(openPR) Den vormals chancenreichen Schwellenländern wurde in letzter Zeit immer mehr ihres Aufstiegspotenzials abgesprochen. Den Industrieländern hingegen –so schien es – gelang im gleichen Zeitraum eine Stabilisierung der Wirtschaft mittels gezielter Geldpolitik. Doch wendet sich das Blatt jetzt schon wieder? Gewinner und Verlierer wechseln heute schneller denn je die Positionen in der öffentlichen Meinung.
Krise! Wahrscheinlich das beliebteste Wort der letzten Jahre. Jedes Land der Erde hat sie. Mal hier eine, mal dort eine. Politische, ethnische, wirtschaftliche. In den Industriestaaten denkt man bei dem Wort Krise wohl zuerst an die wirtschaftliche. Vor allem an die Finanzkrise ab 2007, deren Nachwirkungen immer noch zu spüren sind. Und daran anschließend an die Eurokrise, die seit 2009 die europäischen Staaten im Griff hat.
Dank der Politik scheinen die Krisen in den Industrieländern jedoch vorerst gebannt. Geldflut und Anleihenkäufe der Notenbanken stützten die Märkte in der EU, den USA und Japan. Doch die risikoreichen Handlungen der Notenbanken und Staaten könnte den Industrieländern ihre führende Position kosten.
Die Probleme der Schwellenländer
Lange Zeit hat in den aufstrebenden Märkten nur eine kleine Schicht vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Der Großteil der Bevölkerung wurde zurückgelassen. Aber Aufschwung bedeutet auch steigende Löhne. So konnte sich langsam eine Mittelschicht entwickeln, die in den Industrieländern langsam verschwindet. Ein umgekehrter Verlauf.
Aber das enorme Wachstum der letzten Jahre findet zumindest in den großen Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien langsam ein Ende.
Viele der Emerging Markets haben nicht in ausreichende Reformen investiert. Sie stoßen an die Grenzen des ersten Aufschwungs, der durch niedrige Löhne, eine große Bevölkerung, Rohstoffe und straffe politische Systeme möglich war. Durch die scheinbare Stabilisierung und Erholung der Märkte in den USA, Europa und Japan hat zudem ein massiver Kapitalabfluss in den Emerging Markets stattgefunden. Das meiste Kapital für Investitionen kommt nämlich größtenteils noch aus den Industriestaaten und kehrt auch gerne mal nach Hause zurück, wenn es dort wieder rosiger aussieht.
Aussichten: Frontier Markets bieten Chancen
Wie lange das Kapital dort verbleiben wird ist ungewiss. Der zuletzt gesehene Börsenboom wird wohl nicht mehr lange anhalten und zeigt schon erste Anzeichen einer Korrektur. Ob es zu einer anhaltenden Abschwächung oder gar einem Crash kommt, bleibt abzuwarten.
Auch die weitere wirtschaftliche Situation ist unsicher. Besonders im Zuge der Ukraine-Krise und der Sanktionen der USA und EU gegen Russland sieht die wirtschaftliche Lage nicht nur in Russland, sondern auch bei den Sanktionierenden, allen voran bei der EU, immer schlechter aus.
Die Geldströme fließen bereits vermehrt zurück in Richtung Schwellenländer und dort vor allem in die Frontier Markets. Dort locken höhere Ertragschancen als in den Industriestaaten mit ihren teils sogar negativen Leitzinssätzen.
Die Frontier Markets blieben zudem größtenteils verschont von den Kapitalabflüssen. Durch ihre noch geringe Verflechtung mit den weltweiten Märkten sind sie relativ unabhängig. Auch die Masse an ausländischen Investitionen ist noch gering, so dass Rückflüsse kaum auffallen und keinen Trend auslösen. Pluspunkt vieler Grenzmärkte ist auch noch ihr hohes Wirtschaftswachstum von oft über 5 Prozent. Sie sind noch nicht so stark gewachsen wie die großen Schwellenländer und werden erst in einigen Jahren noch an die Grenzen des starken Wachstums stoßen.
Die Gefahr der Vernetzung
Egal welches Szenario jedoch eintritt, die Schwellenländer sind mit betroffen. Durch ihre immer stärker werdende Verflechtung mit den Weltmärkten sind sie anfälliger für weltweite Krisen geworden. Denn die großen Industriestaaten gehören noch zu den wichtigsten Handelspartnern.
Eine Diversifizierung hin zu anderen aufstrebenden Märkten findet allerdings zunehmend statt. Ein Vorgang der zum Vorteil werden könnte. Der Handel der Schwellenländer untereinander und mit weiteren Emerging Markets könnte sie weniger anfällig für die großen Finanzkrisen machen. Diese gehen noch größtenteils vom Boden der Industriestaaten aus. Mit zunehmendem Einfluss auf die Weltmärkte wächst jedoch dann das Risiko großer Krisen, die in Schwellenländern entstehen.
Das Wirtschaftswachstum ist trotz aller negativen Berichterstattung noch gut. Es ist in den großen Schwellenländern zwar geringer geworden, aber mit durchschnittlich rund 5 Prozent und in China immer noch mit über 7 Prozent liegen sie noch weit vor den meisten Industriestaaten.
Doch hier ist die untere Grenze fast erreicht. Um sich weiter zu entwickeln, die Armut weiter bekämpfen zu können und neue Arbeitsplätze für die Masse der jungen Menschen schaffen zu können, sind rund 6 Prozent und teilweise sogar mehr Wirtschaftswachstum nötig. Vor allem nachhaltiges und ökologisches Wachstum, denn das Bewusstsein in den Schwellenländern nimmt zu, dass die Umwelt nicht weiter die Kosten des Wachstums tragen darf.
Noch immer auf Kurs
Genauso wenig darf der Großteil der Bevölkerung, der immer mehr Abstand zu den Reichen vor sich sieht, die Kosten des Wachstums tragen. Voraussetzungen für eine positive Entwicklung gibt es in den meisten aufstrebenden Märkten allerdings noch zu genüge.
Die Staatsverschuldung der Schwellenländer ist enorm gesunken. Gleichzeitig stiegen die Devisenreserven an und Rohstoffe, die für einen weiteren Devisenzufluss sorgen, sind auch noch ausreichend vorhanden.
China zum Beispiel lenkt den Fokus der eigenen Wirtschaft mittlerweile auf höherwertige Produkte statt Ramsch, mehr Dienstleistungen statt Produktion und mehr Binnennachfrage statt Export. Auf lange Sicht haben die aufstrebenden Märkte noch einiges an Wachstum zu bieten. Sie wandeln sich von den investitionsgesteuerten Ökonomien zu konsumgesteuerten. Bis die Schwellenländer so mit den Problemen zu kämpfen haben, welche die Industrieländer plagen, dauert es noch einige Jahrzehnte.
Das ewige Rennen
Nach Jahrzehnten der Dominanz einiger weniger Staaten hat der große weltweite Wettstreit um die wirtschaftliche Führungsposition nun endgültig begonnen. Die Teilnehmerzahl steigt weiter und mit ihr die vielfältigen Wirtschaftsmodelle und Strategien.
Alte Sichtweisen werden verworfen und durch neue Erkenntnisse ersetzt. Es liegt an der Umsetzung neuer Erkenntnisse, wer die führende Position in den nächsten Jahrzehnten einnehmen kann. Doch der Platz ist stetig gefährdet und wird wohl häufiger wechseln als bisher.
Mehr zu Emerging Markets gibt es hier: www.moneymoo.de.










