(openPR) "Ich habe ihm vor seiner Einwechslung gesagt, dass er das wichtige Tor machen kann. Dass er besser als Lionel Messi sein kann in diesem Finale", sagte Joachim Löw auf der Pressekonferenz nach dem WM-Endspiel gegen Argentinien.
Ein Zeichen für prophetische Fähigkeiten des Bundestrainers? Ein Bauchgefühl mit sicherer Vorahnung? Weder – noch. Das goldene Tor war zunächst einmal das Ergebnis fußballerischer Glanzleistungen und glücklicher Umstände: André Schürrle tankt sich auf der linken Außenbahn durch, spitzelt ein Flanke vor das Tor, Martín Dimechelis kann nicht retten und Mario Götze „macht das Ding“ in genialer Weise. Selbst ein Messi hätte diese Vorlage wahrscheinlich nicht verwandeln können.
Denn: Für einen Kopfball war die Flanke auch für 1,70 Meter große Stürmer zu niedrig und für den Fuß zu hoch. Doch genau dazwischen liegt die Brust – sozusagen das Herz – des Angreifers. Und dieser symbolträchtige Körperteil lenkte den Ball blitzschnell auf den reflexartig und perfekt reagierenden linken Fuß.
Niemand hat vor der WM bezweifelt, dass Götze eine solche Weltklasse-Technik besitzt. Nur: Zu Beginn des Turniers wirkte sein Spiel zaghaft, ja gehemmt. Sicher: Die harte Gangart seiner Gegenspieler hatte ihm den Schneid abgekauft. Doch offenbar fehlte ihm auch der mentale Biss. Die Befürchtung „Hoffentlich spiele ich gut!“ drängte die Sieger-Überzeugung „I am the champion!“ zurück. Die Folge: Ersatzbank.
Doch dann: „Du bist besser als Messi! Du bist Weltklasse!“ Vom Bundestrainer geadelt und während einer Spielphase, in der ein Stürmer nur noch gewinnen kann, wurde Götze anscheinend durch die Suggestivkraft der Worte mental beflügelt: Sein Genie konnte sich frei entfalten – zum wohl schönsten und zugleich wichtigsten WM-Tor aller Zeiten.
Ob die Ermutigungen des Trainers das Zünglein an der Waage waren, ist für das Ergebnis kaum von Belang. Aber: Dass Suggestionen erstaunlich wirksam sind, gilt schon seit langem als wissenschaftlich erwiesen. Entscheidend ist letztlich die innere Einstellung des Sportlers.
Davon war auch der damalige Team-Chef Franz Beckenbauer überzeugt, als ich ihm zur WM 1986 vor dem Abflug nach Mexico für seine Kicker 11 Suggestionsprogramme „Topfit am Ball“ persönlich überreichte. Er selbst entspannte sich dort mit der „Tiefensuggestion“ – der eine oder andere Spieler ebenfalls. Sicherlich hatte das keinen Einfluss auf das Erreichen der Vize-Weltmeisterschaft. Auch der WM-Sieg 1990 in Rom war von programmierten Suggestionen völlig unabhängig. Aber: Ein Trainer, der die Suggestionskraft positiver Leitsätze verinnerlicht hat und in der Kommunikation mit seiner Mannschaft intuitiv anwendet, erhöht die Wahrscheinlichkeit des gemeinsamen Erfolgs.
Egal ob beim Elfmeter von Andreas Brehme 1990 oder beim Geniestreich von Mario Götze 2014 – eine Suggestion im entscheidenden Augenblick kann Weltmeister werden.
Arnd Stein: Mentales Training für Sportler. CD, ISBN 389326-859-6. VTM-Verlag, 19,95 Euro.













