(openPR) Oppenheim / Rhein (mxp) - Sie hat sich unaufhaltsam Deutschland genähert, und nun hat sie unsere Westgrenze erreicht. Die Rede ist von der Warmfront des Tiefs Irvine nordwestlich von Schottland. Mit ihr kam heute subtropische Warmluft nach Frankreich voran - bis zu 6 Grad in 1500 Metern Höhe über NN. Das berichten die Meteorologen des privaten Wetterdienstes meteoXpress Ltd.
Seit heute Nachmittag sind ihre Vorboten bei einem Blick zum Himmel nicht zu übersehen: Die dünnen weißen Federwölkchen (Cirrus) künden von der nahenden Warmfront. Erste Feuchtigkeit, zunächst in großer Höhe und daher in Form von Eis vorhanden, die bald massiver wird und deren Untergrenze immer mehr absinkt. Die Folge: Schichtwolken, aus denen dann Niederschlag fällt.
Doch mit jedem Kilometer landeinwärts wird die Front nun langsamer, und die Warmluft tut sich immer schwerer. Der abgekühlte Kontinent setzt ihr zusammen mit der vorgelagerten kontinentalen Kaltluft kräftig zu, sodass die langsam aufsteigende Warmluft auf ihrem Weg nach Osten abkühlt - auf "nur noch" 3 Grad in 1500 Metern Höhe über NN heute Nacht über dem äußersten Westen unseres Landes. Dagegen sind es im Südosten unseres Landes momentan noch unter minus 10 Grad in 1500 Metern Höhe ü.NN. Diese werden in dieser Höhenlage bis zur Nacht zur Slowakei abgedrängt. So schnell geht das - aber eben nur in der Höhe.
Zudem wird ihr Bereich immer kleiner, denn sie wird von beiden Seiten in die Zange genommen: In ihrem Rücken dringt erwärmte Polarluft über dem Atlantik und Nordfrankreich weitaus schneller vor, als die Warmluft vorankommt. Sie hat die leichtere und langsamere Warmluft bereits morgen Früh eingeholt und über uns fast komplett in die Höhe verbannt. Lediglich der äußerste Südwesten liegt dann noch in der Warmluft, weil sich an der Kaltfront eine Welle bildet, die die Front in ihrem Südteil über den Alpen und südlich davon verzögert.
Dennoch: Die nachfolgende Luft ist durch ihren langen Weg über den warmen Atlantik deutlich milder als die bisherige; die Schneefallgrenze steigt morgen über 500 Meter an.
Der wärmste Tag ist dann der Sonntag, denn in den untersten Luftschichten findet der Luftmassentausch nur sehr verzögert statt. Mit jedem Kilometer nach Osten findet außerdem eine zunehmende Vermischung von alter Kaltluft und neuer Warmluft statt, sodass die Warmluft landeinwärts einen wachsenden Teil ihrer Wirkung einbüßt und die Erwärmung zunehmend geringer ausfällt. So kommt sie erst am Sonntag richtig zur Geltung, denn sie benötigt morgen den ganzen Tag, um sich durchzusetzen.
Die Folge: Die Temperatur steigt voraussichtlich auch in der Silvesternacht noch leicht an, geht in jedem Fall aber nicht zurück, wie dies nachts normal wäre.
Um eine durchgreifende Erwärmung in ganz Deutschland zu erzwingen, müssten allerdings mindestens zwei weitere Tiefs aus Westen vom Atlantik unser gesamtes Land überqueren. Dies war in den milden Wintern seit Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts häufig der Fall.
Doch in diesem Winter bekommen milde Atlantikluftmassen auf dem europäischen Kontinent bisher keinen dauerhaften Fuß in die Tür, denn nächste Woche ist bereits wieder Abkühlung von Norden in Sicht, weil das Tief Irvine über uns hinweg nach Südosten wandert und die Strömung damit wieder auf Nord dreht.
Und das kräftige Kontinentalhoch Carmen über Nordwestrussland hindert die Tiefs daran, weiter ostwärts, also tiefer in den europäischen Kontinent vorzudringen und eine Westströmung bei uns durchzusetzen.
Bis zum nächsten Mal,
Udo Baum, Meteorologe bei meteoXpress
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Herr Florian Hirschmann
meteoXpress Ltd.
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