(openPR) Bonn. Es ist höchste Zeit für positive Schlagzeilen über den American Football, betonen Sportmediziner und Coaches. „Weltweit wird heutzutage viel getan, um die Gesundheit der Spieler zu schützen“, zeigen der Sportmediziner Dr. Ulrich Grünwald und die Kölner Coaches Patrick Köpper und Allan Verbraeken sich einig. Gehirnerschütterungen, die noch vor wenigen Jahren als Bagatellverletzungen galten, werden inzwischen sehr ernstgenommen – Prävention, Diagnostik und Nachsorge spielen eine immer größere Rolle.
Wenn Trainer Spieler vor sich selbst schützen
Ob in den Lizenz-Lehrgängen für Trainer, in Erste-Hilfe-Kursen für Sportler und Helfer oder in der Vorbereitung der Spieler selbst: Alle Teilnehmer sollen zu Gehirnerschütterungs-Experten werden. „Wir zeigen jedes Jahr vor der ersten Trainingseinheit mit Kontakt das Video ,Heads up‘“, nennt Patrick Köpper, Headcoach der Cologne Crocodiles U-19, ein Beispiel. Das Video wurde von der amerikanischen National Athletic Trainers‘ Association erarbeitet und zeigt, wie wichtig es ist, den Kopf immer im Nacken zu haben – und den Helm nie gegen andere einzusetzen. Köpper erläutert: „Danach klären wir die Fragen der Spieler und verwenden in den folgenden Trainingseinheiten viel Zeit darauf, Techniken zu vermitteln, die den Spielern aufzeigen, wie sie richtig in den Kontakt gehen“. So werde das Verletzungsrisiko minimiert. Allan Verbraeken, Koordinator der Seniors GFL 2 der Cologne Crocodiles, kennt einige Symptome einer Gehirnerschütterung aus eigener Erfahrung. Diese machte er nicht im Football, sondern daheim im Alter von fünf Jahren. „Ich weiß daher, dass man nicht bewusstlos werden muss und trotzdem eine Gehirnerschütterung haben kann“, sagt Verbraeken. Auf dem Spielfeld gelte: „Sobald jemand ohnmächtig wird, heißt es: ‚Game over!‘ Das gilt auch, wenn ein Spieler nach einem Zusammenstoß benommen wirkt oder über Übelkeit klagt.“
Manchmal, bedauert der Coach, bestehen Spieler trotzdem darauf, wieder ins Spiel zurückzukehren – da müsse der Coach sie vehement davon abhalten. „Auf Landes- und Bundesebene verlässt man sich inzwischen auf das Urteil der Ärzte und Physiotherapeuten“, berichtet Grünwald, „das haben wir nach Jahren des Verhandelns so etabliert.“ Allen Coaches und Ehrenamtlichen empfiehlt er, die Sportler vor und während der Spiele gut zu beobachten. Nur so falle auf, wer nach einem Zusammenstoß oder Sturz plötzlich einen veränderten Gesichtsausdruck oder ein anderes Bewegungsmuster zeige. Bei diesen Spielern bestehe ein dringender Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, sie sollten vom Platz geholt und weiter untersucht werden.
Bloß nicht zu früh wieder einsteigen!
Wenn die Untersuchung den Verdacht bestätigt, muss der Spieler eine Zwangspause machen – so lange, bis er symptomfrei ist und es auch während des Trainings bleibt. Dieser Prozess dauert mal länger, mal kürzer, zwei Wochen sind ein Durchschnittswert. „Hier brauchen wir eine neue Kultur“, fordert Grünwald, „Aussagen wie: ‚Stell dich nicht so an, du kannst doch gleich weitermachen‘ haben ausgedient.“ Langfristig, betont er, wären neuropsychologische Baseline-Tests für alle Spieler empfehlenswert: Nur so könne geklärt werden, wer nach einer Kopfverletzung völlig wiederhergestellt ist. Bei Kindern und Jugendlichen kann diese Regenerationsphase zudem deutlich länger dauern als bei Erwachsenen.
In den USA ergab eine Umfrage, dass 16 % aller Football-Spieler bereits binnen eines Tages nach einer Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit aufs Spielfeld zurückkehrten. Die amerikanischen Profiligen und die American Medical Association machen sich inzwischen stark dafür, Aktive besser zu schützen – notfalls vor sich selbst. Tausende ehemaliger Football-Spieler klagen heute gegen die Ligen, weil sie unter den Folgen nicht auskurierter Gehirnerschütterungen leiden, zum Beispiel kognitiven Beeinträchtigungen, Depressionen und frühen dementiellen Erkrankungen.
American Football sollte Gesundheit und Geist stärken, gibt Patrick Köpper zu bedenken: „Es gibt keine bessere Sportart, um Disziplin und Demut zu erlernen“, meint der Coach. „American Football vermittelt, wie wichtig die eigene Aufgabenerfüllung für den Erfolg des Teams ist. Er ist unglaublich facettenreich, eine Schule fürs Leben und jedem Kind in seiner Entwicklung zuträglich.“ In Richtung Eltern versichern er und Verbraeken zudem: „Wir passen gut auf unsere Spieler auf.“
„Welche Symptome weisen auf eine Gehirnerschütterung hin?“ – „Nach der Gehirnerschütterung – wann zurück in den Alltag?“ Antworten geben die Materialien der Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung, die Menschen mit Hirnverletzungen und ihre Angehörigen unterstützt. Sie können gratis bestellt oder heruntergeladen werden unter www.schuetzdeinenkopf.de.
Schirmherr von „Schütz Deinen Kopf!“ ist Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière, der betont: „Schädelhirnverletzungen spielen im Sport eine nicht zu unterschätzende Rolle, dafür möchte ich sensibilisieren. Ob Spitzensport, Breiten- oder Freizeitsport: Sportler, Trainer, Betreuer, Schiedsrichter, aber auch Angehörige und Fans stehen hier in der Verantwortung.“
Für die Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ arbeitet die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung mit namhaften Organisationen, Medizinern und Sportverbänden zusammen, um Sportler und ihre Familien, Trainer, Pädagogen und Ärzte für das Thema „Gehirnerschütterung und mögliche Folgen“ zu sensibilisieren. Schirmherr ist der Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière.
Informationen, Taschenkarten und Schnelltests für den Spielfeldrand, eine Smartphone-App und Kontaktadressen zu Unfallkliniken sowie Neuropsychologen finden sich auf www.schuetzdeinenkopf.de.











