openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Frauenärzte bleiben bei der rezeptfreien Notfallkontrazeption skeptisch

15.01.201415:18 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Bundesinstitut für Arzneimittel votiert für freien Verkauf der „Pille danach“

Köln. Kondom kaputt, Antibabypille vergessen? Nach ungeschütztem Sex ist die zügige Einnahme der „Pille danach“ gefordert, wenn eine Schwangerschaft vermieden werden soll. Ist der Frauenarzt erst nach dem Wochenende für ein nötiges Rezept wieder erreichbar, wird die Zeit dafür knapp. Nach mehr als zehn Jahren könnten jetzt aber auch in Deutschland die Ampeln für eine rezeptfreie „Pille danach“ auf Grün umspringen: Nach dem Bundesrat hat nun auch der Fachausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Aufhebung der bisherigen Rezeptpflicht empfohlen. Die Experten sähen keine medizinische Notwendigkeit, länger an ihr festzuhalten, teilte die Bundesoberbehörde am 14. Januar 2014 mit. Die Gynäkologen der ärztlichen Genossenschaft GenoGyn zeigen sich indes besorgt.

Grundsätzlich sei es sicher begrüßenswert, dass die betreffenden Frauen möglichst ohne Verzögerung frühzeitig ein Notfallkontrazeptivum einnehmen, heißt es aus dem Vorstand der GenoGyn. Auf der anderen Seite stehe die Sorge, dass viele dieser Frauen nicht mehr für die mit der Verschreibung der "Pille danach" verbundene Beratung erreichbar sind. Häufig benötigten gerade die Frauen eine Notfallkontrazeption, bei denen eine erweiterte Verhütungsberatung besonders angebracht wäre. Und die Erfahrung in der Praxis zeige, dass in vielen Fällen ein gleichzeitiges Gespräch über nachhaltigere Möglichkeiten der Kontrazeption durchaus gewünscht und oft hilfreich sei, damit diese Pille künftig gar nicht erst erforderlich wird. So biete zum Beispiel die regelmäßige Einnahme einer handelsüblichen Antibabypille auf jeden Fall mehr Sicherheit als die Notfallpille, so der GenoGyn-Vorstand weiter. Nachts an der Ausgabeklappe der Apotheke beim Verkauf der „Pille danach“ sei entsprechende Beratung nicht zu leisten.
Die Gynäkologen sehen zudem die Gefahr, dass Frauen durch den rezeptfreien Erwerb die empfohlene ärztliche Nachsorge im Gefolge der Einnahme des Präparates aus den Augen verlieren könnten. Ausdrücklich weisen die Frauenärzte darauf hin, dass die BfArM-Empfehlung nur die „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel betrifft. Die neuere und nach ersten Vergleichsstudien effektivere Alternative mit dem Wirkstoff Ulipristal bliebe weiter verschreibungspflichtig. Diese Unterscheidung sei nicht nachvollziehbar und könne zudem zur Verunsicherung der Frauen beitragen.

Für beide Wirkstoffe gilt: Je früher sie eingenommen werden, desto zuverlässiger ist ihre Wirkung. Die bislang „klassische“ Variante mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wirkt binnen 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, allerdings nimmt ihre Wirksamkeit bereits nach 48 Stunden deutlich ab, ehe sie jenseits der 72-Stunden-Grenze auf null sinkt. Die „neuere“ Variante mit dem Wirkstoff Ulipristal ist seit 2009 erhältlich und kann noch bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Sex ungewollte Schwangerschaften verhindern. In ersten Vergleichsstudien schnitt das Ulipristal-Präparat, das weiterhin verschreibungspflichtig bleiben wird, in Bezug auf die Zuverlässigkeit statistisch besser ab als der Levonorgestrel-Konkurrent. Potentielle Anwenderinnen der "Pille danach" sollten über diese Unterschiede informiert sein, meinen die Frauenärzte der GenoGyn.

Die postkoitale Pille verhindert oder verzögert hormonell den Eisprung der Frau. Wird die Pille erst eingenommen wenn sich die Eizelle bereits aus dem Eierstock gelöst hat, kann die „Pille danach“ eine Befruchtung nicht verhindern. Die Notfallverhütung wirkt nur rückwirkend und zeitlich eng begrenzt. Rechtzeitig eingenommen kann sie lediglich den Eintritt einer Schwangerschaft unterbinden, nicht jedoch eine bereits eingetretene Schwangerschaft beenden. Damit unterscheidet sie sich grundsätzlich von sogenannten Abtreibungspillen.

Das BfArM-Expertenvotum für die Abschaffung der Verordnungspflicht für das Levonorgestrel-Präparat wird nun als Empfehlung ans Bundesgesundheitsministerium weitergeleitet. Dessen neuem Chef Hermann Gröhe obliegt dann die Entscheidung, ob die Rezeptpflicht fällt oder nicht. Der CDU-Mann will zwar zunächst die schriftliche Begründung der BfArM-Empfehlung abwarten, die Union hatte aber bereits vor der Wahl eine Freigabe abgelehnt. Weil das Thema auch im Koalitionsvertrag mit der SPD ausgespart worden ist, bleibt das Ergebnis abzuwarten. Das gilt auch für die Frauenärzte der GenoGyn, die im Falle einer rezeptfreien Notfallkontrazeption fehlende Verhütungsberatung und die medizinischen Folgen zunehmender unkontrollierter Anwendungen befürchten.

Die mit der rezeptfreien Abgabe der „Pille danach“ verbundene Forderung einer entsprechenden Beratung hält die ärztliche Genossenschaft für realitätsfern. Denn eine Beratung zu geeigneteren Verhütungsmethoden, die über die bloßen Einnahmehinweise hinausgeht, sei im Verkaufsraum einer Apotheke kaum möglich und könne nur in einer Arztpraxis erfolgen. Die „Pille danach“ sei eine medizinische Notfallmaßnahme, auf die nur in Ausnahmefällen zurückgegriffen werden sollte. Es stehe zu befürchten, dass die Abgabe ohne Rezept und ohne Inanspruchnahme ärztlicher Sachkenntnis letztlich sogar für die Betreffenden von Nachteil sein kann. Nach gründlicher Abwägung spricht sich der Vorstand der GenoGyn daher für die Beibehaltung der Rezeptpflicht aus.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 770917
 159

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Frauenärzte bleiben bei der rezeptfreien Notfallkontrazeption skeptisch“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von GenoGyn

Frauenärzte fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
Frauenärzte fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
Krebsrisiken, Gesundheitsschäden und Milliardenkosten Köln. Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und Hochprozentiges weiterhin oft …
Prävention: Frauenärzte warnen vor Folgen von Bewegungsmangel
Prävention: Frauenärzte warnen vor Folgen von Bewegungsmangel
Körperliche Aktivität ist eine Universalmedizin für Jung und Alt Köln. Das Leben des Stubenhockers ist riskant: Wer körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten scheut, verzichtet auf einen Universalschlüssel zur Förderung der Gesundheit und zur Prävention zahlreicher schwerer Erkrankungen - Männer wie Frauen, Jung wie Alt. „Der heutige Mensch ist nicht für körperliche Passivität geschaffen. Die Evolution hat ihn noch nicht an die überwiegend sitzenden Tätigkeiten der Zivilisationsgesellschaft angepasst, und ohne genügend Bewegung wird er…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Pro und Kontra MasernpartyBild: Pro und Kontra Masernparty
Pro und Kontra Masernparty
Impffortbildung im Selbststudium unterstützt Frauenärzte in der Beratung der Mütter Die CC Communication Consulting® GmbH, Merzhausen, bietet Frauenärzten ab sofort eine Fortbildung im Selbststudium an zum Erwerb der Impfberechtigung. Die Landesärztekammer Baden Württemberg zertifiziert den Grundkurs Impfen für Frauenärzte mit 6 Punkten in der Kategorie …
Bild: Grippe – Impfung: Jetzt Schwangere vor saisonaler Grippe schützenBild: Grippe – Impfung: Jetzt Schwangere vor saisonaler Grippe schützen
Grippe – Impfung: Jetzt Schwangere vor saisonaler Grippe schützen
Frauenärzte sind gemäß Mutterschaftsrichtlinie für die Durchführung der saisonalen Grippe bei Schwangeren zuständig. Die Abrechnung der Impfung und der Impfleistung erfolgt zu Lasten der Krankenkasse. In einigen Bundesländern benötigen Frauenärzte zur Abrechnung jedoch eine Impfberechtigung, in Form eines Nachweises über die Teilnahme an einem Grundkurs …
Zahnärzte und Frauenärzte in Schl.-Holst.: Grundstein für Zahngesundheit wird in der Schwangerschaft gelegt
Zahnärzte und Frauenärzte in Schl.-Holst.: Grundstein für Zahngesundheit wird in der Schwangerschaft gelegt
Die Zahnärzte in Schleswig-Holstein begrüßen die Unterstützung der niedergelassenen Frauenärzte bei der zahnärztlichen Vorsorge von Müttern und Kleinkindern. Die Frauenärzte im Land werden zukünftig den Zahnärztlichen Kinderpass der Zahnärztekammer an die Schwangeren zusammen mit dem bekannten Mutterpass ausgeben und dabei über zahnmedizinische Vorsorgemaßnahmen …
Moral versus Unkenntnis: Pille danach ist keine Abtreibungspille.
Moral versus Unkenntnis: Pille danach ist keine Abtreibungspille.
Aus aktuellem Anlass lohnt es sich, einige Fakten zur Notfallkontrazeption („Pille danach“) klarzustellen: Die „Pille danach“ hat nichts zu tun mit einer Abtreibungspille. Notfallverhütung verzögert lediglich den Eisprung, so dass dann keine befruchtungsfähigen Spermien mehr vorhanden sind und keine Befruchtung mehr stattfinden kann. Weder wird eine …
Bild: Schwangerschaft – Kraftakt für die VenenBild: Schwangerschaft – Kraftakt für die Venen
Schwangerschaft – Kraftakt für die Venen
eurocom: Frauenärzte sollten sich auch Beine angucken Düren, 27.06.2008. Angesichts der Tatsache, dass schwangere Frauen ein besonders hohes Risiko haben, an Venenleiden zu erkranken, plädiert die eurocom e.V. (Europäische Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel) an die Frauenärzte, bei den Vorsorgeuntersuchungen …
Bild: Ein Präventionsgesetz ohne Beteiligung der Frauenärzte?Bild: Ein Präventionsgesetz ohne Beteiligung der Frauenärzte?
Ein Präventionsgesetz ohne Beteiligung der Frauenärzte?
… Prozent der täglichen Arbeit von Gynäkologen Präventionsmaßnahmen“, sagt Dr. Jürgen Klinghammer aus dem Vorstand der GenoGyn. Die Fachgenossenschaft, die rund 900 niedergelassene Frauenärztinnen und Frauenärzte repräsentiert, hat sich deshalb nun in einem offenen Brief an Gesundheitsminister Daniel Bahr gewandt. So sinnvoll es sei, Prävention zu fördern - …
Bild: Jubiläum - 20 Jahre Impfen in der GynäkologieBild: Jubiläum - 20 Jahre Impfen in der Gynäkologie
Jubiläum - 20 Jahre Impfen in der Gynäkologie
… Consulting® GmbH, die Agentur für den Wissenstransfer im Gesundheitswesen, mit Sitz in Freiburg ein Bildungskonzept zum Thema Baby vielleicht – Impfung bestimmt, um Frauenärzte an das Thema Impfen, gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission heranzuführen. Bis zu dieser Zeit impften die Gynäkologen routinemäßig ausschließlich gegen Röteln. Mit …
Bild: Ärztekammer zertifiziert Selbststudium Grundkurs Impfen für Frauenärzte der CC Communication Consulting® GmbHBild: Ärztekammer zertifiziert Selbststudium Grundkurs Impfen für Frauenärzte der CC Communication Consulting® GmbH
Ärztekammer zertifiziert Selbststudium Grundkurs Impfen für Frauenärzte der CC Communication Consulting® GmbH
Die Landesärztekammer Baden Württemberg zertifiziert den Grundkurs Impfen für Frauenärzte in Form eines Selbststudiums mit 6 Punkten in der Kategorie D. Zeitlich und örtlich unabhängig können sich Frauenärzte oder Ärzte in der Weiterbildung zum Frauenarzt in neun Einzelschritten die Kenntnisse über Schutzimpfungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen …
Bild: Aidshilfen wenden sich an die Frauen - „Aids gibt es nicht nur in Afrika!“Bild: Aidshilfen wenden sich an die Frauen - „Aids gibt es nicht nur in Afrika!“
Aidshilfen wenden sich an die Frauen - „Aids gibt es nicht nur in Afrika!“
… das HI-Virus hervorgerufenen Erkrankung von ihrem Arzt auf HIV getestet werden“, erklärt Silke Klumb, Referentin für Frauen und Migration im DAH-Bundesverband in Berlin. „Auch viele Frauenärzte bieten Schwangereren keinen HIV-Test und keine Beratung zu diesem Thema an. Deshalb werden wir Frauen für das Thema HIV und Aids sensibilisieren und vor allem …
Prävention nicht ohne Gynäkologen - Frauenärzte appellieren an Gesundheitsexperten der Koalitionsverhandlungen
Prävention nicht ohne Gynäkologen - Frauenärzte appellieren an Gesundheitsexperten der Koalitionsverhandlungen
… wirkungsvoll fördert und als gesellschaftliche Aufgabe erfolgreich organisiert, wird von der frauenärztlichen Genossenschaft GenoGyn als sinnvoll und notwendig erachtet: Die Frauenärzte appellieren an die gesundheitspolitischen Verhandlungsakteure für die Bildung einer neuen Bundesregierung, verbindliche und eindeutige Eckpunkte für ein solches Gesetz …
Sie lesen gerade: Frauenärzte bleiben bei der rezeptfreien Notfallkontrazeption skeptisch