(openPR) Nierentransplantation: Die operativen Risiken eines Lebendspenders werden häufig unterschätzt, warnt Dr. Felix Burkhalter (Universitätsspital Basel) in seinem Beitrag zum aktuellen Jahrbuch der Akademie Niere. Während der Nierenentnahme erleiden zwei bis drei Prozent der Spender schwere Blutungen. Unmittelbar nach der Operation sind riskante Komplikationen noch häufiger: Bei drei bis sechs Prozent der Spender müssen Blutungen, Pneumothorax, Lymphozelen, Dünndarmperforationen u.a. behandelt werden.
Weniger dramatische Komplikationen - Harnwegsinfekte, Pneumonien, Wundinfekte, Thrombose u.a. - entwickeln sich bei etwa 20 Prozent der Spender. Beide Entnahme-Verfahren - offene oder laparoskopische Chirurgie - sind mit einer etwa gleich hohen Komplikationsrate verbunden. "Das Risiko, an einer Spendernephrektomie innerhalb der ersten 90 Tage zu sterben, beträgt nach internationalen Statistiken 0,03 Prozent." D.h. drei von 10.000 Nierenlebendspendern bezahlen die Weitergabe des Organs mit dem Leben. Da die Statistiken auf Selbstauskünften betroffener Kliniken beruhen, sind die Prozentsätze für hochentwickelte Länder realistisch, nicht jedoch in Regionen mit zweitklassiger Therapie und ungeregeltem Organhandel.
Soweit Lebendspender langfristig nachverfolgt wurden, lässt sich keine erhöhte Sterblichkeit erkennen. Allerdings verdoppelt sich das Risiko einer arteriellen Hypertonie bereits während der ersten fünf bis zehn Jahre nach der Nierenspende. Etwa zehn Prozent der Spender leiden seit der OP langfristig unter chronischer, oft lähmender Müdigkeit - ohne dass dafür eine medizinische Erklärung zur Verfügung stünde. Trotz aller Probleme äußern sich mehr als 90 Prozent der Nierenspender mit der Transplantation zufrieden und würden der Entnahme wiederum zustimmen.
>> F. Burkhalter: Komplikationen nach Lebendnierenspende. In: Akademie Niere (Hrsg.) IX. Intensivkurs Nieren- und Hochdruckkrankheiten 2014. Pabst, 584 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-89967-941-0










