(openPR) Darmbakterien spielen bei Gewichtsproblemen offensichtlich eine entscheidende Rolle. Mit der richtigen Ernährung lässt sich die Darmflora in Richtung „schlank“ programmieren
Petersberg/Coburg. Für alle, die nur belächelt werden, wenn sie behaupten, dass sie von ganz normalem Essen zunehmen und einfach gute Futterverwerter seien, gibt es nun Genugtuung. Denn ein fast skurriler Zufall liefert jetzt den Beweis, dass manche Menschen tatsächlich stärker zunehmen als andere, obwohl sie nicht mehr essen. Der Grund dafür scheint in der Zusammensetzung der Darmflora zu liegen – und die kann man beeinflussen.
Der Fall einer amerikanischen Mutter sorgte kürzlich für Schlagzeilen: Schon lange litt die Frau unter einer gefährlichen Darminfektion, die die Ärzte auch mit Hilfe von Antibiotika nicht in den Griff bekamen. Schließlich entschlossen sich die Mediziner zu einer Stuhltransplantation. Dabei werden Darmbakterien eines gesunden Spenders mit Hilfe einer Nasensonde dem Patienten eingeflößt. In den meisten Fällen bekämpfen dann die „guten“ Keime im „Spenderstuhl“ die aggressiven im Patientendarm und vertreiben diese ein für alle mal. Der damals 32-jährigen Frau wurde Stuhl ihrer gesunden, aber deutlich übergewichtigen Tochter verabreicht. Zu diesem Zeitpunkt war die Mutter normalgewichtig, sie wog 61 Kilo und hatte keinerlei Figurprobleme. Das änderte sich schlagartig. Zwar vertrieben die neuen Darmbakterien erfolgreich die Keime, aber sie packten auch ständig neue Kilos auf Bauch und Hüften der 32-Jährigen. Nach 16 Monaten wog die Frau schon 77 Kilo, ihr BMI war auf 33 angestiegen, d.h. sie war nun stark übergewichtig. Trotz strenger Diät und Bewegung, die ihr von den Ärzten verordnet wurde liegt ihr Gewicht drei Jahre nach der Stuhltransplantation bei mehr als 80 Kilo. Offensichtlich verhindern die neuen Bakterien im Darm der Frau konsequent jeden Gewichtsverlust durch eine besonders effektive Ausnutzung der Nahrungskalorien. Die junge Mutter wurde von einem normalen „Futterverwerter“ zu einem besonders guten!
„Darmbakterien spielen, darauf deuten aktuelle Forschungsergebnisse hin, auch ohne vorangegangene Stuhlübertragung, bei vielen Menschen, die mit überflüssigen Pfunden kämpfen, eine wichtige Rolle“, erklärt Dr. Michaela Axt-Gadermann, Autorin des Buchs „Schlank mit Darm“. Doch die Zusammensetzung der Darmflora sei nicht in Stein gemeißelt und lasse sich durchaus beeinflussen, meint die Ärztin, die als Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg tätig ist. Dabei ist der Lebensstil, vor allem unsere Ernährung von Bedeutung.
Wie sich die Keime im Darm zusammensetzen hängt zum großen Teil davon ab, was wir essen. Laut Axt-Gadermann füttert eine Ernährung, die überwiegend aus Fertiggerichten, Fast-Food und Weißmehlprodukten besteht, die falschen Bakterien. Unter einer solchen Kost werden vor allem die „Moppelbakterien“ herangezogen. Diese haben eine ganz besondere Fähigkeit: Sie nutzen unsere Nahrung extrem gut aus und ziehen noch die letzte Kalorie aus dem Essen. Im Gegensatz zu einer schlankmachenden Darmflora gelangen so Tag für Tag – bei gleichem Essen - etwa 150 Kalorien mehr in den Körper. Im Laufe eines Jahres packen diese keime rund zehn Kilo zusätzliches Gewicht auf die Hüften.
Doch es gibt auch „Bakterienfutter“ (Präbiotika), mit dem sich gezielt die schlanken Darmkeime beeinflussen lassen. Dieses finden wir z.B. in Äpfeln (mit Schale), in etwas unreifen Bananen, Spargel, Lauch, Zwiebeln und Haferflocken. Diese und andere „präbiotische“ Nahrungsmittel stärken die Rank- und Schlank-Bakterien. Auch unter Kaffee oder dem einen oder anderen Gläschen Rotwein gedeihen laut aktuellen Forschungsergebnissen die schlankmachenden Darmbakterien prächtig.
Mehr dazu: Axt-Gadermann Michaela „Schlank mit Darm“, Südwest-Verlag, 2014, 16,99 Euro












