(openPR) Karibische Erlebnisse
Es ging langsam dem Winter entgegen, ich war spät dran, um noch in die Karibik aufzubrechen. Da ergab sich die Gelegenheit, drei Landsleute anzuheuern, alles richtige Spezialisten, ich griff zu und bald saßen wir zusammen und machten Pläne. Rado war ein erfahrener Segler, Doktor einer der jüngsten Ärzte Jugoslawiens und Largo ein schon bekannter Regisseur. Um unterwegs Geld zu verdienen beschlossen wir, Kinderfilme so wie einen Dokumentarfilm zu drehen, ich kaufte für teueres Geld zwei 16 MM Kameras mit allen Extras. Die Reise sollte 3 Jahre dauern. Doktor heiratete noch schnell vor der Abfahrt, die beiden anderen waren es bereits. Ich bezahlte alle drei 6 Monate im Voraus, damit die Frauen etwas Geld erhielten. Wir hatten nichts schriftlich fixiert, mir genügte deren Wort. Was von solchen Ehrenwörtern zu halten ist, wird sich bald zeigen.
Den richtigen Vorgeschmack auf die Eignerprobleme mit bezahlter Mannschaft erhielt ich bei den Vorbereitungen zu der Weltreise. Kurz vor der Abreise wurde unsere Bordkasse geklaut, 20000.- Ffr. Jack war Kassenwart, ich war in Deutschland. Außer Jack, Wolfgang und meiner 3 Landsleute war noch Rico an Bord, ein Schweizer. Er mixte super Drinks und kochte besser als Wolfgang. Er wettete überall, dass sein Kleiner dreimal in ein Schnapsglas passt und gewann immer.
Wir konnten unmöglich weg, ohne den Dieb zu finden, als sofort jeder jeden auf dem Boot misstrauisch beäugte. Es passierte am Tage von Doktors Hochzeit, es wurde an Land gefeiert und Ricos Bruder war angereist. Der war inzwischen jedoch schon wieder weg und mit ihm wohl das Geld. Ich vermutete es zwar nur, zum Beweis brauchte es mehr.
Mit meinem Miura fuhr ich in Rekordzeit von 6 Stunden die 1400 Km zum Boot, eine Ampulle Scopolamin im Gepäck, der Wahrheitsdroge. Mehr als eine konnte ich nicht auftreiben, ich konnte also nicht alle 6 richtig befragen und musste bluffen. Wir fuhren auf offene See und ich rief die Mannschaft zusammen. Keiner erklärte sich als schuldig, aber wir waren uns einig, der Dieb muss gefunden werden. Wir vereinbarten; entweder er meldet sich freiwillig und gibt das Geld zurück, ohne bestraft zu werden, oder ich stelle ihn und in diesem Fall sollte ihm die rechte Hand abgehackt werden. Ich zeigte dann die Ampulle und einer nach dem anderen kam alleine zu mir in die Kabine. Rico nahm ich zuletzt dran, er gab es aber erst zu, als ich die Nadel aufzog und ihm schilderte, wie schwer Cocktails mit nur einer Hand zu mixen sind. Dann sprach er aber um die Wette, man konnte ihn kaum bremsen. Der Diebstahl wurde ihm auch leicht gemacht, da Jack den Safe Schlüssel unter dem Kopfkissen aufbewahrte und in jener Nacht saufen ging. Das Geld übergab er seinem Bruder zwei Stunden vor meiner Ankunft, möglich nur deswegen, weil Jack gegen meine strikte Anweisung Rico an Land gehen ließ. Wir riefen den Bruder übers Radio an und nachdem Rico 10 Minuten mit ihm sprach, war er am nächsten Morgen mit dem Geld wieder da. Es fehlten ein paar Tausender, aber wir wurden den Dieb los, und dass zählte. Ich behielt Ricos Gold Omega, die Hand durfte er ungeschnitten mitnehmen.
So kam in letzter Minute Leo an Bord, mein schwarzer Starverkäufer aus Deutschland, ein guter Gitarrenspieler und Unterhalter. Er spielte gerne mit aufblasbaren Puppen, so kauften wir ihm eine. Wir schickten ihn zuerst auf die Nachbarjachten um den Kompass Schlüssel zu holen und er schleppte schwitzend immer größere Stücke an und lachte dann herzlich mit, als er feststellte, dass wir ihn nur aufzogen.
In San Remo kaufte ich im Laden noch mehrere Waffen, es sollte Piraten in der Karibik geben. Endlich fuhren wir am 9 Januar 1975 los. Meine Frau schmiss Blumen ins Wasser, ich war voller Gefühle und glotzte zurück. Erst die Grundberührung brachte mich zur Vernunft, wir hatten zu sehr die Ecke geschnitten. Es gab nur einen harten Ruck, kein Wasser in der Bilge, so segelten wir weiter. Vor der Abfahrt konnten wir nur 200 Liter Diesel kaufen, es herrschte Ölembargo. Wir hatten eine ruhige Fahrt bis Gibraltar, Sierra Nevada lag im Schnee, aber wir lagen in der Sonne und die Stimmung war großartig. Largo war viel am Filmen, die meisten aber ruhten sich aus. Ursprünglich wollten wir nach Rio zum Karneval, was aber in den 3 Wochen bis dahin nicht mehr zu schaffen war. In Gibraltar angekommen legten wir am U Ende der alten Zerstörerdocks an und machten neue Erfahrungen. Am nächsten Morgen drehte der Wind und kam von Süden genau in das Becken. Es frischte schnell auf und unser Boot wurde immer heftiger gegen die Hafenwand geschleudert, es wurde hektisch, die Fender halfen nicht mehr. Ich schickte einen Helfer, der mit uns reisen wollte an Land, um einen Riesen Reifen heranzuholen, der in der Nähe lag. Dass ging mir nicht schnell genug, so fing ich an zu brüllen. Beleidigt schmiss er den Reifen hin, ich sprang an Land, verpasste ihm eine Backenpfeife und stellte den Riesenreifen auf, danach warpten wir uns mit zwei Leinen frei. Nur der Cockpittisch ging dabei zu Bruch und wir hatten Kratzer an der Bordwand, trotzdem, wir sind nur knapp der Versenkung entkommen.
Vor der Abfahrt ging die ganze Mannschaft saufen, wir wurden alle herrlich besoffen und liefen 2 Stunden später schwer angeschlagen aus. Ich wurde zum erstenmal fürchterlich seekrank und dachte ernstlich daran, auszusteigen, um in der Sahara Datteln anzupflanzen. Es dauerte 2 Tage, bis ich wieder auf die Beine kam, seitdem meide ich das Besaufen vor jeder Reise und wurde nie wieder seekrank.
Im offenen Atlantik bewies die Elektronik ihre Unverlässigkeit. Unser neuer Omega Navigator zeigte nach 24 Stunden 300 gesegelte Meilen an, dabei machten wir bei leichtem Wind keine 8 Kn. Na ja, vielleicht ist die Strömung hier so stark, war die Meinung der Experten, es stellte sich heraus, dass keiner von uns mit Sextanten navigieren konnte. Aber wir hatten ja noch viel Zeit, bis genaue Navigation gebraucht wurde. Am zweiten Tag segelten wir laut Omega mitten durch Mauretanien. Nun, ich sah kein Land und kein Kamel, also stellten wir das teuere Ding ab.
Auf den Kanaren zeigten meine Spezialisten, dass sie gute Unterwasserjäger waren, sie harpunierten etliche große Fische. Wir spielten Touristen und machten Landausflüge, Largo war viel am filmen, die Stimmung war super. Die Fahrt über den Atlantik verlief reibungslos, meine Landsleute rezitierten meist im Vorschiff melancholische Gedichte, Leo klimperte auf der Gitarre und spielte mit der Gummipuppe und ich spielte Skat mit Jack und Wolfgang, auch Schießübungen auf leere Flaschen wurden gemacht.
Unser Svan war einfach zu segeln, mit unserer starken Mannschaft waren auch bei stärkeren Winden genug Hände da, wenn Segel gekürzt werden mussten. Navigation blieb ein Problem, wir rätselten jeden Tag, wo genau wir wären. Nach 12 Tagen änderte sich dass, Doktor und Rado fanden heraus, wie man die Longitude ausrechnet; mit der Latitude klappte es noch nicht so genau. Aber mit Hilfe eines Handradios fanden sie ein paar Tage später heraus, dass Barbados an Bbd von uns liegt und wir warfen den Anker in Carlisle Bay, 17 Tage nach unserer Abfahrt von Kanaren. Meine Frau war schon da, zur X ten Aussprache. Wir hatten uns auseinander gelebt und es wurde Zeit, über Zukunft zu reden.
Die Behörden kamen an Bord und da ich noch kein Englisch sprach, füllten Doktor und Rado die Formulare aus, ich unterschrieb alle, die mir gereicht wurden. Waffen zu deklarieren brauchte man hier nicht, sagte Rado auf meine Frage. Danach verschwand die ganze Mannschaft ins Vergnügen. Verheiratet zu sein war wohl kein Hindernis, meine Landsleute gingen mit Mädchen aus, mieteten ein Haus und kamen kaum noch zu Besuch. Mich störte dass nicht, ich lernte eine nette englische Stewardess kennen und lud sie auf eine Bootsfahrt mit meinem Speedboot ein. Wir hatten Höllenspaß, an den Kämmen der Brecher entlang zu jagen, bis wir über’n Kopf gingen. Ich wusste, dass es hier Seeigel mit sehr langen Nadeln gibt, aber ich hatte mehr Angst vor Haien (heute ist es umgekehrt) und so schwammen wir gemeinsam zum felsigen Land anstatt um die nahe Halbinsel zum Sandstrand. Ich versuchte ihr zu erklären was auf uns wartete, aber sie verstand mein Englisch nicht. Am Ende hatte ich schwarze Füße und Hände voll lauter Nadeln, die Arme aber hatte sie überall abgekriegt. Ich besuchte sie im Krankenhaus, aber sie war nicht gut auf mich zu sprechen. Zurück im Boot kühlte ich meine Fußsohlen und Hände mit Essig und konnte nach ein paar Tagen wieder gehen. Seeigelnadeln kann man nicht herausziehen, sie lösen sich von selbst im Fleisch auf. Versucht man dran zu pfuschen, kriegt man die schönste Infektion. Meine Frau verließ uns bald danach und ich ging wieder Fischen.
Es war Zeit, wieder fit zu werden, irgendwas stimmte mit meinen Landsleuten nicht. Ich sprach mit ihnen, kriegte aber nicht heraus, was. Ich war wieder bei dem alten Wrack zum Speerfischen, als ein Polizeiboot längsseits von Alpha Centauri ging und eine Menge Uniformen ausspuckte. Als ich nackt und triefend aus dem Wasser stieg, war auch die ganze Mannschaft da. Der CO2 Revolver, den die Mannschaft zum Training benutzte, wurde mir von einem Beamten vor die Nase gehalten, der Schlüssel von meinem Waffenschrank verlangt. Sie wussten genau wo er war. Die Waffen wurden herausgeschleppt, meine Proteste halfen nichts. Doktor übersetzte, dann gingen er und die beiden anderen mit dem Polizeiboot wieder an Land - mit Gepäck.
Auf meine Frage an Doktor, der als Einziger bereit war, mit mir zu sprechen warum erhielt ich die Antwort: sie wollten alle 3 zu ihren Frauen zurück, auch bei meinen mangelnden Menschen Kenntnissen müsste ich verstehen, es wäre für sie zu gefährlich gewesen, mit meinem Einverständnis zu rechnen. Komische Erklärung, wie sollte ich drei erwachsene Männer mit Gewalt halten, wenn sie doch schon tagelang an Land wohnten. Es sah ganz danach aus, dass die ganze Waffengeschichte lange geplant war, um das Gesicht zu wahren, ich bekam die Rolle von Bountys Captain Bligh. Nun saß ich da, der große Abenteurer, von einer Minute auf die andere in der Kacke. Anstatt Romantik des Hochsee-segelns brachte mich dieser linke Angriff meiner krummen Landsleute direkt in eine echte Gefahr.
Am nächsten Tag standen wir in allen Zeitungen und das TV brachte einen Bericht über den unglaublichen Fang. Ich hatte alle Hände voll mit meiner Verteidigung zu tun, es drohten mir mindestens 20 Jahre Gefängnis und eine Beschlagnahme des Bootes. Ein Polizeiboot ging hinter uns vor Anker, Tag und Nacht waren wenigstens 3 Ferngläser auf uns gerichtet - aus 20 Meter Entfernung. Jetzt brauchte ich gute Nerven und viel Hilfe, sonst würde ich den Kürzeren ziehen. Ich nahm mir einen der besten Anwälte auf der Insel und der Kampf um meine Haut begann. Zuerst sah es böse aus, meine Rebellen verschwanden von der Insel, somit meine einzigen möglichen Zeugen. Aber dann wendete sich alles zu meinen Gunsten. Der untersuchende Beamte zeigte nach ein paar Sitzungen Sympathie und ließ mich einen kurzen Blick auf die unterschriebenen Papiere werfen. Er blätterte sie nur kurz durch, aber ich bemerkte, dass eines davon eine andere Unterschrift trug. Es war das von Rado unterschriebene Waffenpapier, das ich nie zuvor zu sehen bekam und dass wusste der Beamte, er wollte mir nur helfen.
Ich erhielt die Waffen zurück, minus zwei Revolver und einer Menge Munition, ich musste um jede Waffe auf der Liste mit der Polizei kämpfen, sie hätten gerne alles behalten. Die Waffen wurden mir abends ans Deck geknallt, zusammen mit der Ausklarierung und dem Rat, ich sollte verduften. Man musste mir dass nicht zweimal sagen. Hinter uns machte sich ein großer Fischtrawler bereit und man warnte mich, der will uns ans Fell. Ich gab Panama als nächsten Hafen an, segelte aber in der Gegenrichtung um die Insel herum gegen den Wind nach Osten für den Rest der Nacht. Die Waffen wurden geladen aber keiner kam hinter uns her.
Uff, meine erste Konfrontation mit meinem zukünftigen Hauptgegner war überstanden. Dank einem anständigen Beamten entkam ich mit heiler Haut, der Verlust von 2 Waffen und Munition war zu verkraften. Dass ich von jetzt an in allen Polizei Dateien der Welt als Waffen Schmuggler verewigt stand wurde mir zu der Zeit noch nicht bewusst. Verursacht wurde dieser Angriff durch meinen eigenen Fehler, kein Englisch zu sprechen und andere meine Einklarierung machen zu lassen.













