(openPR) Dr. Detlev Kasprowski, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädischen Abteilung des Reha-Zentrums Bad Pyrmont
Der Mensch ist eine Einheit aus Körper und Geist. Daher werden in der ganzheitlichen Medizin beide Aspekte bei der Behandlung von chronischen Schmerzen gleichermaßen berücksichtigt, um einen möglichst großen Behandlungserfolg zu erzielen und auch langfristig zu halten. Gerade bei Patienten mit chronischen Schmerzen reichen einmal wöchentliche oder gar seltenere Therapiesitzungen nicht aus. Die Lösung bietet die besonders intensive Betreuung und Behandlung eines Reha-Aufenthaltes. Wir sprachen mit Dr. Detlev Kasprowski, dem ärztlichen Direktor und Chefarzt der Orthopädischen Abteilung des Reha-Zentrums Bad Pyrmonts, unter anderem über die Erfolgsaussichten durch eine Reha und über die Bedeutung des ganzheitlichen Ansatzes.
Bomedus: Vielen Dank Herr Dr. Kasprowski, dass Sie sich Zeit für uns nehmen! Ihr Reha-Zentrum in Bad Pyrmont, bestehend aus drei Kliniken bzw. Therapiezentren, stellt den Fokus seiner Behandlung auf die ganzheitliche Medizin. Wieso ist gerade dieser Ansatz so erfolgsversprechend?
Dr. Kasprowski: Die Ursache chronischer Schmerzen basiert auf ein Konvolut an Faktoren, die es gilt, ganzheitlich zu behandeln. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Ursachenforschung haben gezeigt, dass nur durch ganzheitliche therapeutische Programme zufriedenstellende Erfolge für den Patienten zu erzielen sind. Die Integration des multimodalen Ansatzes zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen verfolgt in unserem Reha-Zentrum das übergeordnete Ziel, eine Linderung von Schmerzen und Beeinträchtigungen im Alltag zu erzielen. Dies führt nach den Erfahrungen unserer Patienten zu einer Steigerung der Lebensqualität und Lebensfreude. Ebenfalls sollten wir nicht vergessen, dass Untersuchungen gezeigt haben, dass der ganzheitliche Therapieansatz zur Behandlung von chronischen Schmerzen nicht nur aus medizinischer Sicht am sinnvollsten ist, sondern auch mittel- bis langfristig die Kosten nachhaltig senken kann.
Bomedus: Für welchen Typ Patient ist der ganzheitliche Ansatz geeignet – Frauen, Männer, Junge, Jung-Gebliebene, aktiven oder eher passiven Menschen? Und bei welcher dieser Gruppen haben Sie die größte Herausforderung?
Dr. Kasprowski: Die multimodale Schmerztherapie ist für jeden Patienten mit chronischen Schmerzen geeignet. Der ganzheitliche Ansatz umfasst die gemeinsame Arbeit von Therapeuten und Ärzten. Hier bei uns im Reha-Zentrum sind dies Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen. Ich bin überzeugt, dass man zwar je nach Krankheitsbild die Foki der Therapie ändern muss; der Gedanke des ganzheitlichen Ansatzes sollte allerdings von jedem unserer Patienten verfolgt werden. Die monomodale Schmerztherapie, wie sie in der Vergangenheit von einigen Ärzten postuliert wurde, hat in der Regel bei der Behandlung von chronischen Schmerzen ausgesorgt!
Bomedus: Eine der häufigsten Indikationen mit denen die Patienten in Ihre Kliniken kommen sind chronische Schmerzen. Wenn Sie dies nun vergleichen mit den Krankheitsbildern zu Beginn Ihrer Zeit als ärztlicher Direktor. Sehen Sie da einen Wandel?
Dr. Kasprowski: In der Tat hat sich das Krankheitsbild generell in den letzten Jahren signifikant verändert. Im Speziellen allerdings ist eindeutig zu erkennen, dass sich zum einen die Anzahl der Patienten mit chronischen Schmerzen in unserem Reha-Zentrum drastisch erhöht hat und sich zum anderen die Kofaktoren für die Chronifizierung verändert haben. Im Gegensatz zu früher haben die somatischen und psychischen Kofaktoren einen erheblichen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung unserer Patienten gewonnen. Auch wir als Reha-Zentrum müssen uns den neuen Gegebenheiten anpassen und aus diesem Grund besteht unser therapeutischer Ansatz auch aus psychotherapeutischen und psychosomatischen Behandlungsmethoden wie Einzeltherapie oder Stressbewältigung.
Bomedus: Nun setzt sich die ganzheitliche Therapie immer aus verschiedenen parallel laufenden Behandlungsverfahren zusammen. Wie sieht in Ihrem Reha-Zentrum ein typischer Behandlungsplan beispielsweise eines Patienten mit chronischen Rückenschmerzen aus?
Dr. Kasprowski: Ein zentraler Faktor bei der Behandlung von chronischen Schmerzen ist die erhöhte Bewegung. Dies umfasst die Themen Kräftigung, Ausdauer, Beweglichkeit und Dehnung. Ein weiterer wichtiger Faktor ist neben der Bewegung die Entspannung. Der Patient muss lernen, seinen Körper besser zu verstehen. Durch unsere Entspannungsübungen lernt der Patient, wann bestimmte Körperregionen verspannt sind und kann dadurch Entspannung aktiv herbeiführen. Diese Selbstwirksamkeit stärkt die Patienten zusätzlich mental bei Schmerzen. Des Weiteren spielen Faktoren wie die Stressverarbeitung, eine ausführliche Ernährungsberatung und die psychiatrische Behandlung eine wesentliche Rolle bei unserem ganzheitlichen Ansatz gegen chronische Schmerzen. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal betonen, dass der Patient mittelfristig die chronischen Schmerzen signifikant reduzieren kann, wenn die Maßnahmen auf Nachhaltigkeit fußen.
Bomedus: Wieso setzen Sie unter anderem auch auf Elektrotherapieverfahren? Worin sehen Sie die Chancen aber auch Herausforderungen dieser Behandlungsform?
Dr. Kasprowski: In unserem Reha-Zentrum haben wir durchaus gute Erfahrungen mit der Elektrotherapie gemacht; auch wenn ein direkter Zusammenhang zwischen der Behandlung und dem therapeutischen Erfolg von chronischen Schmerzen nicht zu erkennen ist. Ich persönlich glaube, dass eine der größten Herausforderungen der Elektrotherapie in der Akzeptanz der Patienten liegt; in der Vergangenheit gab es eine große Anzahl an Produkten auf dem Markt (Stichwort: Bauchgürtel), die den therapeutischen Gedanken der Elektrostimulation ins Negative verschoben haben.
Bomedus: Sehr spannend für den Patienten ist immer die Frage: Was mache ich nach meinem Reha-Aufenthalt. Wie gehen Sie in Ihren Kliniken mit dieser Frage um? Gibt es z.B. Absprachen mit dem weiterverhandelnden Arzt?
Dr. Kasprowski: Wichtig ist es, dass der Patient auch nach seinem Aufenthalt bei uns, weiterhin proaktiv etwas gegen die chronischen Schmerzen tut. Chronische Schmerzen sind kein Schicksal und der Patient kann selbst etwas dafür tun, damit er weniger Schmerzen hat. Der Patient soll daher den Gedanken des ganzheitlichen Ansatzes auch zu sich nach Hause tragen und weiterhin etwas für seinen Körper bzw. Rücken tun.
Bomedus: Eine letzte Frage Herr Dr. Kasprowski. Was sind Ihre nächsten geplanten Schritte in Bezug auf die Verbesserung des dauerhaften Therapieerfolges durch die ganzheitliche Medizin?
Dr. Kasprowski: Wir werden noch in diesem Jahr (Anmerkung der Redaktion: hiermit ist das Jahr 2013 gemeint) ein neues Therapiekonzept für Schmerzpatienten im Reha-Zentrum Bad Pyrmont einführen. Unter der Rubrik Therapie haben wir in Vorbesprechungen mit unserer psychosomatischen Abteilung ein Modul zur Schmerzreduktion, wo ein Drittel der Schmerzpatienten z. B. das bomedus Rückenband erhält, ein weiteres Drittel der Schmerzpatienten eine Akupunktur bekommt und ein weiteres Drittel der Schmerzpatienten keine Therapie aus diesem Modul. Ansonsten erhalten alle Patienten die gleichen krankengymnastischen, sporttherapeutischen und psychosomatischen Schmerzbehandlungsmodule.









