(openPR) "Es gibt Herren-Moral und Sklaven-Moral", stellt der Philosoph Friedrich Nietzsche fest, und der römische Dichter und Satiriker Horaz stellt fragt: "Was sollen Gesetze ohne Moral?" Moral ist das Fundament jeder Gesellschaft, und wo sie verkommt, geht es auch mit der Gesellschaft unaufhaltsam bergab.
Der Beutekapitalismus zerfrißt die Moral. Verbraucher sind heute ständig trickreichen Versuchen von Waren- und Diensteanbietern ausgesetzt, ihnen möglichst tief in die Tasche zu greifen. Und die Politiker, die in einer Demokratie doch dafür bezahlt werden, der Bürgerinnen und Bürger Wohl zu besorgen und zu schützen, schauen dabei vor allem zu. Inzwischen Gebecoen genanntes legales, halblegales, nicht selten auch schon illegales, aber immer illegitimes Abzocken scheint sich in unserer von Profitsucht verseuchter Welt zum Standard im Umgang mit Kunden zu entwickeln.
„Heutige Minimalanforderung an die Anständigkeit: Nicht allzusehr mit den Gesetzen in Konflikt kommen“, kommentiert der Aphoristiker und Satiriker Prof. Querulix diese Entwicklung.
Politiker, die ihren Eigennutz über die Erfordernisse des allgemeinen Wohls stellen, machen es vor. Statt die Interessen derer zu vertreten, die sie dafür gewählt und mit Privilegien ausgestattet haben, agieren sie als mehr oder weniger getarnte Vertreter von Sonderinteressen. Immer öfter nicken sie Gesetze, die ihnen nicht selten die Lobbyisten geschrieben haben, nur noch ab, statt sie auf ihre Allgemeinwohlverträglichkeit zu prüfen, wie es ihre Pflicht wäre. Geld wird dort ausgegeben, wo es Parteiinteressen nützt, gespart wird dort, wo der „kleine“ machtlose Bürger betroffen ist. Die Infrastruktur verkommt, damit reiche Leute, zu denen auch die meisten Politiker gehören, nur niedrige Steuern bezahlen müssen. Mit undurchdachten und bewußt auf Sonderinteressen zugeschnittenen Gesetzen gefährden Politiker Gesundheit und Sicherheit der Menschen, die ihnen ihr Lebensschicksal anvertraut haben. Das geht soweit, daß zwecks sogenannter Deregulierung die Ersparnisse und die wirtschaftliche Zukunft der Bevölkerung einer Zockermafia aus Benkstern, Gangstern und Hedgern ausgeliefert werden.
Den Bürgern wird nicht nur mit unsozialen,
fehlenden oder unzureichenden Gesetzen in die Tasche gegriffen. Ein altbekanntes Beispiel ist die Preispolitik der Mineralölkonzerne, die ersichtlich auf gnadenlose Profitmaximierung zum Schaden der Kunden ausgerichtet ist. In den Abendstunden, während des morgenlichen Berufsverkehrs, an Wochenenden und zu Ferienzeiten werden die Autofahrer in Deutschland regelrecht ausgenommen. Ganz legal natürlich. Daß die Politik gegen solches Treiben erfolgreich angehen kann, beweisen zum Beispiel Australien und Österreich. Die deutschen Politiker sind dazu anscheinend unfähig - oder nur unwillig? Im letzten Fall müßte man sich fragen: warum nur?
Es kommt auch vor, daß Kommunen mit einem verwirrenden Schilderwald Autofahrer offensichtlich bewußt in Radarfallen locken, um ihre klammen Kassen aufzubessern. Geforderte nachvollziehbare Aufklärung über die rechtskonforme Einrichtung wird dem Bürger selbstherrlich verweigert. Die Gemeinde setzt vermutlich darauf, daß die betroffenen Bürger den riesigen Aufwand scheuen, der mit einer an sich gebotenen Gegenwehr für sie verbunden wäre. Die Stadt Salzgitter ist mit ihrer Einrichtung an der B 6 (Gitterknoten) in Richtung Goslar ein Beispiel dafür. So desavouieren Politik und Verwaltungsbürokratie auf rechtsstaatlichem Wege die Moral.
Ein anderes, privatwirtschaftliches Beispiel ist Tchibo Mobil. Ein Kunde hat von diesem Telefondienstleister eine vorausbezahlte SIM-Karte für ein Handy erworben, das er nur selten benötigt, aber als (sicherheitsrelevantes) Backup-Gerät bereit hält. Nach gerade einmal 6 Monaten war die Karte gesperrt. Der Kunde wurde mit dem Hinweise, die Gültigkeit seines Guthabens sei abgelaufen, zum Aufladen aufgefordert. Sein Guthaben betrug aber noch 3,74 Euro und würde wegen der geringen Nutzung des Handys noch viele Monate ausreichen. Der fühlt sich der Kunde durch das Verhalten zum Aufladen genötigt. Lädt er nicht auf, vereinnahmt Tchibo sein Guthaben und er muß sich einen neuen Telefondienstleister suchen. In diesem Fall weigert der Kunde sich jedoch, was Tchibo Mobil mit anhaltender Sperrung und der – man muß schon sagen üblichen – Verschleppungstaktik beantwortet: Bei jedem Anruf der an allen Wochentagen angebotenen sogenannten Service-Nummer, sogar am Sonntagmorgen, hört der Kunde den Sprechautomaten: „Aktuell haben wir unerwartet viele Anrufe. Wir bitten Sie, später noch einmal anzurufen.“ Die meisten Kunden geben unter diesen Umständen auf und Tchibo kassiert – sozusagen auf dem Zwangswege – durch unnötiges Aufladen kostenlosen Kredit. Der Kunde hat TchiboMobil daraufhin angezeigt. Aber erst eine klare „Ansage“ des Kunden gegenüber der Geschäftsleitung brachte dann die Wiederfreischaltung. Damit ist der Fall für den Kunden aber nicht abgeschlossen. Schließlich sind ihm Aufwendungen entstanden, für die er angemessen entschädigt werden möchte.
Auch privatwirtschaftliche Abzocke, aber sehr viel unangenehmeres Beispiel konsequent profitorientierten legal-illegitimen Handelns ist in einer Fallstudie zum Qualitätsmanagement nachzulesen. Sie trägt den Titel: „Qualitätsmanagement in der Praxis - Wenn Kunden sich als Beuteopfer fühlen - ein “Reise”-Erlebnis mit Gebeco/TUI“ und ist als eBook (PDF) bei READ – Rüdenauer Edition Autor Digital bereits in 3. erweiterter Auflage (ISBN 978-3-943788-07-5, 19,95 Euro) erschienen. Das Fallbeispiel zeigt, wie Kunden trickreich legal unter den (trüben?) Augen eines Richters die kostspieligen Folgen gravierenden Managementversagens aufgelastet werden.
„In der modernen Welt der Habgier und der Abzockermentalität anständig zu bleiben ist ein Luxus. Aber man gönnt sich ja sonst nichts“ meint dazu Prof. Querulix. Doch Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Aber ist es wirklich zum Lachen, wenn sich angesichts solcher Vorkommnisse immer mehr Menschen von diesem Staat und dieser Art von Demokratie abwenden?
Daß die Moral derartig verkommen kann, ist leider auch der Schafsmentalität vieler Betroffener geschuldet. Sie sind einfach zu bequem oder zu verschüchtert, um sich zu wehren. Oder es geht ihnen so gut, daß sie es hinnehmen, wenn sie hin und wieder für dumm verkauft werden oder ihnen immer wieder einmal in die Tasche gegriffen wird. Daß Problem dabei ist nur, daß durch solche fortgesetzte faktische Kooperation zwischen Täter und Opfer die Moral immer weiter verkommt und schließlich kriminelles Handeln immer weiter in den Alltag vordringt. Wolf oder Schaf sein ist dann die Frage, deren Beantwortung vom Selbstwertgefühl des einzelnen abhängt und schließlich über seine Lebensqualität entscheidet.
„Eine immer wieder gestellte Frage: Kommt man mit Anstand und Ehrlichkeit durchs Leben? Die Antwort lautet: Ja, man muß nicht unbedingt ein Schwein sein, um durchs Leben zu kommen – wenn man mit dem zufrieden ist, was einem die Unanständigen übrig lassen.“ (Prof. Querulix)
Der Gesetzgeber wäre als Verantwortlicher für das allgemeine wohl verpflichtet, den Niedergang der Moral aufzuhalten. Danach dürfen Politiker weder die Verfolgung von Sonderinteressen auf Kosten des Allgemeinwohls tolerieren noch Gebecoereien und Kundenverdummung Vorschub leisten. Vielmehr müssen sie strikt im Interesse des allgemeinen Wohls handeln – im Zweifel sogar zu Lasten von Sonderinteressen. Aber es besteht bei den tonangebenden Politikern ersichtlich keinerlei Interesse daran, dieser Verpflichtung nachzukommen. Die Privilegierten leben ja sehr gut mit dem Status quo. So wird auch die bevorstehende Wahl voraussichtlich nichts Wesentliches für den Bürger bessern, und es gilt die Feststellung von Prof. Querulix weiter: „Anständige Bürger sind die Trottel der Nation: willige Ausbeutungsopfer für Politiker und gerissene Abzocker, die nicht selten als Kumpane, manchmal sogar in Personalunion auftreten.“
Seit 25 Jahren veröffentlicht der Aphoristiker, Satiriker und Alltagsphilosoph Prof. Querulix seine zeitkritischen und zeitlosen Be- und Anmerkungen zur Menschenwelt in Büchern, eBooks und im Internet. Zuletzt sind ein umfangreiches eBook (Volksmund tut Weis- und Wahrheit kund, ISBN 978-3-943788-20-4, 393 S., Euro 24,95) und eine CD (Volksmund tut Weis- und Wahrheit kund - Zeitkritik in klassischen und modernen Aphorismen, Reimen und Gedichten, CD, ISBN 978-3-943788-12-9, 29,95 Euro) erschienen. Beide gibt es in allen guten (Internet-)Buchhandlungen und beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de)
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