(openPR) Der Braunschweiger Verein Pro Patient aktiv werden e.V. verbindet niedrigschwellige Patienten- und Angehörigenberatung sowohl in einer Beratungsstelle als auch in Form von Hausbesuchen mit einem in dieser Form einzigartigen ganzheitlichen Betreuungskonzept. Der Verein versteht sich als Lotse im Gesundheitssystem, ist ein gemeinnütziger Verein, unabhängig und neutral und berät insbesondere auch ohne Anbindung an Gesundheitsverbände oder Krankenkassen themenübergreifend. Die Rechte und Interessen der Patienten stehen hierbei im Mittelpunkt. Zu den angebotenen Leistungen gehören Mobile Beratung, Hausbesuche, Krankenhausbesuche, Begleitung zu Ärzten, Institutionen Beratung in den Praxen vor Ort, Dialysezent- und Rehazentren, Sanitätshäuserrn etc, langfristige Fallbegleitung und Rechtsberatung. Erst kürzlich wurde von ärztlicher Seite die besonders gute Vorbereitung und Begleitung der Begutachtung durch den medizinischen Dienst hervorgehoben.
Engagement über die Beratung hinaus
Auch über die Dienstleistungen hinaus ist Pro Patient in einem weit gefassten Umfeld für die eigene Klientel tätig, als eine Unterstützergruppe für Menschen, die keine Lobby haben. Auf dem vom Verein bzw. seiner Vorgängerorganisation über viele Jahre organisierten Braunschweiger Gesundheitstag wurden ebenso aktuelle gesundheitspolitische Fragen diskutiert wie zu solch unterschiedlichen, für Patienten und Angehörige enorm wichtigen Themen wie Volkskrankheiten, Organtransplantation, Pflegenotstand oder Transportkostenerstattung umfassend informiert. Ohne Rücksichtnahme auf Interessen von Ärzten oder Kassen wurden hier gerade die Misstände und Schattenseiten des deutschen Gesundheitswesens offen gelegt und hart kritisiert.
Multiresistente Keime (RSA): Ernstes Thema, aber auch ein überstrapaziertes Reizwort
In einer Diskussionsrunde, die am 06.02. 2015 von der Braunschweiger Zeitung veranstaltet wurde diskutierten Prof. Dr. Wilfried Bautsch, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene im Städtischen Klinikum Braunschweig, und die Leiterin des Braunschweiger Gesundheitsamts, Dr. Brigitte Buhr-Riehm, u.a. mit Pro-Patient-Geschäftsführerin Andrea Zelesnik über das Problem der multiresistenten Krankenhauskeime.
Bautsch: Um alle Patienten mit MRSA zu identifizieren, müsste man auch alle Patienten testen. Im Altenheim werden die Bewohner vom Hausarzt versorgt, und dem bezahlt keiner einen anlasslosen Test bei Besiedlung der Nase. Wir sind also in Teilen blind. In Niedersachsen ist die Datenlage zu MRSA vergleichsweise gut. Dabei korreliert die Keim-Belastung mit dem Durchschnittsalter der Bevölkerung: Je älter die Menschen,
desto eher sind sie mit MRSA besiedelt. Deswegen sind die MRSA-Raten in der Region Hannover relativ hoch. Und zweitens gibt es einen Zusammenhang mit der Schweine-zucht. Es gibt einen Schweine-MRSA. Deswegen gibt es hohe Raten im ‚Schweinegürtel’, an der Grenze zu den Niederlanden. Hier in der Region sind das nur Einzelfälle. Viel wichtiger als MRSA sind in meinen Augen aber ganz andere Bakterien. Die heißen 3MRGN oder 4MRGN. Das ist eine gemischte Gruppe von Bakterien, die gegen drei oder alle vier der Gruppen von Intensiv-Antibiotika resistent sind. Und bei 4-MRGN gibt es dann ein ernstes therapeutisches Problem. Da gibt es noch ein bis zwei Reserveantibiotika, aber dann sind wir am Ende der Fahnenstange.
Buhr-Riehm: Das Landesgesundheitsamt hat zum Einsatz von Antibiotika eine Broschüre herausgegeben. Da sind die gängigsten Infektionen aufgeführt und wie sie zu behandelt sind. Dieses Thema erfordert viel Expertenwissen. Seit einiger Zeit laufen bundesweit Ausbildungen zur verantwortungsvollen Antibiotika-Gabe.
Zelesnik: Wie werden diese Ausbildungen von Ärzten angenommen?
Buhr-Riehm: Beim Braunschweiger Studieninstitut finden im Auftrag des Hygienene-tzwerks Südostniedersachsen dreimal im Jahr Fortbildungen zur Ausbildung hygiene-beauftragter Ärzte statt. Diese Kurse sind ausgebucht. Es gibt Fortbildungen der Ärzte-kammer und des Gesundheitsamts. Wir sind also am Ball. Auch bei der Begehung von Medizineinrichtungen und Praxen greifen wir das Thema Hygiene auf.
Zelesnik: Kündigen Sie solche Begehungen an?
Buhr-Riehm: Im Krankenhaus fast immer. Wir kennen die Häuser seit Jahren und wissen, wie es da läuft. Und wir wollen eine positive Kooperation. Wir sind eine Beratungsinsti-tution, kein Überwachungssystem. Auch in den Praxen melden wir uns an, es sei denn, wir erfahren, dass ein überraschender Besuch sinnvoll wäre. Das ist extrem selten. Wir sehen die Ärzte und Pfleger als Partner.
Zelesnik: Wie können Patienten und Angehörige sich informieren?
Buhr-Riehm: Wir haben beim Hygienenetzwerk einen Flyer entworfen, der zum Beispiel über Sanierungen bei Besiedelung der Haut mit dem MRSA informiert. Das sind desin-fizierende Waschungen über fünf Tage hinweg, die den Keim eliminieren sollen. Dazu haben wir eine Anleitung für Pfleger für eine schrittweise Sanierung herausgegeben.
Nicht ohne Grund nimmt Andrea Zelesnik regelmäßig an solchen Erfahrungsaustauschen, Vernetzungstreffen und Diskussionsrunden teil: Nur im Kontakt mit den besten Forschern, Klinikern und sonstigen Praktikern kann jenes umfangreiche Praxiswissen zur Verfügung gestellt und immer wieder erweitert werden, das Voraussetzung für eine erstklassige Patientenberatung ist.
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