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8 Friedhöfe als Romanschauplätze

17.09.201419:00 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes
Bild: 8 Friedhöfe als Romanschauplätze

(openPR) Haben Sie sich auch schon einmal gewünscht, all die Orte in Ihrem Lieblingsroman besuchen zu können? Glücklicherweise ist das in manchen Fällen durchaus möglich. Wir haben bekannte Friedhöfe unter die Lupe genommen, deren Atmosphäre sich findige Autoren zu Nutze gemacht haben. So mancher Friedhof wurde erst durch einen Roman zu Kultstätte und Publikumsmagnet. Für alle, die die Schauplätze nicht alleine besichtigen möchten, gibt es zum Teil literarische Führungen. Lesen Sie im Folgenden, welche acht Friedhöfe bereits zu Romanen inspirierten oder durch einen Roman Berühmtheit erlangten.



#1 - Cimetière des Innocents
Etwa zwei Millionen Tote, darunter Pestopfer, im Fluss Seine Ertrunkene und auf der Straße gefundene Leichen fanden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Pariser Cimetière des Innocents ("Friedhof der Unschuldigen") ihre letzte Ruhe. Ab dem 14. Jahrhundert strapazierten Massenbegräbnisse, die zu Hungersnöten und Seuchen führten, die begrenzten Kapazitäten des ohnehin schon überfüllten Friedhofs. Die Liegezeiten mussten verkürzt, die Toten – egal ob schon vollständig verwest oder nicht – in Beinhäuser verlegt werden. Dieses Vorgehen hatte zur Folge, dass die Faulgase, die nun über dem Friedhof hingen, die Anwohner belästigten und zu einem echten Problem wurden. Am 1. November 1780 wurde der Cimetière des Innocents endgültig geschlossen und die übrigen Gebeine in die Katakomben von Paris gebracht, wo sie teilweise heute noch zu besichtigen sind. Alles, was heute noch an den ehemaligen Friedhof erinnert, ist der "Place des Innocents" und die "Fontaine des Innocents".
Immerhin sorgen gleich drei Romane dafür, dass er nicht völlig in Vergessenheit gerät. In Patrick Süskinds "Das Parfüm" erblickt der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille auf einem unmittelbar an den Cimetière des Innocents grenzenden Fischmarkt das Licht der Welt und stirbt am Ende des Buches auf dem Friedhof. Anne Rice erzählt in "Der Fürst der Finsternis" von einem satanistisch-angehauchten Vampirclan, der unter den Gräbern des Friedhofs haust. Von der Abräumung des Friedhofs handelt der Roman "Friedhof der Unschuldigen" von Andrew Miller.

#2 – Alter Jüdischer Friedhof in Prag
Als einer der bekanntesten jüdischen Friedhöfe in Europa beherbergt der Alte Jüdische Friedhof in Prag die Gebeine von 100.000 Menschen. Sie wurden teilweise in bis zu zwölf Schichten begraben – und das auf einer Fläche von nur einem Hektar. Seit dem 15. Jahrhundert wurde hier bestattet, doch aus Platzgründen konnte man die Fläche nicht erweitern. Deshalb wurde 1891 der Neue Jüdische Friedhof im Stadtteil Žižkov erbaut. Der alte Friedhof blieb allerdings erhalten. Dort kann man heute noch die Gräber von vielen berühmten, jüdischen Persönlichkeiten betrachten. Der Legende nach war der jüdische Friedhof ein beliebter Treffpunkt für Spione und Agenten.
Von dieser Legende ausgehend, hat sich Umberto Eco zu seinem Roman "Der Friedhof in Prag" inspirieren lassen, in dem der Jurist Simon Simonini durch den Kontakt mit diversen Geheimdiensten Verschwörungstheorien auf den Grund geht.

#3 Whitby Cemetery & St. Mary’s Church
Ungefähr 1110 erbaut, musste die eher unscheinbare normannische Kirche St. Mary’s viele Umbauten und Erweiterungen über sich ergehen lassen. Überhaupt neigen sie und der historische Friedhof dazu, vom Unglück heimgesucht zu werden. 2013 wurden nach starken Regenfällen große Teile des Friedhofs zerstört und Gebeine ans Tageslicht – und in die Vorgärten der Anwohner – gespült.
Davon konnte Bram Stoker nichts ahnen, als er 1890 in Whitby, einer historischen Hafenstadt in der Grafschaft Yorkshire, weilte. Inspiriert vom Ambiente der Stadt, ließ er seinen berühmten "Dracula" dort an Land gehen.

#4 Highgate Cemetery
Der Highgate Cemetery wurde 1839 eröffnet, gehört zu den modernsten viktorianischen Friedhöfen und zudem zu den "Magnificent Seven", sieben kommerziellen Friedhöfen, die innerhalb von zehn Jahren in London angelegt wurden. Leider machte der Wandel der Bestattungskultur auch vor dem zweigeteilten Friedhof nicht Halt, und 1960 musste die London Cemetery Company, die den Highgate Cemetery unterhielt, Konkurs anmelden. Erst 1975 setzten sich die Friends of Highgate Cemetery für den Erhalt des Friedhofs ein. Um diesen zu sichern, ist der Besuch des Friedhofs kostenpflichtig. Dieser Eintritt kann durchaus eine lohnenswerte Investition sein, da hier viele berühmte Persönlichkeiten, unter anderem Karl Marx, ihre letzte Ruhe gefunden haben. Auch heute sind noch Bestattungen unter bestimmtem Voraussetzungen möglich.
Angeblich ließ sich Bram Stoker auch von diesem Friedhof inspirieren, als er "Dracula" verfasste. Insbesondere die Katakombengräber des "Circle of Lebanon" sollen es ihm angetan haben.

#5 – San Michele
Als Ersatz für die Friedhöfe bei den Pfarrkirchen Venedigs, auf denen Bestattungen verboten wurden, verband man 1837 die Inseln San Michele und San Cristoforo miteinander und errichtete den Friedhof San Michele auf ihnen. Von Mauern umgeben, die Grabfelder durch Kolumbarien und Zypressen getrennt, ist er vor Hochwasser geschützt. Allerdings konnten auch Erweiterungen den völlig überbelegten Friedhof nicht entlasten. Die Toten wurden in normalen Gräbern bestattet, später aber wieder exhumiert und in Gebeinhäusern, sogenannten Ossarieren, gestapelt. Ein solches Ossarium unter freien Himmel befindet sich auf der Insel Sant’Ariano. Allerdings ist dieses nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit 2011 wird der Zentralfriedhof um etwa 60 000 m² und somit 15 000 Grabstätten erweitert.
In zahlreichen Romanen der Schriftstellerin Donna Leon, mit ihrem berühmten Commissario Brunetti in der Hauptrolle, findet San Michele Erwähnung. Beispiele sind "Venezianisches Finale" und "Verschwiegene Kanäle". Mittlerweile werden literarische Führungen zu den Schauplätzen der Romane und Verfilmungen angeboten, die auch die "Friedhofsinsel" einschließen.

#6 – Lafayette Cemetery No.1
Gegründet 1833, ist der Lafayette Cemetery No.1 der älteste von sieben kommunalen Friedhöfen in New Orleans. Die Stadt ist bekannt für ihre Friedhöfe, auf denen es anstatt herkömmlicher Gräber Mausoleen gibt. Diese wurden aufgrund des sehr feuchten Bodens und der Angst vor Seuchen errichtet. Überhaupt ist die Bestattungskultur in New Orleans eine ganz andere als bei uns in Deutschland: Zu Bestattungen spielt man Jazz, und die "Cities of the Dead" sind wahre Touristenattraktionen. Eine Autorin kann sich damit rühmen, dem Lafayette Cemetery Kultstatus verliehen haben. Durch die in New Orleans angesiedelte "Chronik der Vampire" von Anne Rice, deren elfter Teil im Oktober 2014 erscheint, machte sie insbesondere diesen Friedhof bekannt. Dort liegt der Erzählung nach das Grab des Vampirs Lestat, welches auch in der Verfilmung von "Interview mit einem Vampir" zu sehen ist. Auch wenn die Grabstätte fiktiv ist, pilgern Fans der Buchreihe durch die Grabreihen. Zudem ließ Rice einmal ihre eigene Beerdigung auf dem Lafayette Cemetery stattfinden, um die Erscheinung eines ihrer Bücher zu feiern.

#7 - Der katholische Friedhof Feriköy
Als Istanbul noch Konstantinopel hieß wurde ein Friedhof für die römisch-katholischen Christen angelegt. Direkt daneben lag der Friedhof der protestantischen Christen. Damals war es üblich, die Christen neben ihren Kirchen zu bestatten – nur die Pestkranken wurden außerhalb der Stadt begraben. Das Gebiet, dass in der Nähe des heutigen Taksim-Platzes lag, wuchs immer weiter und trug den Namen Grand Champs. Mit den Jahren wurde der Friedhof zu klein, und die Stadtverwaltung bot den katholischen Christen einen neuen Ort zur Bestattung an. Im Stadtteil Feriköy sollte der neue katholische Friedhof entstehen. 1861 begann man mit dem Bau einer Mauer sowie Unterkünften für den Geistlichen und den Friedhofswärter. Fertiggestellt wurde der Friedhof allerdings erst 1872 – Geldmangel hatte den Bau verzögert. Der neue katholische Friedhof diente auch als Soldatenfriedhof für die französische Orientarmee. Als 1865 eine Pest-Epidemie ausbrach, wurden die Bestattungen bei den Kirchen gänzlich verboten und christliche Begräbnisse fanden nur noch in Feriköy statt. Das Verstorbenenregister "Registre Mortuaire" bietet interessante Einblicke in die Nationalitäten der Toten.
Zumindest der Titel des Romans "Rendezvous auf dem Friedhof Feriköy" von Baris Uygur ist von dem katholischen Friedhof inspiriert. In dem Buch muss der ehemalige Polizist Süreyya Sami, der sich mit diversen Jobs über Wasser hält, als Hobby-Privatdetektiv die vermisste Deniz Deren finden.

#8 – Cimetière de Montmartre
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Bestattung auf den Kirchhöfen der Stadt Paris verboten. Um die alten Friedhöfe zu ersetzen, musste neue angelegt werden. Außerhalb der Stadtgrenzen wurden der Friedhof Montparnasse im Süden, der Friedhof Passy im Zentrum der Stadt, der Friedhof Père Lachaise im Osten und der Friedhof Montmartre im Norden angelegt. Letzterer wurde nach der Neukonstruktion des Quartiers Montmartre in den Jahren 1818 bis 1824 in einem ehemaligen Gipssteinbruch angesiedelt. Eröffnet wurde der Friedhof 1824. Mit derzeit 20.000 Gräbern auf einer Fläche von elf Hektar ist der Cimetière de Montmartre der drittgrößte Friedhof von Paris.
Zwischen Berühmtheiten wie Heinrich Heine und dem Physiker André-Marie Ampère liegt Alexandre Dumas. Dieser schuf der jungen Alphonsine Plessis nach ihrem Tod ein ganz besonderes Denkmal schuf. Die französische Kurtisane ist so manchen Lesern wohl besser als die "Kameliendame" bekannt, wie auch der Romantitel von Dumas lautet. In dem Buch verarbeitete er seine Beziehung zu der Kurtisane, die 1847 im Alter von nur 23 Jahren an Tuberkulose starb. Auch heute noch werden auf ihrem kleinen Grabmal mit der Inschrift Ici repose Alphonsine Plessis Blumen niedergelegt – vielleicht sogar die Kamelien, die sie so liebte…

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