(openPR) Neuer Anlauf
8 Monate lang war ich regelmäßiger Besucher in Finnland, das Bemerkenswerte da waren die Riesenmoskitos, die in den hellen Sommernächten ihre Angriffe flogen. Wurde man gebissen, brauchte man gleich eine Bluttransfusion. Die Fahrten mit den Fähren waren richtige Erholung, nette Mädchen, viele Trinkgelage. Einmal fuhren über 100 schwedische Polizisten mit, wohl um deutsche Kollegen unter den Tisch zu saufen. Die trainierten so hart dafür, dass man die Tür der eigenen Kabine abschließen musste. Da krochen überall Beamte herum und kotzten fürchterlich, alles Opfer der schwedischen Prohibition.
Auf einer Rückreise lernte ich eine ausgesprochen hübsche Finnin kennen, die in Bonn studierte. Sie war sehr nett zu mir, aber weiter als Reden kam ich in den 2 Tagen der Reise nicht, trotz Champagner. So einfach gestehe ich keine Niederlagen, ich bestellte Andy nach Kiel und der fuhr mit ihrem Wagen nach Bonn, sie aber kam mit mir in meinem roten Dino und war sehr beeindruckt. Trotzdem, auch nach weiteren Bemühungen blieb es beim Reden, ohne Hochzeitglocken war diese Festung wahrscheinlich nicht zu erobern. Außer Spesen nichts gewesen.
In der Werft in Pietersaari empfing mich Peka, der Gründer von Svan und damaliger Direktor. Sein eigener Svan 65 war beinahe fertig, so wie Sayula, die später das Rennen um die Welt gewann. Ich unterschrieb einen Vertrag, der seitenlang mit Extras bespickt war, ich wusste, was ich haben wollte. So waren wasserdichte Schotten (beim Svan kein Standard!!!) Ni Ca Batterien, extra Belüftung und viele andere Details geplant. Alle paar Wochen besichtigte ich meine Baunummer 007 und war da, als Pekas Boot und Sayula Stapellauf hatten. Die beiden Boote machten ein Rennen, wobei die Mannschaft der kleinen Mexikaner auf Sayula klar gewann. Beide waren Serienboote, so wunderte ich mich schon damals, wie verschieden schnell sie sind. Später putzte mich das Schwesternschiff meines Bruders auch sehr eindeutig, Sayula und meines Bruders Boot waren grün, Pekas und meines weiß. Es könnte an der Farbe liegen, nicht unbedingt an den Skippern.
Ich überwachte jedes Detail bei meinen Besuchen, die Arbeit kam gut voran, das Boot sollte im Mai 1974 geliefert werden. Dann wurde ich überrascht, das Boot war fertig, Anfang Januar. Ich sollte es, ohne bitte schön, abholen oder es würde draußen überwintern. Ich trommelte eine Mannschaft zusammen, meine Frau, Andy und der Pekinese waren wieder dabei. Als Navigator kam Patrick, ein ex Offizier der französischen Kriegsmarine, als Segelspezialist der Regattasegler Kurt aus Holland und als Muskel meine stärksten Mitarbeiter Johny und Jack, Wunschtraum aller Mädchen.
Wir hatten reichlich zu tun, bevor die letzten Arbeiter von Bord gingen. Das Boot wurde per Lkw nach Hanko bei Helsinki gebracht und war schon im Wasser als wir ankamen. So sparte ich etliche hundert Meilen Segelns mitten im Winter, außerdem sollten riesige Baumstämme in Mengen zwischen Pietersaari und Südfinnland herum schwimmen.
Wir fanden viele Mängel, es dauerte 5 Tage, bis die Werftarbeiter gehen durften. Es war noch lange nicht alles fertig, aber ich wollte nicht ewig bleiben. Ich taufte das Boot Alpha Centauri II, diesmal mit Dom Perignon. Wir verstauten die mitgebrachten Karten, Bücher und Ausrüstung, füllten auch die Vorratschränke. Es war bereits nach Mitternacht, als ein Wetterbericht ein Sturmtief über dem Nordatlantik ansagte, dass sich nach NO, also genau auf uns zu bewegte. Ich wollte nicht an der Pier überrascht werden, so segelten wir sofort, am 6 Februar 1974 um 1 Uhr morgens los. Wir hatten keine Zeit, unseren Kompass zu kompensieren, er zeigte bis zu 30 Grad Unterschied zu meinem Peilkompass. Bei zunehmendem Wind und schnell fallenden Barometer segelten wir Richtung Gottland. Morgens um 5 waren wir mitten in Russisch sprachigen Fischflotte, der Radar zeigte Land an Bbd - Russland. Also segelten wir in einer falschen Richtung, schnell 90 Grad nach Steuerbord, nur mit Fock und Besan machten wir 9 Kn im Schneesturm, das Großsegel mussten wir bergen. Es war fürchterlich kalt, mein Bart vereiste, alle waren seekrank. Patrick kam nur noch alle paar Stunden heraus, steckte seine Riesennase in den Wind, drehte den Kopf um 360 Grad herum wie auf einem Kugellager und verschwand wieder in die Koje. Bei Morgengrauen sahen wir ein Leuchtfeuer voraus, wir fuhren Kreise während Patrick nach ihm schielte, es entpuppte sich als Gotska Sanden. Um 8 Uhr abends waren wir in Visby, sehr freundliche Bürokraten empfingen uns, die Mannschaft ging saufen und ich schlafen. Um 4 Uhr morgens wachte ich auf, der Sturm heulte, das Boot hatte 30 Grad Schräglage und krachte hart an die Hafenwand. Wir brachten weitere Leinen aus und zogen das Boot weg von der Mole, wurden aber bald wieder durch Klopfen geweckt. 3 Leinen waren gerissen, wir waren wieder gefährlich nahe an der Pier. Es blies wie um die Wette, die Wellen waren ein paar Meter hoch - im geschützten Hafen. Den ganzen Tag kämpften wir, trotz 8 Leinen ringsherum war das Boot kaum unter Kontrolle zu halten.
Am nächsten Tag schien die Sonne, der Wind war weg, Eisklumpen fielen vom Mast, unser Navigator Patrick wurde am Kopf verletzt.
Die Bilanz der bisherigen Reise zeigte, dass die Verarbeitung von unserem Svan keinen hohen Standard hatte. Wir fanden ernste Schäden, vor allem wegen Wasserlecks. Autopilot, Elektrische Winde und sogar unser BLU wurden nass und fielen aus, alle Salings waren locker, etliche Schrauben fehlten, alle anderen waren lose. Viele Heizungsschläuche waren nicht isoliert und es verbrannten etliche Kleider. Die billige Membranen Wasserpumpe lief dauernd trocken und wir waren täglich am basteln, die Propellerbremse war unterdimensioniert, der Propeller drehte bei über 7 Kn durch. Wir reparierten das Radio und die Winde, der Autopilot aber wollte keine Dauerbelastung mehr akzeptieren und musste immer wieder repariert werden. Es dauerte 5 Tage, bevor wir weitersegeln konnten, bei einem neuen Schiff, gerade ein paar Tage alt.
Wir setzten die Reise fort, Eile war geboten, Winter auf See kann gefährlich werden in dieser Gegend. Bis Kopenhagen hatten wir leichte Winde und Nebel, so dicht, dass man kaum den eigenen Mast von Steuerstand aus sehen konnte. In Kattegat saßen wir zweimal fest, als wir die Fahrrinne nicht sehen konnten, von Aalborg segelten wir dann ohne Vorkommnisse nach Rotterdam. Propellerbremse und Autopilot waren wieder kaputt, wir hatten des öfteren kein Wasser in der Leitung und die Lecks blieben, aber dass sind bei Svan wohl keine besonderen Vorkommnisse. Ich kaufte da noch eine 13 Fuss Dory mit 50 PS Merkury, bisher hatten wir ja kein Beiboot. Es war eigentlich viel zu groß für den kleinen Svan, aber der Händler war anderer Meinung.
In Ostende kaufte ich im Geschäft ein paar Gewehre und Pistolen, pünktlich um Mitternacht kam dann die unfreundliche Zollkontrolle, wir hatten Verdacht geweckt. Im Kanal überraschte ich Jack am Radar, er schnarschte wie ein Tiger, der Autopilot arbeitete zufällig wieder, dabei war da ein Verkehr ohne Ende. Bei Lisabon hörte der ewige Regen und Schnee auf, die Sonne kam auf und damit stieg die Stimmung der Mannschaft. Wir probierten alle Segel, kurz vor Gibraltar kam der Spinnaker dran. Er fiel elegant ins Wasser, das Boot fuhr darüber, “oh guck mal”, Rratsssch, “S......”, es wurden zwei Hälften daraus, der Baum in der Mitte geknickt und 3 Relingsstangen waren weg. Wir mussten den Baum in 2 Teile sägen, mit dem Knick war er nicht zu verstauen. Diesmal war es keine Schuld von Svan, der Kapitän, also ich hatte keine Ahnung von segeln und Kurt, der Spezialist war einfach überbezahlt.
In die Straße von Gibraltar fuhren wir bei Nacht ein, Andy kam angelaufen, er hätte 2 Haie gesehen. Als ich nach vorne ging um die zu sehen blieb Jonny am Mast stehen und hielt sich daran fest. Es waren nur Delphine, aber er war nicht zu bewegen, nach vorne zu kommen. Der Bursche war größer als ich, wog gute 2 Zentner und hatte vor keinem Mann Angst, aber hier entschied er sich für den Küchendienst und wollte keine Deckarbeit mehr.
Im Mittelmeer hatten wir herrliches Wetter und der Wind wurde immer weniger. Wir freuten uns des Lebens und sahen uns schon in Cannes, Partys am feiern. Dass war eine Rechnung ohne den Wirt, vor uns lag der Golf de Lyon, wo es im Schnitt doppelt so viele Stürme gibt wie in der Biskaya. Bei der Einfahrt in den Golf war die See spiegelglatt, ohne einen Hauch vom Wind. Erst am Abend konnten wir die Segel aufziehen, um Mitternacht konnten wir sie gerade noch bergen, nur Besan blieb stehen. Der stürmische Wind kam schräg von vorne, bald kriegten wir Wellen übers Deck. Es heulte immer stärker, der Besanmast verbog sich unter dem Druck des Segels wie ein Samuraischwert. Wir mussten alle ran, um den Lappen zu bergen. An der Reling festgezurrte Genua machte sich los und wir mussten sie abschneiden, nachdem sie den Bugkorb halb abgerissen hatte und unter dem Boot liegend den Propeller und das Ruder blockierte. Dann kam der Großbaum von oben, seine Halteleine brach. Das Boot hatte immer stärkere Schlagseite unter dem Druck des Sturms, Wasser lief an allen möglichen und unmöglichen Stellen herein. Der Haupteingang leckte Eimerweise bei jeder Welle, trotzdem er geschlossen war, alle Doradolüfter leckten, bald stand der Salonboden unter Wasser. Die wasserdichten Schoten waren wohl nicht dicht, deswegen kamen die Batterien unter Wasser, die aus Sicherheitsgründen im hinten gelegenen Eignerraum eingebaut waren. Damit fielen alle Pumpen aus, der Motor und Generator waren unter dem Fußboden im Salon schon unter Wasser und so unbrauchbar. Wir schöpften wie verrückt mit Eimern und gossen diese in die Spüle und das Waschbecken, was wenig half und sehr schwierig war, da wir bis zu 40 Grad Schräglage hatten und wild umher geworfen wurden. Johny war am Steuer und klammerte sich daran fest. Er wurde zum schöpfen gebraucht, steuern nutzte hier nichts mehr und er war noch frisch. Ich überzeugte ihn aber erst, nachdem ich meine Beretta holte und aus dem Eingang heraus eine Kugel knapp an seinem Kopf vorbei jagte. Wir dichteten Eingangsluke und die Doradolüfter mit Handtüchern, trotzdem stieg das Wasser im Salon stetig, bald stand es kniehoch. Wir hofften, dass wenigstens das Vorderschiff ohne Wasser geblieben war, was nicht der Fall war. Das Boot wurde immer schwerfälliger in seinen Bewegungen und wir schufteten wie besessen.
Die Stürme in dieser Bucht dauern einen, drei oder 9 Tage, wir hatten Glück. Als der Sturm am nächsten Morgen nachließ, war unser Freibord gerade noch 50 Cm. Hätte der nur etwas länger gedauert, wären wir abgesoffen. Es dauerte, bis wir leer geschöpft hatten, dann zogen wir die Genua II hoch und segelten langsam aus dem Golf. Bald schlief die Brise ein und wir guckten uns stundenlang die Lichter von Cannes an. Am nächsten Morgen hievten wir unseren Dorry ins Wasser und es ging ab wie Hallelujah Richtung Marina, um meine alte Alpha Centauri I zum Abschleppen zu holen. Sie wartete da, um verkauft zu werden. Übermütig forderte mich Andy, der vorne stand auf, ihn zu kippen, wetten, dass schaffe ich nicht. Ich machte eine scharfe Kurve, er landete im Wasser, der Motor aber auch. Als ich beide aus dem Wasser fischte, war Andy O.K., der Motor aber nicht. Wir waren inzwischen 2 Meilen weit weg vom Boot, hatten aber keine Paddel mitgenommen. Ich riss die Sitzbank heraus, Andy ruderte mit dem Motordeckel. Nach einer Stunde hatten wir die halbe Strecke hinter uns, da kam etwas Wind auf und das Boot fing an, sich unter Großsegel langsam von uns zu entfernen. Ich sah schon meinen Hintern auf dem langen Weg nach Afrika und begann laut zu brüllen und zu pfeifen. Ich habe einen ausgeprägten Pfiff, der die Umstehenden aus den Socken haut, mir aber erlaubt, ohne Radio herumzulaufen. Es zahlte sich aus, wir säuberten dann den Motor und tuckerten in die Marina La Napoulle.
Mein Fazit aus dieser Reise;
Wenn man ohne Rücksicht auf Wetter und Jahreszeit fahren will, sollte man keinen Segler ohne wasserdicht abgetrennten Motorraum kaufen, nach meiner Ansicht wird es ohne lebensgefährlich. Die Motoren und Batterien, in der Bilge liegend, fallen zuerst aus und sind nicht da, wenn man sie am meisten braucht. Und bei Svan war der Motorraum ungeschützt unter dem Fußboden direkt unter dem Eingang. Unsere „wasserdichten“ Schotten waren leider nicht wie bestellt wasserdicht, schützten den Eignerraum und Vorderraum nicht.
Mein Svan hatte noch andere erhebliche Probleme, schlechte Verarbeitung und nicht durchdachte Details. Ist man gezwungen, ein Serienboot zu bestellen, so ist man gut beraten, selbst jedes Detail zu überdenken und außerdem immer beim Bau dabei zu sein. Besser man kauft gebraucht, da hat der erste Eigner die Anfangsprobleme und Kosten zu schlucken. Mich kostete die 23 Tage Reise ein Viertel des Anschaffungspreises, bis alles wieder funktionierte, die Monate der Reparaturzeit nicht mitgerechnet, die Werft bezahlte keinen Pfennig dazu.
Die Probleme bisher habe ich schon aufgezählt. Zusätzlich war unser Sicherungskasten auch halb voll Wasser, welches durchs Deck eindrang. Es war kein Abfluss vorhanden, alle Sicherungen und Leitungen mussten erneuert werden, das Leck aber blieb hartnäckig. In meiner Koje war ein Wassergeist, bei Regen oder schwerem Wetter kriegte ich beim Schlafen oft ein paar Tropfen Wasser ins Ohr. Beim erstenmal dachte ich an ein Bubenstück der Mannschaft und verschloss die Tür, dann legte ich mich aufs andere Ohr und schlief weiter. Wieder kriegte ich Wasser ab, genau ins andere Ohr, auch nach langer Suche fand ich die Stelle nicht, woher das Wasser kam. Ich hasse Wasser im Ohr, so spannte ich ein Handtuch über die Koje, welches blieb, bis ich das Boot verkaufte.
Und der Beweis der schlechten Qualität; als ich die Alpha Centauri II im Juli 1984 - 10 Jahre alt damals - in Tahiti wiedersah, war sie ziemlich am Ende. Osmose hatte überall Blasen geschlagen, das Teakdeck hob sich ab und das Wasser rannte durchs Deck ins Innere. Das Boot ist aus dem Chartermarkt verschwunden.
Überraschenderweise höre ich viele Stimmen, die den Svan für den Besten halten, so möchte ich nicht wissen, wie schlecht die anderen Marken sind. Geht doch in einen richtigen Sturm, Jungs, da kommt die Wahrheit heraus, ob das Boot wirklich was taugt. Bei kleinen Stürmen bis 60 Kn kommen nur dramatische Geschichten auf den Markt, erst wenn das ganze Schiff praktisch dauernd unter Wasser steht kommt die Qualität des Baus zum tragen.
Es dauerte Monate bis alles auf dem Boot wieder funktionierte. Jonny war glücklich, wieder an Land zu sein, er verließ uns bald und ging zurück in die Firma. Als Ersatz kam Wolfgang, ein wilder bulliger Germane, als Koch vorgesehen. Gleich am Anfang jagte er den Bürgermeister von Cannes durch die Stadt, der sich mit einem Sprint in sein Büro rettete. Wolfgang trat die Tür ein, aber die Polizei befreite den Boss gerade noch rechtzeitig, den Grund des Streits habe ich nie erfahren.
So oft mir mein Geschäft erlaubte segelten wir den ganzen Sommer über durchs Mittelmeer, bei Bonifacio begegnete uns wieder ein Mistral, das Beiboot wurde umgedreht und die Flagge weggepustet, ansonsten gab es nette Mädchen und gute Partys in St Tropez. Hauptsächlich aber suchte ich eine Mannschaft für die nächste Reise. Es kamen allerhand komische Typen an, einer davon hieß Piter. Er hatte dicke Brille an und war immer besoffen. Er verstand aber seine Arbeit als Ingenieur, angeblich wurde er auf einem Boot geboren. Als Mal der Motor hustete, hob er den Fußboden nur etwas an, reichte mit seiner Hand herein und der Motor lief wieder rund. Believe it or not, zur Reparatur benutzte er Kaugummi; da er wie ein Skunk stank, mussten wir leider auf ihn verzichten.
Es heuerten auch Mädchen an, aber bei den vielen Männern war es denen bei uns zu gefährlich, keine blieb lange. Dabei gefielen mir die Jagdmöglichkeiten von St.Tropez sehr, man brauchte sich nicht anzustrengen. Man setzte sich mit einem Glas in der Hand lässig ins Cockpit und begutachtete das vorbeimarschierende Überangebot. Abends in der Diskothek fanden dich die Mädchen dann von alleine, man kannte dich doch. Beim Filmfestival in Cannes ging es noch einfacher, da kamen die Mädchen zu zweit, barbusig in Paddelbooten direkt zum ankernden Boot, man konnte die Vorzüge beäugen und vor der Einladung beurteilen. Ich war beeindruckt und freute mich des Lebens.
In St Tropez nahmen wir drei hübsche Mädchen an Bord und segelten gleich zur Insel Sta Margarita. Trotz aller unserer Bemühungen schaffte es keiner, eine ins Bett zu kriegen, tagelang, alle drei waren eingeschworene Abstinenzlerinnen. Jack wurde richtig verzweifelt und Wolfgang knurrte laut, die Mädchen aber kicherten und machten sich lustig über uns. Ich beschloss, unserer Sache abzuhelfen. Mein Herz schlug für die Brünette, ich lud sie zum Luxusdiner ein und ging mit ihr bei Mondschein durch die Pinienwälder am See spazieren. Nach einer Woche des Dinierens und Spazierens fiel die Festung, dadurch auch die anderen beiden, die Harmonie und Hausordnung auf dem Boot stimmte wieder.
Als sie uns traurig verließen war plötzlich Trockenzeit, die inzwischen angewachsene Konkurrenz war immer schneller. Jack und ich zogen jeden Abend los und hatten viel Spaß, zum Boot kamen wir aber immer alleine, trotzdem wir an der Mole lagen. Alpha Centauri war jetzt eben nur ein kleines Boot zwischen den Riesen um uns herum, wir mussten neidisch zusehen wie die alten Böcke die besten Tanten bewirteten. Nach einer Weile gelang es mir eine Hübsche von meinen Vorzügen zu überzeugen und sie kam mit aufs Boot. Nach der langen Abstinenz überfiel ich sie stürmisch und wir machten Überstunden. Am Morgen verschwand sie wie ein geölter Blitz, Jack bog sich vor Lachen als er mir erzählte, wie sie über die Brücke rannte und ängstlich hinter sich guckte.
Zu der Zeit gewann Sayula das Rennen um die Erde und ich war der Meinung, ich hatte einen der schnellsten Segler der Welt. Bald wurde ich eines Besseren belehrt. Eines Tages fuhr ein Riesen Segler in den Hafen von St Tropez ein, als er drehte wurde seine enorme Größe erst richtig sichtbar. Er ging längsseits von uns und mein Boot sah neben dem Riesen wie ein Dinghy aus. Der Kapitän war ein kleiner Korse, auch seine Mannschaft war nicht größer gewachsen, neben meinen Germanen sahen sie wie Zwerge aus. Ich bezweifelte ob sie den Riesen, der Talofa IV hieß, auch segeln könnten. So bot ich dem Kapitän eine Wette an; US 10 000.-, dass mein Boot schneller war als seins. Er war absolut nicht interessiert. Ich beschloss es ihm zu zeigen und wir bereiteten uns aufs Rennen vor, aber nichts rührte sich bei dem Gegner, 3 Tage lang. Die Arbeit rief nach mir, so segelten wir ab nach Cannes, bei gutem Wind machten wir 10 Knoten. Als wir in der Mitte der 22 Meilen Strecke waren kam Talofa aus St.Tropez heraus. Sie sah klein aus als sie die Segel setzte, wurde aber schnell größer, sie kam auf wie der Fliegende Holländer. Wir taten unser Bestes, zogen auch das Besansegel hoch, aber es half nichts. Kurz vor Cannes rauschte Talofa an uns vorbei, der kleine Kapitän stand auf dem Achterdeck und hielt eine Leine in der Hand, die er mir anbot. Meine Mannschaft war sauer, ich aber war beeindruckt und sagte nur: “ Jungs, wir sind auf dem falschen Dampfer.”
In den nächsten Tagen sprach ich dann mit George Lucas, dem Eigner der Talofa, er nannte aber eine Summe, die sich nach Millionen Dollar anhörte und ich musste passen. Dennoch behielt ich Talofa im Auge, sinken doch die Preise mit der Zeit. Ihr Liegeplatz war in Port Canteau, also nebenan, so besuchte ich sie jedes Mal zuerst, wenn ich nach Cannes kam und beäugte jede Einzelheit Stunden lang. Ich fühlte, ich werde eines Tages der Eigner sein.
Ein paar Wochen später überholte uns auch noch die Helisara mit Karajan am Steuer, so, gar kein Zweifel, mein Boot gehörte zu Mittelklasse.
Bei meiner Mannschaftsuche heuerte auch Eduardo, der Sohn des Ambassadors von Panama an, den ich schon lange kannte. Er blieb nicht lange, als Erinnerung behielt ich ein paar Storys; als er in Griechenland am tauchen war hörte er ein komisches Geräusch, so was wie Bum, Bum. Als er noch am rätseln war kam ein Fischnetz angefahren und nahm ihn mit, er krabbelte zwischen den Fischen. Sein Messer rettete ihn in letzter Minute, ein Loch blieb im Netz, ich möchte nicht wissen, was der Fischer danach zu sagen hatte.
Ein anderes Mal schwamm er zu einem einsamen Felsen, 100 Meter vor der Küste, der nur bei Ebbe auftauchte. Ein großer Hai kam angeschossen, er sprang auf den Felsen und wartete auf Abholung. Die kam aber nicht und das Wasser stieg immer höher, er stand bald bis zu den Knien drin und schielte nach dem Hai. Er wurde am nächsten Morgen geborgen, völlig geschlaucht vom langen Schielen.
Natürlich musste ich die meiste Zeit arbeiten, jede freie Minute verbrachte ich aber auf meinem Boot. Die 8-10 Stunden Fahrt von Deutschland aus waren auch übers Wochenende leicht zu bewältigen. Nach den vielen kurzen Segelfahrten wollte ich endlich auf eine richtige Hochseetour gehen.












