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Abenteuer zwischen Riffen, Stürmen, Frauen und Piraten Teil 2

15.10.201515:48 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes
Bild: Abenteuer zwischen Riffen, Stürmen, Frauen und Piraten Teil 2
Der Autor Mitja Milan Mehle
Der Autor Mitja Milan Mehle

(openPR) Die ersten Versuche



Mein erstes Boot war eine 7 M Holzslup, die ich 1967 in Kiel für Dm 1500.- erwarb. Das Boot hatte 3 Kojen und einen 3 PS Motor, es war seit mehreren Jahren aufgedockt und da klafften viele Nähte. Mit meiner Drücker Mannschaft von 8 arbeitete ich den ganzen Sommer daran, jede freie Minute. Wir hatten zwar keine Ahnung von Bootsbau, gingen aber enthusiastisch ans Werk. Wir verbauten Mengen von Holz, an die 30 Kilo Polyester, meterweise Matte und 20 Kilo Nägel. Ende August war das Boot fertig zum Stapellauf. Spät Nachmittag war es im Wasser, nachdem wir es gebührend mit Wein als Drücker getauft hatten. Wir ruderten über die Bucht zum Jachtklub, da der Motor nicht ansprang und keiner wusste, wie man Segel aufzieht. Nach der kleinen Saufparty gingen wir ins Bett mit der klaren Vorstellung, am nächsten Morgen nach Dänemark abzusegeln. Als wir dann eintrafen war das Boot verschwunden, keine Spur von ihm bis zum Horizont. Also ab zum Polizeirevier. Der Wachtmeister war ein alter Mann, ich hielt ihn für senil, er wollte um jeden Preis mit zum Ort des Diebstahls. Ich war auf 180, fuhr doch der Dieb mit jeder Minute weiter weg. Um das dumme Gesicht von dem Alten zu sehen, wenn er den leeren Platz beglotzte, ging ich schließlich mit. Als wir ankamen fragte er mich freundlich, was das kleine Stück Holz, das so 5 Zm aus dem Dreckwasser schaute, wohl wäre. Eine dumme Frage, woher sollte ich dass denn wissen. Dann fiel bei mir der Groschen, dass war Drücker da unten, es war gesunken. Unser Polyester reichte wohl nicht, das Holz war zu sehr ausgetrocknet. Es war eine böse Enttäuschung und ich beschloss, nie mehr ein Holzboot zu kaufen.



Ich las alle erreichbaren Bücher über Welt Umsegelungen wie Hiscock, Moitessier, Knox Johnson - unter anderem. Ein 12 Meter Segler erschien mir groß genug für eine Weltreise. Beim lesen kristallisierte sich heraus, ich wollte nicht alleine fahren, ausreichend Hände schienen mir unentbehrlich. Ich wollte von Anfang an keine dramatischen Abenteuer erleben, die man meiner Meinung nach nur auf schlecht vorbereiteten Reisen hat. Leistungsbeweise interessierten mich nicht, ich wollte auf meinem Boot in Ruhe und Komfort leben. Für mein Vorhaben brauchte ich viel Geld, so ging ich die beschissene Hühnerleiter des Berufserfolges so schnell wie möglich nach oben.
Der erste Schritt in meinen Vorbereitungen war das Herausschneiden meines Blinddarms. Die Entscheidung war richtig, er war chronisch und akut entzündet. Ich hatte davor öfters Bauchschmerzen, Gin half meist darüber hinweg. Mein Vater ist beim Tanzen an einem geplatzten Blinddarm beinahe gestorben. Auf hoher See ist so eine Infektion eine böse Sache, nur mit einem Fass voll Antibiotika zu bremsen. Die Krankenschwester, die mich für die Operation rasierte, gefiel mir unheimlich gut. Wenn ich wüsste, wie solche Wunden nach dem Amüsieren am nächsten Tag schmerzen, hätte ich sie in Ruhe gelassen.

Dann war es endlich so weit, ich hatte genug Geld beisammen, um mein Segelboot zu bauen. Nach langem Durchblättern von Katalogen entschied ich mich für die Nord east 38’ der holländischen Werft “La Comte”, den Innenausbau wollte ich selber machen, es war Zeit, Bootsbau zu erlernen, auch wollte ich Geld sparen. So fuhr ich jeden Morgen mit Jonny, einem Holländer aus meiner Organisation nach Holland zur Werft, mein Bruder kümmerte sich ums Geschäft. Wir machten viele Fehler am Anfang und verschnitten eine Menge Holz. Das Boot kostete am Ende mehr als eine Serienausführung, dafür war es aber stark wie ein Eisbrecher. Wir schafften den Ausbau 3 Wochen schneller als die Norm in der Werft war und ich lernte mit Holz und Polyester umzugehen. Mitte März 72. war das Boot im Wasser, zum Stapellauf brachte ich meine Mannschaft mit, alles erfahrene Landraten. Außer meiner Frau waren Andy, der Casanova, zwei weitere Mitarbeiter und als Wachhund ein Pekinese dabei, keiner von uns hatte je eine Meile gesegelt. Wir wollten natürlich gleich um die Welt, die Erfahrung kommt ja mit der Zeit. Wir kauften an die 1000 Seekarten und über 100 Seehandbücher, was sollte da eigentlich noch schiefgehen?
Ich taufte das Boot Alpha Centauri, der Name sollte schon andeuten, es sollte weit gehen. Zur Taufe nahmen wir Asti Spumante, wohl nicht die richtige Marke für so was. Es fing auch gleich ungemütlich an, unser Mast war einen Meter zu hoch, um die 8oo Meter entfernte Autobahn Brücke zu passieren. Natürlich hatte kein Idiot von der Werft etwas gesagt, bevor der Mast gesetzt wurde - sie wollten wohl extra verdienen oder dass war der Ausgleich für unsere schnelle Arbeit. Ich fluchte wie ein Rohrspatz, was nicht weiter half. Den Werfteigner konnte ich leider nicht umhauen, er war auch nach anstrengender Suche nicht zu finden. Der schadenfrohen Gesichter um mich bewusst geworden, fing ich an zu überlegen und verlangte vom Werftdirektor 20 Mann für eine Stunde, die ich auch erhielt. Wir fuhren die beiden Bäume maximal nach Stbd aus, setzten die 20 Man darauf und fuhren Richtung Brücke. Andy hing im Masttop als Oberauge, wir hatten gute Schräglage und kamen knapp durch. Stunden später waren wir durch die Kanäle und schnupperten die Seeluft, es roch großartig - nach Kloake. Wir blieben in Veerhaven, um meine Panama Registrierung zu beenden. Dann ging es bei sonnigem Wetter unter Motor nach Amsterdam, keiner wusste, wie man Segel aufzieht. Bei Windstärke 7 wurden wir herrlich seekrank. Um 21 Uhr ankerten wir vor Ijmuiden bei dem Eingang zum Kanal, inzwischen war der Wind bei über 45 Kn. Das Boot sprang wie ein Tiger an der Kette, Wellen schlugen über uns. Ich traute mich nicht an die Einfahrt, es waren zu viele grüne und rote Lichter überall zu sehen. Um Mitternacht blies es noch stärker, wir kotzten um die Wette und froren wie die Schneider. Da kam ein Lotsenboot und fragte, ob wir Hilfe brauchten. “Eigentlich nicht, aber, da ihr schon da seid”; so landeten wir in Amsterdam. Am nächsten Tag kaufte ich einen Schlauchboot mit 25 PS Yamaha und ging gleich ans ausprobieren. Ich hatte riesen Spaß und fuhr volle Pulle quer durch den Hafen knapp an Schiffsnasen vorbei, bis mich ein Polizeiboot einholte.

Danach landeten wir in Meuden, einer sehr feinen Gegend, wo auch die holländische königliche Jacht lag. Es war erst April und wir hatten vor der Abfahrt noch genug Zeit um Segeln zu lernen. Wir wollten einen richtigen Wind und waren an den leichten Brisen, die zu der Zeit herrschten, nicht interessiert. Wir waren doch Weltumsegler, oder??? und dumm genug, darüber zu reden. Dass erregte Aufsehen und wir wurden viel bestaunt, was uns in unserer Selbsteinschätzung bestärkte und so kamen uns die 35 Knoten Wind gerade Recht. Wir fuhren aus dem Kanal, schafften irgendwie die Segel hoch und ab ging die Post. Mit 50 Grad Seitenlage segelten wir zweimal an der Einfahrt vorbei und eine Menge Zuschauer sammelten sich an der Pier. Wir wurden wieder seekrank, ließen die Segel fallen und wurden von denen gut verprügelt. In forciertem Tempo fuhren wir Richtung Marina, als der Motor 8oo Meter vor Kanaleinfahrt plötzlich stoppte - Leine im Propeller, richtig strammgezogen. Der Wind blies Richtung Land, wir trieben auf die Felsen zu, welche die Hafeneinfahrt umsäumten. Es sah ganz danach aus, dass es Alpha Centauri “on the Rocks” geben wird. Ich fluchte wieder und da fiel mir ein, wir haben doch Segel. Wir schafften die Genua hoch und hart am Wind die Einfahrt um wenige Meter, dann ging es mit Ca 8 Kn den Kanal herunter. Ich drehte instinktiv in den Wind, nachdem wir die Marina halb passiert hatten, das Segel kam herunter, ohne jemanden umzuhauen und wir landeten an der Pier. Die Zuschauer klatschten Beifall, ich aber wusste es besser; keine Experimente mehr, schwor ich mir. Nun, nach heutigem Stand der Dinge, ich nahm jede Herausforderung an, war aber besser vorbereitet als diesmal. C’ est la vie !
Mein Logbuch sagte trocken, wir hatten ein Bootshaken und eine Reffkurbel verloren, von etlichen Beulen und blauen Flecken gar keine Rede. Ein paar Tage später segelten wir wieder nach Rotterdam, von da sollte es in die Karibik gehen. Meine Mannschaft aber bekam Angst nach dem letzten Erlebnis, die Begeisterung war verblasst, ein Mitglied fuhr zurück in die Firma, die Weltreise der Alpha Centauri war zu Ende. Da kam mir der Besuch von meinem Bruder gerade Recht. Er gurkte mit einem großen Jaguar an und ich hatte es bis dahin nur bis zu einem kleinen gebrauchtem 190 er Merzedes gebracht. Er brauchte nicht lange zu reden, eine Stunde danach war ich wieder unterwegs, um Geld für ein größeres Boot zu verdienen.

Das nächste Boot sollte groß genug sein, um ohne Gedränge die Welt zu bereisen. Ich wollte meine eigene Kabine mit eigener Toilette haben, gut isoliert, um nicht jeden Furz der Crew mitzuerleben. Nach einigem Suchen entschied ich mich, des guten Rufes wegen, für einen Svan 65 und flog nach Finnland. Ich hatte immer schon Schiss vor dem Fliegen und dieser Flug erhöhte es noch. In Pietersaari schneite es kräftig und auf dem Rückflug noch mehr, in Hamburg gab es starken Seitenwind, mein Flugzeug landete torkelnd und schaufelte Schnee mit dem Flügel. Seitdem fuhr ich immer mit der Fähre, auch wenn die Reise 3 Tage dauerte und danach noch 500 Km mit dem Wagen zu fahren waren.

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