(openPR) Sehr geehrte Frau Dr. Doris Pfeiffer (Vorstandsvorsitzende des GKV-SV),
sehr geehrter Herr Gröhe (Bundesgesundheitsminister),
was mach ich bloß mit all diesen Frauen, die mir täglich schreiben oder mich anrufen, weil sie keine Hebammen mehr finden? Ihnen steht Hebammenbetreuung zu, sie machen alles richtig, indem sie sich früh darum kümmern. Und doch bekommen sie eine Absage nach der anderen. Alle meine Kolleginnen (also die, die unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch arbeiten) berichten dasselbe.
Jeden Tag bekomme ich diese Mails. Inzwischen habe ich eine Standard-Absage-Antwort, die ich nur noch einkopiere. Alles andere wäre ein absurder Arbeitsaufwand. Ich bin, wie alle Hebammen, auf Monate ausgebucht. Mehr geht nicht! Ich lese trotzdem alle Anfragen, aber sie machen mich traurig. Damit Sie sich ein Bild machen können, zeige ich Ihnen mal (nur) die von heute:
Liebe Jana,
ich wende mich gerade aus Verzweiflung an dich. Ich bin in der 12.SSw und auf der Suche nach einer Hebamme. ich bekomme eine Absage nach der anderen. Mein ET ist übrigens der 25.12.2015. Hast du noch eine Idee was ich machen kann um eine Hebamme zu finden? Das Problem ist ich leide an Depressionen und benötige wirklich dringend eine Hebamme. Vielleicht hast du eine Idee. Ich wäre dir auf jeden Fall sehr dankbar.
Herzliche Grüße xxx
Hallo Frau Friedrich,
ich habe gestern erfahren, dass ich wieder schwanger bin.
Ganz am Anfang 5./6. Woche.
Da das Baby noch nicht zu sehen ist, habe ich noch keinen Mutterpass bekommen, sondern einen neuen Termin am Dienstag.
Ich würde Sie gerne als Hebamme nehmen.
Hätten Sie denn Zeit und Lust? Der Termin wäre im Februar 2016.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mich betreuen würden.
Mit freundlichen Grüßen xxx
Liebe Frau Friedrich
ich befinde mich gerade in der 13. Woche meiner Schwangerschaft und dachte, ich sollte mich auch der Suche nach einer Hebamme machen.
Es würde mich also sehr freuen, wenn wir uns vielleicht kennenlernen könnten. Das hängt aber bestimmt von der Zeit ab: also, der Entbindungstermin ist am 20.Dezember und ich wohne in xxx. Falls Sie also denken, Sie könnten mich betreuen, wäre das super.
Ich freue mich auf Ihre Antwort und wünsche Ihnen erstmal noch einen schönen Tag.
Schöne Grüße xxx
Hallo Frau Friedrich,
ich bin auf der Suche nach einer geeigneten Hebamme auf Sie gestoßen. Unser errechneter ET ist der 5.12. und mein Mann und ich würden Sie gern kennenlernen. Hätten Sie Kapazitäten für eine Betreuung in der Zeit für Zuhause nach bzw. vor der Geburt?
Lg, xxx
Liebe Frau Friedrich,
ich bin auf der Suche nach einer Hebamme und wollte mich erkundigen ob Sie noch Kapazitäten für November 2015 haben (mein Entbindungstermin ist der 15.11.)?
Wenn ja, würde ich mich über eine Nachricht oder einen Anruf (Nr.) freuen.
Mit herzlichen Grüßen, xxx
Das war ein exemplarischer Tag. Manchmal sind es noch deutlich mehr Anfragen. Telefonisch kommt noch Einiges dazu. Und sogar via Twitter! Ich weiß schon, an welchen Tagen die Infoabende der umliegenden Kliniken stattfinden, denn für den Tag darauf wünsche ich mir stets ein Callcenter als Hilfe für all die Absagen.
Was soll ich den Frauen denn sagen? „Leider gibt’s keine Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden mehr und auch keine Vorbereitung auf die Geburt.“? Oder: „Fragen Sie Ihre Frauenärztin.“? Und was rate ich ihnen für’s Wochenbett? „Gehen Sie in die Notaufnahme, wenn Sie ein Problem haben.“?
Das ist sicher keine gute Idee. Denn erstens sind die Ersten Hilfen auch schon überlastet. Zweitens wird das unglaublich teuer. Und drittens arbeiten dort auch keine Hebammen. Was bringt das also? Die Frauen werden dann in die Kreißsäale weitergeleitet. Dort müssen sie ewig warten, bis eine – ohnehin schon völlig überlastete – Klinikhebamme zwischen zwei Geburten mal eben Zeit hat, um sich um ein Wochenbettproblem zu kümmern?! Ist doch absurd.
Sie werden sich noch wundern wo das hinführt, und welche Kosten das am Ende verursacht.
Außerklinische Hebammenhilfe wäre billiger gewesen.
Das ist nur ein winziger Ausschnitt. Das ist nur das, was ich als einzelne Hebamme mitbekomme. Und ich betreue noch nicht mal Hausgeburten! Da sieht es ja noch mal viel schlimmer aus. Aber auch daran sieht man:
Die Betreuungskatastrophe kommt nicht erst noch. Wir sind schon mitten drin. Werden Sie endlich entsprechend handeln, oder werden Sie warten, bis es keine Hebammen mehr gibt, die diesen Beruf noch ausüben mögen oder können?
Das eine Lösung nicht einfach ist, ist mir klar. Aber das Problem besteht seit circa 10 Jahren! Sind wir wirklich so unwichtig, dass es in diesem Zeitraum nicht möglich war, etwas Tragfähiges auf die Beine zu stellen?
Über Ihre Antwort - gern auf www.hebammenblog.de/brief - würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
Jana Friedrich - Hebamme aus Berlin













