(openPR) Karl-Heinz Brodbeck: Säkulare Ethik aus westlicher und buddhistischer Perspektive, edition steinrich 2015
Unsere Welt wird zerrissen von religiösen und weltanschaulichen Gegensätzen und Konflikten. Eine verbindende, globale Ethik, die ohne religiöses Dogma auskommt, gibt es kaum. Die Religionen sind ebenso eine Quelle für positive Werte wie für immer neuen Streit.
Dieses Buch sucht nach einer gemeinsamen Grundlage für eine säkulare Ethik – also eine Ethik, zwar im Gespräch mit Religion und Wissenschaft, aber ohne Bindung an vorausgesetzte Glaubensvorstellungen. Sie knüpft an die westliche Philosophie an und entwickelt aus der buddhistischen Überlieferung eine Ethik ohne Dogma. Der Buddhismus spielt hierin eine große Rolle: Seine Philosophie stützt sich nicht auf Glauben, sondern auf klare Erkenntnis. Im Zentrum steht eine allgemein-menschliche Erfahrung: die gegenseitige Abhängigkeit aller Dinge. Diese Tatsache bildet die Grundlage für die hier entwickelte Ethik des Mitgefühls.
Ein gemeinsamer Ausgangspunkt für eine säkulare Ethik lässt sich finden, wenn dogmatische Vorstellungen in Religion, Wissenschaft und Philosophie erkannt und als private Überzeugung zwar toleriert, bei ethischen Argumenten aber ausgeklammert bleiben. Auch der Buddhismus kann erst dann eine Grundlage für die säkulare Ethik bieten, wenn einige seiner tradierten Vorstellungen kritisch überprüft werden. Besonders die Karmalehre bedarf hier einer Reform. „Meine Kritik am Karmabegriff möchte nur unsinnige, daran geknüpfte Vorstellungen beseitigen, gleichwohl aber auch einen durchaus vernünftig einsehbaren und wichtigen Kern herausarbeiten. Man kann aus dem ursprünglichen Sinn von Karma als ,Handlung', in Verbindung mit dem Gedanken an Handlungsgewohnheiten, durchaus an die Ethik im aristotelischen Sinn anknüpfen, denn ,Ethik' bedeutet nach Aristoteles ursprünglich Gewohnheit. Insofern lässt sich für die säkulare Ethik der Karmabegriff so rekonstruieren, dass er für einen Diskurs mit abendländischen Traditionen anschlussfähig wird.“ (Aus der Einleitung)
Die hier vorgestellte Ethik weist schließlich auch über den weltlich-säkularen Inhalt hinaus: durch eine grundlegende Theorie des Bewusstseins und den Versuch einer Antwort auf „letzte Fragen“ nach einer universellen Gerechtigkeit, ein Leben nach dem Tod und Willensfreiheit. „Wenn verkörpertes Leben heißt, sich im Prozess gegenseitiger Abhängigkeit im Inneren des reinen Bewusstseins zu bewegen, dann bedeutet das Ende der Verkörperung kein Ende des Bewusstseins. Was endet, ist viel eher die durch körperliche und geistige Gewohnheiten durchsetzte Illusion der Individualisierung. Der Übergang in den Tod als inneres Erleben ist deshalb kein Aufhören, wie eine Sackgasse oder ein Lineal endet. Weder eine räumliche noch eine zeitliche Vorstellung ist hier passend. Denn Raum und Zeit als Formen des Anschauung verlieren zwar mit dem Kollaps der Körperfunktionen ihren äußeren Bezugspunkt nicht aber ihre Herkunft und ihren Ort: das reine Bewusstsein. Mit dem Tod enden also vor allem die Schranken der Wahrnehmung, die Schranken der Gewohnheiten und der Ich-Illusionen.“ (S.245-246)
Hardcover, 288 Seiten, ISBN 978-3-942085-45-8, Euro 22,50
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