Machtfaktor auf Galapagos.

Ich ergriff Partei und ging auf meine erste Jagd im Leben, die Ziegenjagd auf St.Isabella. Zu der Zeit wohnte auf der größten Insel von Galapagos noch kein Mensch, so störte keiner meinen Kreuzzug. Als Erstes begegnete ich zwei graue erwachsene Esel mit einem schwarzen Baby, alle 3 standen da wie angewurzelt, 20 Meter von mir entfernt. Ich wusste nicht, wie man Esel Salami macht, so ließ ich sie in Ruhe. Dann rannte ein Schwein aus dem Busch vor mir, in Gegensatz zu seinen Artgenossen wie ein geölter Blitz, auch keine 20 Meter weit weg und ich hatte es gut im Visier. Aber auch Schwein stand nicht auf dem Speiseplan, eigentlich wollte ich den Ziegen an den Kragen, so verließ ich die Büsche und ging höher. Da sah ich meine Gegner, eine ganze Horde war auf dem Berg mit dem Fernglas zu sehen. Auf halbem Weg zu denen stand ein alter Bock, der mich beäugte, gute 500 Meter entfernt, er war wohl als Wache aufgestellt. Ziegen sind nicht so dumm wie Schweine und Esel, auch haben diese Böcke sicherlich so manche Jagd erlebt. Ich hätte den Bock vielleicht abschießen können auf diese Distanz, aber alte Böcke schmecken nicht, so schlich ich wie ein Wurm am Boden, um an die Herde heranzukommen. Als ich aus meiner Deckung kam standen zwei Böcke zwischen mir und der Herde, immer noch 500 Meter von mir entfernt und die hatte sich höher auf den Berg verzogen. Die beiden taten ihren Dienst professionell und blieben auf Distanz, ich begriff, ohne Treiber und Hunde werde ich nie näher an die intelligenten Ziegen herankommen. Gegen besseres Wissen eröffnete ich das Feuer und traf nur Luft, durch das Zielfernrohr konnte ich die Aufschläge erkennen, einen Treffer verzeichnete ich aber nicht. Die Herde verschwand im Galopp und als ich in meiner Wut nach den beiden Böcken knallen wollte war keiner mehr in Sicht. Ich kam ohne Fang und Munition ans Boot zurück. 2 Tage schlich ich trotzdem hinterher und musste dann mit Bedauern auf das Ziegenragout verzichten. Also, als Jäger könnte ich mir kein Brot verdienen, dass wurde hier klar ersichtlich.
Am nächsten Tag ging ich lieber auf Langustenfang, sah aber keine. Das Wasser war saukalt, etliche Seehundladies schenkten mir viel Aufmerksamkeit, umkreisten mich, die zierlichen hübschen Tiere hatten keine Angst vor mir. Als ich dann ans Land watete griff mich deren Gatte, einer von mehreren Bullen an und ich rante die Felsen in Weltrekordzeit hoch. Der Koloss witterte Gefahr und ich konnte ihm so schnell nicht klar machen, dass ich nicht hinter seinen Weibern her war. Meine Flossen und Taucherbrille müssten noch heute da sein, wenn ein Mutigerer sie nicht gefunden hat.

Auf San Salvador in der Sullivan Bay erlebte ich eine Überraschung. In Panama erzählte man mir, dass es im Pazifik keine Barakudas gibt, so war ich recht überrascht, als wir abends die Scheinwerfer einschalteten als viel Plätschern den Fisch um uns verriet. Es waren Millionen von Barakudas, alle so 50 Cm groß. Dicke Haie frassen Schneisen ins Gewühl. Mit dem Handnetz fingen wir einige Barakudas und steckten sie an Haihaken, bald hatten wir zwei dicke Haie an der Angel. Ein gefangener Hai kämpft im Unterschied zum Schwertfisch nur so lange, bis man ihn stoppt. Danach lässt er sich mühelos zum Boot ziehen, man steckt ihm leicht eine Schlinge um den Schwanz und zieht ihn an Deck. Er zappelt danach noch etwas und bleibt dann ruhig liegen. Man soll sich aber nicht täuschen, einige von denen warten nur auf die letzte Gelegenheit, den Jäger zu beißen. Um Platz für den nächsten Hai zu machen schob ich einen zur Seite, der schon eine Stunde ohne Bewegung auf dem Deck lag. Vorsichtshalber benutzte ich ein Paddel, der Hai schnappte und verbiss sich gewaltig darin. Ich befahl gleich eine neue Hausordnung, ein schwerer Holzhammer wurde angeschafft, damit kriegte jeder Hai eins auf die Rübe. Danach gab es keine Beißversuche mehr.

Einige Haie waren wohl zu groß für unsere Leinen, es gab Brüche, trotzdem fingen wir 6 in der Nacht. Am Morgen waren wir gerade einen am einholen, als ein aggressiver Kollege ihn anknabberte. Wir zogen das Opfer schnell hoch, der Beißer aber lief Amok. Zuerst biss er in Sayonaras Seite, ich hätte bisher nie gedacht, dass ein Hai das Maul so weit aufreissen kann, im Lack waren deutliche Spuren zu sehen. Danach biss er das Ende von unserem Zodiac weg, der auf einer Seite sofort absackte. “Ja gibt es denn so etwas, S......!” Ich ließ in England eine schwere Handharpune aus Nirosta anfertigen, mit Wiederhaken, gedacht für solche Fälle. Die jagte ich in den Hai, aber dass zeigte kaum Wirkung, das Wasser schäumte, der 3 cm dicke Schaft brach wie ein Streichholz. Es dauerte, bis wir eine Schlinge um seinen Schwanz hatten. Er war ein würdiger Gegner, nur 2.47 groß. Sein Gebiss hing seitdem in der Bar von Sayonara und auch tot blieb er gefährlich. Er biss in viele Köpfe, die ihm beim trinken zu nahe kamen, Pflaster waren bei uns seitdem sehr gefragt.

Da Haie an Deck immer eine Gefahr für unsere Beine waren hingen wir die grossen an die Mastleinen hoch über dem Wasser. Als ich dann nachts Mal über Bord pinkeln ging schnellte ein grosser Schatten keine 10 Zm von mir entfernt aus dem Wasser und biss ein grosses Stück aus dem neben mir hängenden Hai heraus. Der Schreck sass bei mir noch Wochen danach tief, nicht auszudenken die Attacke wäre meinem Stolz zugedacht gewesen.

Und weswegen die Haischlachterei? Ich sah Haie als Ausgeburt des Bösen, ein Kreuzzug gegen sie war meine Rechtfertigung. Eine Freundin meiner Mutter schwamm seinerzeit in der Adria zu einem 100 Meter entfernten Felsen. Ein Hai biss ihr die Beine weg und verschlang dann den schreienden Rest. Diese Erzählung blieb seitdem in meiner Erinnerung. Zu der Zeit konnte ich noch nicht tauchen und hatte tödliche Angst vor Haien. Wenn ich schwimmen ging waren meine Augen dauernd am herumwandern, mit der Umgebung beschäftigt, nach Haien suchend, wenn kein Boden unter mir zu sehen war schwamm ich Weltrekorde zum Ufer. Als ich dann aber tauchen lernte und mir Haie dauernd begegneten, ist meine Angst dem Respekt gewichen. Im Pazifik gab es damals so viele Haie, dass ich manchmal Dutzende um mich herum hatte, wenn ich schwimmen ging, ich musste lernen, mit ihnen zusammen zu leben. Heute fange ich einen Hai nur um ihn zu essen, deren Fleisch schmeckt mir besser als jeder Fisch. Aus Sportgründen aber fing ich sie nie, auch keine anderen Fische. Ich wusste dass meine Einnahmen aus Deutschland bald versickern werden, kannte ich doch die Verschwendungsucht von meinem Ziegen Bruder, so sah ich eine mögliche Einnahmequelle im Fischen, ich versuchte herauszufinden, ob ich von der See leben könnte. Langsam aber bin ich ein “Grüner” geworden, ein Gegner des sinnlosen Mordens auf den Meeren. Ich habe viel davon gesehen und miterlebt und werde in diesem Buch darauf zurückkommen. Aber schon damals waren für mich die “Sportfischer” alles Arschlöcher und ich vermisste Torpedos auf unserem Boot, um Longliner, Tunaboote mit Helikoptern und Walfänger zu versenken, die uns begegneten. Was waren das für Superzeiten, als man noch seine Piratenflagge hissen konnte und eigene Kanonen das Gesetz schreiben.

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