(openPR) Wie Trainer und Sportmediziner Aktive schützen und warum das vor allem Heranwachsenden nützt
Bonn/Köln/Wolfsburg. Im Kampf um den Puck kann es hart hergehen – doch die Gesundheit der Eishockeyspieler darf das nicht gefährden, sind Sportmediziner und Trainer einig. In Kooperation mit der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung, die sich für Menschen mit Hirnverletzungen und ihre Angehörigen engagiert, setzen sie sich für mehr Fachwissen rund um Gehirnerschütterungen und für eine optimale Regeneration betroffener Spieler ein.
„Unser Sport ist schneller, schöner anzuschauen und weniger gefährlich als noch vor ein paar Jahren“, betont Rodion Pauels, Cheftrainer der Nachwuchsspieler des Kölner Eishockeyclubs „Die Haie“ e. V. Checks direkt auf den Kopf seien inzwischen verpönt, ebenso Prügelszenen auf dem Eis. Im Training kommt es laut Pauels nur sehr selten zu Gehirnerschütterungen, in Meisterschaften ab und zu schon. Hier, betont er, müssen die Spieler alle Symptome kennen – zum Beispiel Übelkeit, Verwirrtheit, Gedächtnislücken, aber auch Wahrnehmungsveränderungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Auch sollten Spieler selbst, ihre Eltern, Schiedsrichter und Coaches den Ernst der Lage kennen: Betroffene müssen zwei Tage lang beobachtet werden und bei Verschlimmerung der Symptome in die Klinik. Und: Wer sich nicht schont, gefährdet seine Gesundheit.
Aus dem Fall Ustorf gelernt
Das bekannteste Negativ-Beispiel jüngerer Zeit ist Stefan Ustorf. Für den Nationalspieler kam nach zwei Gehirnerschütterungen in rascher Folge Anfang 2013 das Karriere-Aus. Dauerschmerzen, eine verminderte Konzentrationsfähigkeit – solche Konsequenzen sind zwar selten, entwickeln sich bei Kindern und Jugendlicher jedoch eher als bei Erwachsenen. „Es bestehen auch Hinweise darauf, dass bei wiederholten Schlägen eine Kumulation, also Verstärkung, stattfinden kann“, ergänzt Dr. Axel Gänsslen, medizinischer Betreuer der Grizzly Adams Wolfsburg und Sprecher der Medical Task Force der Deutschen Eishockeyliga. Bei häufigen Traumata, so Gänsslen, „besteht ein Risiko für Langzeitfolgen wie dementielle Erkrankungen“.
Die einzige sinnvolle Therapie von Gehirnerschütterungen ist Schonung. Lesen, Computerspiele und Musikhören können in den ersten Tagen schon zu viel sein. „Auch körperliche Belastungen mit der Gefahr erneuter Schüttelbewegungen des Gehirns sollen bis zur Beschwerdefreiheit vermieden werden“, so Gänsslen. Er verweist auf die Info-Karten „Zurück zur Schule“ und „Zurück zum Sport“, die auf der Homepage der Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ zum Gratis-Download bereitstehen. Schritt für Schritt den Alltag wiederaufnehmen – hier erfahren Patienten und Angehörige, wie es geht.
Vorbeugen schlägt Therapieren
„Wir überlegen, wie wir Kopfverletzungen weiter verhindern können“, erklärt Trainer Pauels. Schon jetzt lernen Nachwuchsspieler, sich den Gegnern so zu nähern, dass deren Kopf nicht in Gefahr ist. Checks dorthin sind verboten. „Kinder und Eltern werden auch darauf hingewiesen, welche Ausrüstungen, welche Helme die besten sind“, verrät Pauels. Außerdem wird das ganze Team für das Thema Kopfverletzungen sensibilisiert.
Niklas Sundblad, Cheftrainer der Kölner Haie, betont: „Wir haben nicht häufig Gehirnerschütterungen. Und wenn, vertrauen wir dem Urteil der Ärzte und Physiotherapeuten.“ Wer die Diagnose erhält, darf erst dann zurück aufs Eis, wenn die Experten ihr Okay geben. „Das kann schon zwei Wochen dauern“, berichtet der Coach. Er gibt zu, dass es in seiner Zeit als aktiver Spieler anders gelaufen sei: „Wir sagten, okay, ich habe eine Gehirnerschütterung – tschüss, wir sehen uns morgen.“ Trotz dreier schwerer Gehirnerschütterungen habe er nie Probleme bekommen – „da habe ich offenbar Glück gehabt.“
Gänsslen weist darauf hin, dass bisweilen Wochen bis Monate nach einer Gehirnerschütterung Beschwerden auftreten – in solchen Fällen finden Spieler bei Neurologen, Neuropsychologen oder Schmerztherapeuten Rat und Hilfe. Trotz des Falls Stefan Ustorf – ein gefährlicher Sport sei Eishockey nicht. Und Pauels hebt hervor: „Eltern schätzen, dass ihre Kinder dabei Ausdauer und Konzentration trainieren, Schnelligkeit, Kraft und Sozialkompetenz ausbauen.“
Für die Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ arbeitet die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung mit namhaften Organisationen, Medizinern und Sportverbänden zusammen, um Sportler und ihre Familien, Trainer, Pädagogen und Ärzte für das Thema „Gehirnerschütterung und mögliche Folgen“ zu sensibilisieren. Schirmherr ist der Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière.
Informationen, Taschenkarten und Schnelltests für den Spielfeldrand, eine Smartphone-App und Kontaktadressen zu Unfallkliniken sowie Neuropsychologen finden sich auf www.schuetzdeinenkopf.de.















