(openPR) Den Weg zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten selbständig und sicher zu bewältigen – für viele Menschen mit Behinderung ist das noch nicht selbstverständlich. Mit dem Rollstuhl oder dem Rollator kann schon eine Busfahrt in die Nachbarstadt zum Hindernisparcours werden. Menschen mit Behinderung zu befähigen, sicher unterwegs zu sein und auf unvorhergesehene Situationen richtig reagieren zu können – das ist das Ziel des Projekts „Kompetent mobil“.
Zum Beispiel Timo Grack. Der 24-Jährige ist gehbehindert. Kürzere Strecken legt er zu Fuß zurück, für größere Entfernungen nimmt er seinen Elektrorollstuhl. Timo Grack wohnt und arbeitet im Josefsheim Bigge. In der Metallwerkstatt des Josefsheims bedient er eine CNC-Maschine, an der Werkstücke für die Zugfestigkeitsprüfung in einem mittelständischen Unternehmen der Region gefräst werden.
An den Wochenenden fährt er zu seiner Familie nach Lippstadt. Mit dem Bus benötigt er dafür zweieinhalb Stunden. Unterwegs muss er zwei Mal umsteigen. Zu seiner Behinderung kommen bei Timo Grack immer wieder Angstzustände: „Allein in größeren Räumen oder in unbekannter Umgebung fühle ich mich unsicher“, sagt er. Im Rahmen des Projekts „Kompetent mobil“ hat Timo Grack ein Busfahrtraining absolviert. Anfangs war er dabei mit einer Begleitperson unterwegs. „Inzwischen fahre ich allein nach Lippstadt und zurück.“
Das Projekt „Kompetent mobil“ wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziell gefördert. Die Partner sind neben dem Josefsheim Bigge, einem Dienstleister für rund 800 Menschen mit Körper-, Lern- und Sinnesbehinderungen, das Berufsförderungswerk Bad Wildbad im Schwarzwald, der Deutsche Rollstuhlsportverband und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege. Das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport der Deutschen Sporthochschule Köln begleitet das Projekt wissenschaftlich.
„Kern unserer Projektarbeit sind auf die Wege zwischen Wohnung und Arbeit“, sagt Jürgen Mies, Bildungsbegleiter im Josefsheim. „Wir möchten Menschen mit Behinderung befähigen, durch selbstständige Mobilität ihre Berufschancen zu verbessern.“ Dazu wurden unter anderem ein neues Verfahren zur Einschätzung der persönlichen Situation und verschiedene Lerneinheiten entwickelt. „Wir setzen bei den Fähigkeiten der Menschen an, nicht bei den Defiziten“, erläutert Jürgen Mies. So gehe es zum Beispiel bei der persönlichen Einschätzung darum, Stärken herauszuarbeiten. „Damit können wir gezielt Ansatzpunkte der individuellen Förderung ermitteln.“
Die Lerneinheiten werden für jeden Teilnehmer individuell zusammengestellt. Das kann zum Beispiel ein Fahrtraining mit dem Rollstuhl auf verschiedenen Untergründen sein oder die Benutzung einer App auf dem Smartphone, um bei einem verpassten Zug eine neue Verbindung ermitteln zu können oder, wie bei Timo Grack, das begleitete Fahren, um ein Gefühl der Sicherheit zu entwickeln.
Mit zunehmender Übung möchte Timo Grack seinen Bewegungsradius erweitern. Die neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten wird er auch für Fahrten in seiner Freizeit nutzen: „Ich möchte immer neue Sachen ausprobieren.“













