(openPR) „Es wird eine Zeit kommen, wo in unserem Lande, wie anderwärts, sich große Massen Geldes zusammenhängen, ohne auf tüchtige Weise erarbeitet und erspart worden zu sein; dann wird es gelten, dem Teufel die Zähne zu weisen; dann wird es sich zeigen, ob der Faden und die Farbe gut sind an unserem Fahnentuch!“ (Gottfried Keller)
Heute gibt es mehr Reichtum in der Welt als jemals zuvor. Zugleich auch viel mehr Armut. Ersteren zum größten Teil in den Händen einer winzigen Minderheit von Reichen und Superreicher, letzteren verteilt auf Milliarden ihrer Mitmenschen. Armut ist heute keineswegs nur Thema in Drittweltländern. In Europa breitet sich derzeit Armut mit wachsender Geschwindigkeit aus. Das liegt nicht nur an zu geringen Steuern auf hohe Einkommen, an Steuerprivilegien und Steuerschlupflöchern, die wohlwollende Politiker denen zur Verfügung stellen, die zwar keine Lust aufs Steuerzahlen haben, aber dennoch nicht geizig sind. Die Armut breitet sich auch infolge der Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und unzureichender sozialer Sicherung im Falle von Arbeitslosigkeit und im Alter aus. Immer mehr Rentner sind trotz lebenslanger Arbeitstätigkeit inzwischen nicht mehr in der Lage, auch nur ihren allernötigsten Lebensunterhalt selbst zu finanzieren.
Diese für Deutschland und seine verantwortlichen Politiker beschämende negative soziale Entwicklung wird derzeit durch die untauglichen Versuche zur „Lösung“ der Banken- und Staatsschuldenkrise noch erheblich beschleunigt und verschärft.
Reale Negativzinsen enteignen Sparer und ruinieren private Altersversorgungen, die auf Sparkonten und Kapitallebensversicherungen aufgebaut sind. Wenn dann auch noch gekürzte Sozialrenten kein wirtschaftliches Überleben mehr sichern, hat das nicht nur katastrophale soziale, sondern durch den Mangel an kaufkräftiger Nachfrage auch gravierende wirtschaftliche Folgen. Der Absatz von Produzenten und Händlern sinkt dann nämlich zwangsläufig. Die reagieren mit Entlassungen und Ersatz von Vollerwerbsarbeit durch prekäre Arbeitsverhältnisse, um ihre Kosten zu senken. Die Arbeitslosigkeit nimmt dadurch weiter zu und verstärkt so den Nachfragerückgang weiter. Ein Teufelskreis. Derzeit laufen wir mit zunehmender Geschwindigkeit auf diese Situation eines sich selbst verstärkenden Abschwungs, letztlich auf eine Weltwirtschaftskrise zu.
Minimalzinsen, vor allem, wenn sie mit sinkenden Einkommen der Unter- und unteren Mittelschichten einhergehen, ruinieren mittel- und langfristig den Wohlstand einer Bevölkerung. Von anderen unangenehmen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel Fehlallokation von Kapital oder ausbleibende Zinserträge von Lebens- und Krankenversicherern, gar nicht zu reden.
Aber dürfen die Zinsen überhaupt wieder steigen? Haben sich FED, EZB und die Bank von Japan nicht in eine ausweglose Situation manövriert? Zinssteigerungen wären auf jeden Fall äußerst gefährlich und könnten verheerende wirtschaftliche Auswirkungen haben. Wenn nämlich Spekulanten anfangen, zu glauben, die Zinsen würden steigen, verkauften sie Anleihen, um Gewinne zu sichern und sich vor Verlusten zu schützen. Dadurch stiegen die Zinsen und immer mehr Spekulanten wären überzeugt, verkaufen zu sollen. Die Verkäufe trieben die Zinsen weiter in die Höhe, was schon nach relativ kurzer Zeit eine Verkaufspanik auslösen könnte.
Für Schuldner, deren Kredite variable Verzinsungen vorsehen oder die nach erheblich gestiegenen Zinsen umschulden müssen, verteuert sich der Kapitaldienst beträchtlich. Viele dürften in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ein Überangebot von Immobilien dürfte eine weitere Folge sein.
Das ganze riesige Dollar-Schulden-Kartenhaus könnte weltweit einstürzen, mit ungeahnten Folgen für Staatshaushalte, private Investoren und Spekulanten – aber schließlich auch für den sogenannten kleinen Mann.
Die Zinsen dürfen als nicht so niedrig bleiben, sie dürfen aber auch nicht kräftig steigen, nein: nicht einmal die Erwartung stark steigender Zinsen darf sich entwickeln. Vielleicht wird deshalb so viel Geld „gedruckt“. Je mehr es gibt, desto wertloser wird es. Inflation. FED, EZB und Bank von Japan haben sich mit Geldvermehrung und realen Negativzinsen in eine ausweglose Lage manövriert. Jetzt sitzen sie auf einem hungrigen Tiger, und mit ihnen – unfreiwillig und mehr von der drohenden Katastrophe betroffen als die finanziell gut abgesicherten Schuldigen – ein großer Teil der Erdbevölkerung. Ihr wirtschaftliches Schicksal ist heute so ungewiß wie das ihrer Väter und Großväter kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Ein Patentrezept für die Sicherung gegen die Krisenfolgen gibt es nicht. Schuldenfrei und Beamte/r sein, dürfte beruhigen, auch Politiker oder Millionäre können sicherlich ruhiger schlafen. Letztere fragen sich vielleicht, warum die Notenbanken so viel Gold wie seit 50 Jahren nicht mehr kaufen, darunter vor allem die chinesische und die russische. Daß EZB-Präsident Mario Draghi, einer der Hauptakteure in der Finanz- und Euro-Krise, Gold eine monetäre Sicherheitsreserve nennt und der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan die die Vermutung äußerte, der Goldpreis werde in einigen Jahren deutlich höher liegen als heute, wird diese Fragen aber ebenso wenig beantworten wie Vermutungen über Kursmanipulationen.
Derzeit feiert der US-Dollar ein Come-back als internationale Flucht- und Reservewährung, vielleicht sein letztes großes Aufspiel. Denn Papierdollars sind nichts weiter als Schuldscheine der USA, die sie – dank der Stellung des Dollars als internationale Leit- und Reservewährung – in beliebiger Menge drucken können und dies auch tun. So können sie sich unbegrenzt auf Kosten anderer Länder und Völker verschulden. 2016 soll die Verschuldung der USA die 20-Billionen-Grenze überschreiten. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung liegt sie fast auf der Höhe zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. An eine Rückzahlung ist überhaupt nicht zu denken.
Politik, Wirtschaftsunternehmen, Banken und Spekulanten haben sich aber seit langem auf die Hegemonie des US-Dollars eingestellt. Menschen geben ihre Gewohnheiten selten auf, bevor sie schmerzen. Dennoch ist das Privileg der USA keinesfalls in Stein gemeißelt. Sein Ende ist absehbar. Zahlreiche bi- und multilaterale Swap-Abkommen zeigen, wohin die Reise geht, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann das bereits unterhöhlte Privileg unter Führung von China grundsätzlich in Frage gestellt wird. Ein goldgedeckter Renminbi würde das ganze Dollar-Schulden-Kartenhaus sofort zum Einsturz bringen. Wieviel Gold China dafür noch braucht, ist unbekannt. Der insbesondere von der FED und us-amerikanischen Bankstern am liebsten im Boden versenkte Goldkurs, wird aber kräftig helfen, eine mögliche Deckungslücke schneller zu schließen als den Amerikanern lieb sein kann.
Der Ritt auf dem Tiger geht vorerst weiter, zwangsläufig. Wie die Notenbanken aus ihrem Debakel herauskommen wollen, ist nicht ersichtlich. Derweil schwächelt auch noch die Weltwirtschaft. In Deutschland läßt sich die tatsächliche Arbeitslosigkeit trotz aller Tricks und Finten der Politiker seit Jahren nicht unter reichlich vier Millionen drücken. Die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse nimmt erschreckend schnell zu, während die der ordentlichen, von deren Lohn einer leben kann, kontinuierlich abnimmt. Der Tiger läuft zu allem Unglück jetzt auch noch durch ein Dickicht, das die Haut seiner hilflosen Reiter kräftig ritzt und sie vielleicht bald vom Rücken des Raubtieres herunter fegt.
Stellt sich die Politik auf die absehbaren sozialen und wirtschaftlichen Folgen ein? Mitnichten. Proaktive Politik gibt es nicht. Die polit-ökonomische Herrscherklassen lassen die Völker ideologieblinden Auges in die Katastrophe schliddern. Im lobbydemokratischen Beutekapitalismus gibt es keine sozialen Probleme. Probleme machen allenfalls zu hohe Arbeitskosten und die Gefahr, Profite zu verlieren, weil man nicht mit Warenanbietern aus der Dritten Welt konkurrieren kann, die Arbeitssklaven beschäftigen. Daß Menschen, die kein Einkommen erzielen, auch nichts kaufen können, wird durch den Exportwahn verdrängt, der nicht anderes bewirkt als die Verschleuderung von Volksvermögen für Papierdollars.
Umdenken ist überfällig! Anregungen dazu enthält eine Studie mit dem Titel „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“, ISBN 978-3-943788-18-1, eBook (PDF), 79 S. Die Studie ist im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in jeder guten (Internet-)Buchhandlung für 9,95 Euro erhältlich.
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