(openPR) Wollen sich Organisationen in ein innovatives und damit höchstprofitables Unternehmen transformieren, muss eine offene Arbeitsplatzkultur geschaffen werden, die ein fließendes Wissens- und gelebtes Wertemanagement ermöglicht. Klaus Müller, Geschäftsführer eest! Projektmanagaement, ist zert. Business-Coach und Experte für durchkomponierte Raumkonzepte.
Wie stellen Sie sich das Büro der Zukunft vor?
Klaus Müller: So individuell wie die Aufgabenstellungen der Firmen sind, so individuell sind auch deren Arbeitswelten. Es gibt kein grundlegendes Erfolgsprinzip. Früher dominierten enge Büroräume oder Einzelzimmer mit Vorzimmer, wo Hierarchien abgebildet wurden, dann kamen in den 70ern die Großraumbüros aus den USA zu uns. Heute hat sich das Spektrum der verschiedensten Organisationsformen durch die mobilen und Home-Arbeitsplätzen erweitert. Zukünftig werden sich die Büroräume nochmals gravierend verändern. Je nach Bedarf entsteht eine spezifische Mixtur aus Kommunikations- und Arbeitsplätzen. Im Gegensatz zu den aktuellen Tendenzen der ausgelagerten Home-Offices müssen die zukünftigen Inhouse-Arbeitsplatzmodelle wieder viel Heimat, Zugehörigkeit und Geborgenheit vermitteln. Denn dieses ständige Vagabundieren trägt nur dazu bei, den Corporate Spirit zu schwächen. Ganz im Gegenteil: Der Chorgeist muss mit gemeinsam geteilten Werten gestärkt werden! Aus diesem Grunde brauchen gerade die „freigeistigen“ Vertriebler ihren festen Platz in der Firma. Oder auch die international geformten Teams, die zwar nur temporär zusammenarbeiten, aber genau die gleiche Umgebung wie zum Beispiel in China oder den USA vorfinden sollen. Denn die globalisierten Büros der Zukunft müssen überall und zu jeder Zeit auf eine ganz bestimmte Art und Weise funktionieren!
Welche besonderen Wechselwirkungen sehen Sie zwischen einer offenen Arbeitsplatzkultur und dem Corporate Spirit sowie einer höheren Wertschöpfung?
Klaus Müller: Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Wissen ist bereits heute für Unternehmen ein essenzieller Rohstoff und wird zukünftig immer noch wichtiger werden. Im Zentrum des Wissensmanagements steht der Mensch. Denn erst wenn er gelernt hat, Wissen zu sammeln, zielführend damit umzugehen und es weiterzugeben, ist es ein gelebtes Wissen, das dem Unternehmen nutzt. Damit Wissen aber schneller fließen kann, ist eine offene Arbeitsplatzkultur unabdingbar. Das heißt, je optimaler die Arbeitsumgebung für den Menschen gestaltet wird, die das Wissen eines Unternehmens generiert und transportiert, umso produktiver und innovativer kann die Organisation in einer sich immer schneller drehenden Welt arbeiten. Daher muss klar definiert werden, wie Räume auf Menschen wirken sollen. Jetzt kommen die Unternehmenswerte ins Spiel: Wenn ein Unternehmen über keine Werte verfügt oder es nicht schafft, sie täglich zu leben und zu kultivieren, bleiben sie sinnentleerte oder gar konterkarierende Theorien in Hochglanzbroschüren. Erst wenn sie geteilte Wertegemeinschaften bilden, entfalten sie ihre Motivationsenergien und sind ein Garant für eine höhere Wertschöpfung. Auf den Punkt gebracht, entsteht so aus Werten, Nutzen, Anforderungen, Raumpsychologie und Design ein Gesamtklang, der den Corporate Spirit zum „Schwingen“ bringt. Etwas nüchterner: Unternehmen brauchen durchkomponierte und fein abgestimmte Raumkonzepte, die auf Werten basieren, um die Fähigkeiten der Wissensarbeiter zu mobilisieren, damit sie in ihrer Gänze von der Organisation genutzt werden können.
Wie sehen offene Arbeitsplatzkulturen aus, welches Potenzial steckt darin und wie kann es optimal ausgeschöpft werden?
Klaus Müller: Glauben Sie mir, das Potenzial ist immens! Ein Beispiel: Die produzierende Industrie konnte seit den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Effizienz um sage und schreibe das 14-fache steigern, während die Prozesse der Büroarbeit nur eine Verdopplung zustande brachte. Warum ist das so? In der Fertigung gibt es klar definierte Abläufe, die genau auf die Effizienz abgestimmt sind. In der Verwaltung sind oft die eigentlichen Bedarfe nicht bekannt oder unterschiedliche Meinungsvertreter und Dienstleister ziehen bei der Planung nicht an einem Strang. Das heißt, selbst neue Büroräume müssen häufig noch nach vielen Wochen und Monaten auf die Prozesse und tatsächlichen Anforderungen der Mitarbeiter abgestimmt werden. Was ist also zu beachten? Viele Architekten denken in Reißbrettschablonen und planen nach Schema F: so quasi Tisch, Container, Aktenschrank für alle. Was aber fehlt sind Kommunikationsplätze, Hochtische für spontane Besprechungen sowie Kreativwände. Kurzum, wir brauchen einen schnelleren Austausch von Wissen! Deshalb müssen die Unternehmen künftig ein organisches Netzwerk mit Synapsen abbilden. Das heißt, es soll bspw. Büroräume mit zentralen Marktplätzen geben, wo sich Mitarbeiter treffen können und wo es auch mal laut hergehen darf. Dazu gehören mobile Besprechungsinseln, die als autonome und flexible Raum-in-Raumlösung beliebig einsetzbar sind. Außenherum gruppieren sich nach verschiedenen Aufgabengebieten gegliederte Working-Spaces, die jeweils wiederum spezifischen Anforderungen Rechnung tragen. Zum Beispiel hinsichtlich Publikumsverkehr, Mitarbeiterkontakt, Telefonate etc. Auch Einzelbüros sind möglich.
Wie implementieren Sie solche Raumkonzepte?
Klaus Müller: Zunächst identifizieren wir so genannte „Botschafter“ aus allen entscheidenden bzw. meinungsbildenden Bereichen, die für unsere Ideen dann in der Verlängerung werben sollen. Das sind Vorstände, Architekten, Abteilungs- oder Gruppenleiter. Darüber hinaus versuchen wir die Mitarbeiter möglichst früh und aktiv mit einzubinden. Denn diese müssen damit letztlich leben. Wir haben gelernt, dass im Entscheidungsprozess frühzeitig integrierte Mitarbeiter nach dem Prinzipien des Partizipationsmodells sich leichter von alten Strukturen lösen und sich auf neue Strukturen schneller einstellen. Dazu erarbeiten wir Ist- und Sollzustände für Arbeitsabläufe und Arbeitspakete sowie Checklisten für Mitarbeitererwartungen. Was wird wo, wann und von wem gemacht? Welche Teams und Kommunikationsstrukturen sind zu beachten u.v.m.? Wir fordern: Mitarbeiter mitnehmen statt umziehen!









