(openPR) Sieben Jugendvertreter von der ukrainischen Beamtenbund-Jugend aus Tschernigiv verbrachten auf Einladung der dbb jugend nrw Anfang Juli acht prall gefüllte Tage in Nordrhein-Westfalen. Mitgebracht hatten sie den Sommer, einen großen Wissensdurst und eine ordentliche Portion Mut.
Das Motto "Plurale Trägerlandschaften in der Kinder- und Jugendhilfe" mag zunächst einmal sehr trocken klingen. Doch für die sieben Jugendvertreter aus der Ukraine bot es Futter für ein reich gefülltes und umfangreiches Fachprogramm in ganz NRW. Auf welche Weise und mit welchen Maßnahmen Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien in Deutschland unterstützt werden, konnten die Delegationsteilnehmer in vielen Gesprächen und Besuchen in Aachen, Duisburg, Düsseldorf und Köln persönlich erfahren. Dabei stießen die Beteiligten auf viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede und Überraschungen.
In der Glashütte in Köln-Porz, einem Jugend- und Gemeinschaftszentrum in einem Stadtteil von Köln, der gerne auch als "sozialer Brennpunkt" benannt wird, bekam die Gruppe einen umfassenden Eindruck über die Einrichtung. Petra Riemann, Leiterin der Einrichtung, führte die Gruppe durch ihre Räumlichkeiten, die sich über eine Gesamtgröße von über 800 Quadratmetern erstrecken. Für die Jugendlichen stehen dort eine Bastelwerkstatt, eine Motorradwerkstatt, eine Cafeteria und sogar ein hauseigenes Kino zur Verfügung. Doch so viel Raum und so viel Engagement muss auch finanziert und gepflegt werden. Die ukrainischen Gäste, die an diesem Tag von Landesjugendleiter von Jano Hillnhütter begleitet wurden, zeigten sich sichtlich beeindruckt als sie erfuhren, dass sämtliche Arbeit, sowohl die pädagogische als auch die administrative, von gerade einmal drei hauptamtlichen Personen gestemmt wird. Hier wurde deutlich, dass auch in Deutschland die finanzielle Unterstützung derartiger Einrichtung nicht unbedingt im Überfluss vorhanden ist.
Besonderen Eindruck hinterließ bei den Gästen aus der Ukraine die Einrichtung "Werkkiste" in Duisburg. Hier wird das Ziel verfolgt, Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen auf den Ausbildungsmarkt vorzubereiten. Einrichtungsleiter Norbert Geier stellte der Delegation das Haus und die Arbeit vor. In Handwerks- und Hauswirtschaftskursen können Jugendliche ihre Fähigkeiten erweitern und sogar ihren Hauptschulabschluss nachholen. Das Konzept führte bei den ukrainischen Gästen zu großer Begeisterung und es wurden bereits Pläne geschmiedet, wie man ein derartiges System in der Ukraine ebenfalls etablieren könnte. Bei einem Mittagessen, eigens von dem internen Hauswirtschaftskurs zubereitet, konnten die neu erlangten Informationen verarbeitet und weitergesponnen werden.
Ein prall gefülltes Programm ermöglichte den Angereisten umfangreiche Blicke hinter die Kulissen von den verschiedensten Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und Wohlfahrtsverbänden in NRW. Die Sportjugend Duisburg, das kirchliche Jugendzentrum des Bistums Aachen "Haus Eich", das Kinderheim "Maria im Tann" in Aachen und sogar das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport (MFKJKS) empfingen die Gäste mit offenen Armen und nahmen sich Zeit für den fachlichen Austausch mit den Vertretern des ukrainischen Jugendverbandes. Zu jeder Zeit herrschte großes Interesse und Diskussionsfreude auf beiden Seiten der beteiligten Personen.
Neben inhaltlichem Fachprogramm gab es auch diesmal wieder eine Ladung Kultur. Denn so ein Austausch dient auch dem Kennenlernen von Land und Leuten. Todesmutig wagten sich die Besucher auf den Wilhelminaturm am Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande, der genau 353,5 Meter über dem Meeresspiegel endet und durch einen Glasboden den freien Blick nach unten bietet. Auch die Besichtigung des größten Tauchbeckens Europas im Gasometer Oberhausen hinterließ bei den Jugendvertretern aus Osteuropa bleibenden Eindruck.
Die Gruppe brachte nicht nur Sonne mit nach Deutschland, sondern auch in die Herzen der Begleiter. Das Kennenlernen von neuen und das Wiedersehen von alten Freunden, wie Dimitri Nykonenko und Vitaly Slyvko, die bereits mehrfach bei der dbb jugend nrw zu Gast waren, bereiteten allen große Freude und ließ herrliche Erinnerungen an bisherige Begegnungen in Deutschland sowie in der Ukraine wieder aufleben. Umso wehmütiger waren die Gefühle als es hieß: "Do pobatshennya!" – zu Deutsch: „Auf Wiedersehen!“ Und ein Wiedersehen wird es sicher geben – spätestens im nächsten Jahr, wenn eine Gruppe der dbb jugend nrw zum Gegenbesuch in die Ukraine reisen wird.














