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Frühgeburt – andere Länder, andere Richtlinien

02.04.201518:41 UhrGesundheit & Medizin
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Frühchen im nomag® IC
Frühchen im nomag® IC

(openPR) Wann ist ein Baby lebensfähig, wann nicht? Eine nicht nur ethisch sehr schwierige Frage, die Mediziner international unterschiedlich beantworten. Während in Deutschland Frühchen mitunter schon in der 22. Woche am Leben gehalten werden, behandeln die Niederländer und Schweizer zu früh geborene Babys erst ab der 24. Woche.



Gewöhnlich dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen. Doch in Europa kommen bei insgesamt sinkender Geburtenrate immer mehr Kinder viel zu früh zur Welt. Die Gründe sind vielfältig: Mehrlingsschwangerschaften aufgrund künstlicher Befruchtungen, späte Elternschaft sowie Krankheiten wie Übergewicht und Bluthochdruck. Die kleinsten Frühchen wiegen oft nicht mehr als 500 Gramm. In Europa werden jährlich 500.000 Babys zu früh geboren.

Je früher ein Kind geboren wird, desto unreifer sind seine Organfunktionen. Vor allem das unreife Gehirn sowie die unreife Lunge bereiten Frühgeborenen oft Probleme. Extreme Frühchen tragen ein erhöhtes Risiko für Missbildungen: Es kann zu geistigen Beeinträchtigungen und Behinderungen kommen, zu Lähmungen, Probleme mit Lungen- und Magen-Darm-Trakt sowie mangelndes Seh- und Hörvermögen.

Ob bei Frühchen Maßnahmen zur Lebenserhaltung und Wiederbelebung eingeleitet werden sollen oder nicht – hier befinden sich Ärzte im Grenzbereich intensiv-medizinischen Handelns. Das Problem: Zwar können Kinder durch den Einsatz von Intensivmedizin kurz- oder langfristig überleben. Aber unter Umständen verursachen die Maßnahmen erhebliches Leiden. Bei der ethischen Beurteilung geht es somit darum, den Erhalt des Lebens gegenüber einer vielleicht aussichtslosen Therapie abzuwägen.

Ein Frühgeborenes unter 22 Wochen gilt bis heute als nicht lebensfähig, aber zwischen der 22. und 24. Woche besteht eine Chance. Doch jedes Kind ist anders. Es gibt immer wieder Kinder, die nachweislich den vorzeitigen Start ins Leben unbeschadet meistern. Daher können Ärzte in Deutschland jeweils im individuellen Fall entscheiden, was das Beste für ein Kind ist.

In Deutschland gilt: Ab der 22. Schwangerschaftswoche dürfen Frühchen intensiv-medizinisch betreut werden - sie müssen aber nicht. Die Entscheidung trifft der Arzt in Abstimmung mit den Eltern. Bei einer Geburt nach der 24. Woche sollen die Ärzte alles nur Mögliche für das Leben des Säuglings tun.

Die aktuellen Empfehlungen für Deutschland laut einer Leitlinie der wichtigsten Gesellschaften von Gynäkologen und Kinderärzten in Deutschland, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sowie die Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin:

Unter 22 SSW
Frühgeborene, die vor der 22. vollendeten Schwangerschaftswoche (SSW) auf die Welt kommen, überleben nur in Ausnahmefällen. Diesbezügliche medizinische Maßnahmen sind daher in der Regel als aussichtslos einzustufen.

Innerhalb von 22 SSW
Frühgeborene, die innerhalb der 22. SSW geboren werden, haben zwar eine Überlebenschance, aber die Gefahr von erheblichen Behinderungen und Beeinträchtigungen im weiteren Leben ist sehr hoch. Diese Babys sollten daher nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern intensiv-medizinisch versorgt werden. Die Eltern müssen auch über die hohen Risiken aufgeklärt worden sein.

Innerhalb von 23 SSW
Frühchen, die innerhalb der 23. SSW geboren werden, überleben in rund 50 Prozent der Fälle, wenn sie intensiv-medizinisch behandelt werden. Allerdings leidet ein Teil der überlebenden Kinder an schwerwiegenden Gesundheitsstörungen. Da die Gesamtprognose von weiteren Faktoren wie fetale Lungenreifung abhängt, kann nur im individuellen Fall entschieden werden, ob eine lebenserhaltende oder palliative Therapie sinnvoll ist.

Ab 24 SSW
Frühgeborene, die ab und innerhalb der 24. SSW auf die Welt kommen, haben eine so hohe Überlebenschance, dass in der Regel intensiv-medizinische Therapien gerechtfertigt sind. Jeder Tag, den die Frühchen länger im Mutterbauch bleiben können, verbessert die Entwicklungschancen.

Doch nicht alle Länder handhaben dies so. Ähnlich ist die Regelung bei unseren Nachbarn, den Österreichern: Eine intensiv-medizinische Betreuung der Frühchen ist ab der 22. SSW erlaubt. In Italien sollen Ärzte sogar nach Möglichkeit jedem Kind helfen - egal wann es zur Welt kommt.

Japan ist weltweit absoluter Vorreiter, was die Versorgung von Frühgeborenen anbelangt. Selbst wenn ein Baby in der 22. SSW auf die Welt kommt, versuchen japanische Ärzte mit allen Mitteln, das Kind zu retten. Dazu sind sie per Gesetz sogar verpflichtet. Den Frühchen kommt die beste Technik und bestmögliche medizinische Versorgung zugute. Es wird an nichts gespart.

In der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich sieht man das ganz anders: In diesen Ländern werden Frühchen frühestens nach der 24. SSW behandelt. Das bedeutet im Klartext: Kinder, die vorher auf die Welt kommen, werden nicht intensiv-medizinisch betreut. Bei ihnen stehen palliative Maßnahmen wie etwa die Verabreichung von Morphium zur Schmerzlinderung im Vordergrund. Damit sind die Schweiz, die Niederlande und Frankreich die Länder in Europa, in denen am spätesten intensiv-medizinisch bei Frühchen eingegriffen wird. Schon häufiger reisten daher in grenznahen Gebieten Schwangere mit drohender Frühgeburt nach Deutschland, um ihr Baby bei uns intensiv-medizinisch versorgen zu lassen.

Dass schon kleinste Frühchen überleben können, ist heute vor allem modernster Technik zu verdanken. Auf Hightech-Frühgeborenen-Intensivstationen werden die Frühgeborenen optimal versorgt. Wichtig ist jedoch, dass auch eventuelle Krankheiten der Frühchen möglichst schnell erkannt und behandelt werden. Dies erhöht die Überlebens- und vor allem die Entwicklungschancen der Winzlinge. Experten fordern: Vor allem das noch unreife Gehirn sollte besser untersucht werden, um zum Beispiel Hirnblutungen zu verhindern. Als beste Untersuchungsmethode eignet sich die Magnet-Resonanz-Tomografie, denn sie ist völlig strahlungsfrei und liefert perfekte Bilder des Gehirns.

Damit die Frühchen den schützenden Inkubator für die diagnostischen Maßnahmen nicht verlassen müssen, hat das Lübecker Medizintechnik-Unternehmen LMT Medical Systems GmbH einen besonderen Brutkasten für Frühchen entwickelt: Mit dem MR Diagnostik Inkubator System nomag® IC können Frühgeborene direkt in den Magnetresonanz-Tomografen geschoben und dort untersucht werden.

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