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Der Friedhof lebt

Bild: Der Friedhof lebt
Die Initiatoren: Susanne Thürauf, Dienststellenleiterin Friedhof Bad Windsheim, und Alexander Hanel
Die Initiatoren: Susanne Thürauf, Dienststellenleiterin Friedhof Bad Windsheim, und Alexander Hanel

(openPR) Denkanstöße und Impulse vermittelten Veranstalter und Referenten beim zweiten Friedhofskulturkongress am 29. Oktober in Bad Windsheim. Gut zwei Drittel der 140 Teilnehmer waren Friedhofsverwalter. Günter Czasny erhielt einen Ehrenpreis. Mit frischen Ideen und Innovationen Friedhöfe zukunftsweisend und nachhaltig gestalten helfen – das wollen die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Bad Windsheim und der Bund deutscher Grabsteinhersteller (BDG). "Der positiven Resonanz auf den ersten Friedhofskulturkongress im Jahr 2013 haben wir mit der Verlegung der Veranstaltung ins Kultur- und Kongresszentrum Bad Windsheim entsprochen", so Susanne Thürauf, Dienststellenleiterin für den Friedhof Bad Windsheim und mit BDG-Vorstandsmitglied Alexander Hanel Initiatorin des Kongresses. Mit 140 Teilnehmern war der Besuch noch besser als 2013. Nach Grußworten von Bürgermeister Bernhard Kisch und Landtagsmitglied Hans Herold erinnerte Pfarrer Helmut Spaeth daran, dass sich der Mensch nie so verändern wird wie die Zeiten, in denen er lebt. Der Tod eines vertrauten Menschen verursache eine Krise. In dieser Situation bräuchten viele Hinterbliebene nach wie vor den Friedhof als einen Ort, an dem man allein und in Gemeinschaft trauern kann, ist Spaeth überzeugt. Trauerrituale sieht er als Möglichkeit, die besondere Würde des Menschen zu betonen. Mehr denn je biete der Friedhof Trauernden Raum. Diesen Raum gelte es zu gestalten – fest, was den christlichen Hintergrund, aber flexibel, was die Form betrifft.



Leitbild Naturlandschaft
"Was wir wirklich wollen – Friedhof im Wandel der Herausforderungen" lautete der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Norbert Fischer. Friedhöfe entsprächen dem urmenschlichen Wunsch, der Schnelllebigkeit unserer Zeit etwas Dauerhaftes entgegenzusetzen. "Das Bedürfnis, sich zu verewigen, ist größer als der Nutzwert einer praktisch, quadratisch, guten Rasenbeisetzung", so der Kulturwissenschaftler, der an der Universität Hamburg lehrt. Für die Gestaltung der Bestattung gebe es keine Regeln mehr. Je nach Lebensstil würden unterschiedliche Formen gewählt. Die Folge sei der Verlust der abgegrenzten Einzel- und Familiengrabstätte als Ordnungsmuster. Trauernde pflegten neue Formen der "corporate identity" in Gemeinschaftsgrabstätten und Themenanlagen (z.B. Memoriam-Gärten). Der neuen Trauer- und Erinnerungskultur entsprächen Orte der Erinnerung in Form von Naturlandschaften und Gärten sowie die Verknüpfung mit digitalen Räumen. Optimistisch stimme ihn, dass das Bedürfnis, Trauer öffentlich zu zeigen, immer größer werde. Mit Fragen zu Gestaltungsmöglichkeiten könnten sich Kommunen und Friedhofsverwaltungen z.B. an die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD) wenden. Prof. Dr. Reiner Sörries, AFD-Geschäftsführer und Direktor des Museums für Sepulkralkultur, skizzierte notwendige Innovationen für die Fortentwicklung der Friedhofskultur. Mit Anspielung auf "Des Kaisers neue Kleider" regte er an, dass Friedhöfe nicht immer weiter "Friedhof" heißen müssten, denn im Gegensatz zu "Friedwald" sei "Friedhof" kein positiv besetzter Begriff mehr. Aus Coemeterium, Kirchhof, Begräbnisstätte und
Gottesacker sei über die Jahre "Friedhof" geworden. Vielleicht sei es jetzt Zeit für "Garten der Erinnerung". Nicht die leibliche Familie, sondern die Wahlfamilie sei immer öfter Träger der Bestattungs- und Trauerkultur – die Friedhofsverwaltungen müssten Vielfalt ermöglichen. Weil "Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält", empfahl Sörries die Einrichtung von Friedhofscafés. Es sei aber auch wichtig, sich darauf zu besinnen, dass der Friedhof ein Ort der Trauer ist. Auf dem Friedhof Trauerorte einzurichten, sei eine im Sinne der Friedhofsnutzer gute Investition. Beispiele dafür seien der Park der Ruhe und Kraft auf dem Wiener Zentralfriedhof, der Lebensgarten in Karlsruhe und das Labyrinth auf dem Johannisfriedhof in Osnabrück.

Lasst uns beten
Warum Friedhöfe nicht nach christlichen Kriterien gestalten? Der Besucher darf und soll spüren, dass der Friedhof ein Ort der Trauer ist, so Sörries. Ein christlicher Friedhof dürfe aber auch erkennen lassen, dass er als Stätte der Verkündigung dient. Als Beispiele nannte er den Kreuzweg auf dem St. Antonius-Friedhof in Papenburg und den Vater-unser-Weg auf dem evang. Friedhof in Neumünster. Auch die Friedhofseingänge könne man entsprechend gestalten.

A greener way to go
In England ist die ökologische Verantwortung im Friedhofsbetrieb schon ein Marketingargument. Sörries empfahl, auf Umweltfreundlichkeit zu achten und das auch angemessen zu kommunizieren.

Gefällt mir!
"Viele Friedhöfe sind noch nicht im Netz und noch nicht bei Facebook, dabei hat die Digitalisierung längst die Bestattungskultur erreicht", stellte Prof. Dr. Reiner Sörries fest. "Friedwald & Co. sind längst im Internet aktiv und freuen sich über den Mangel an Konkurrenz", gab er zu bedenken. "2020 haben alle Friedhöfe einen Account bei Facebook", sagte er voraus. Grabmale mit QR-Codes hätten ebenso ihre Berechtigung wie Friedhofs-Apps. "Die Trauer- und Memorialkultur geht nicht den Bach runter – sie findet nur neue Formen." Auseinandersetzen müssten sich die Kommunen und Friedhofsverwalter auch mit dem Thema "Grab auf Zeit". Immer öfter komme es vor, dass Menschen, die umziehen, eine Umbettung der Urne ihres Angehörigen wünschen. Damit müsse man sich auseinandersetzen. Unter dem Motto "Frisch gewagt ist halb gewonnen" gelte es auch, neue Organisationsstrukturen zu prüfen. Auch Privatfriedhöfe könnten ihre Berechtigung haben, besonders solche, die in Notzeiten aus privater Initiative gegründet wurden. Mit dem Schlagwort "Auf den Hund gekommen" sprach Sörries auch das Thema Tierfriedhof und die steigende Nachfrage nach einer Bestattung von Mensch und Tier in einem Grab an.

Ohne Moos nix los
Die Zukunft der Friedhöfe hängt laut Prof. Dr. Sörries wesentlich von den Gebührenstrukturen ab. Die Gebühren zu hinterfragen, hält er für unbedingt erforderlich. Man müsse auch über das Angebot kostenloser Reihengräber oder allgemein kostenloser Gräber auf kirchlichen Friedhöfen nachdenken. "Die Frage ist doch, ob sich die Menschen unseren Friedhof noch leisten wollen, wenn der Friedhofszwang fällt." Mit den Ansagen "Wir erinnern uns" und "Fremde Freunde" regte der Referent die Einrichtung von Museen auf dem Friedhof und Respekt vor den Bestattungsbräuchen von Menschen fremder Religionen an. Wie man mit eigenen und fremden Fehlern so umgehen kann, dass man daran wächst, schilderte Schwester Teresa – gute letzte Worte für die Kongressgäste.

Award für Günter Czasny
Im Rahmen der Veranstaltung verlieh Sebastian Müller von Bestattungen.de den Award für den schönsten Friedhof Deutschlands 2014. Gewinner ist der Waldfriedhof Lauheide in Münster. Günter Czasny, Initiator der Branchenoffensive "Orte, die gut tun", erhielt für seine Verdienste um den Friedhof den ersten Friedhofskulturkongress-Award. BDG-Vorstandsmitglied Stefan Zenk bedankte sich für Czasnys Einsatz und seinen Glauben an die Heilkraft der Friedhöfe. Czasny nahm den Preis "stellvertretend für alle Mitstreiter entgegen, insbesondere für meinen verstorbenen Kollegen Hans Bühler".

(Bärbel Holländer)

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