(openPR) In Menschenrudeln muß immer auch die Verteilung von Macht und Reichtum geregelt werden. Soweit uns aus der Geschichte der Zivilisationen bekannt ist, waren dafür Unterdrückung, Ausbeutung, Raub, Vertreibung, Mord durchaus probate Mittel, die in mehr oder weniger subtiler Form genutzt und auch heute immer noch angewendet werden. Immerhin werden sie in den meisten Staaten heute schon geächtet, jedenfalls in öffentlichen Erklärungen. Aber – wie mangels entsprechend fortschrittsfördernder evolutionärer Sprünge nicht anders zu erwarten – sind die Menschen im Kern immer noch die gleichen wie ihre Vorfahren und benehmen sich deshalb auch entsprechend.
So ist es nicht verwunderlich daß Minderheiten die Mehrheiten für ihre Zwecke benutzen. Das ist auch heutzutage noch üblich und selbst in allen (formalen) Demokratien weit verbreitet. Statt roher körperlicher Gewalt dienen dort heute vorwiegend Gesetz und Rechtsprechung den Alphatieren zur Aneignung und Sicherung von Macht und Beute. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die unter Bundeskanzler Schröder von SPD und Grünen kreierte und von der CDU/CSU-SPD- sowie der CDU/CSU-FDP-Koalition unter Bundeskanzlerin Merkel dankbar übernommene Agenda-Politik. Sie brachte der deutschen Wirtschaft einen Kostenvorteil im internationalen Wettbewerb, der auf der einen Seite einige tausend zusätzliche Einkommensmillionäre erzeugt, auf der anderen Seite aber Millionen in die Armut gedrängt und ihnen und ihren Kindern jede Perspektive für ein lebenswertes Leben genommen hat.
Gerade läuten die Alarmglocken wieder im Zusammenhang mit dem geplanten Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den USA. Es besteht die sehr reale Gefahr, daß die besseren Standards im Verbraucher-, Gesundheits-, und Umweltschutz der EU den Wünschen der Amerikaner nach mehr Freiraum für Genmanipulierte Nahrung, Verbrauchertäuschung und „Entlastung“ der Produzenten von Umweltschutzauflagen nachgegeben wird. Und warum? Einzig und allein um die Interessen einer Handvoll Großkonzerne und deren Nutznießer, die auf Biegen und Brechen ihre Macht und ihren Profit steigern wollen.
Vielleicht bewirken der jetzt offenbar gewordene Kontrollwahn der Briten und der Amerikaner sowie die wieder ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückte Scheinheiligkeit im Umgang mit Menschen- und Persönlichkeitsrechten endlich ein Umdenken. Vielleicht haben wir jetzt endlich die Chance, NEIN zu dem Gesellschaftsentwurf der Amerikaner zu sagen, der auf eine totale Ökonomisierung des Menschen, auf seine Erniedrigung zum Mittel für die (wirtschaftlichen) Zwecke der herrschenden Minderheit hinausläuft und am Ende zu einer plutokratischen Sklavengesellschaft führen wird.
Solange der Mensch wirtschaftlichen Zwecken dienstbar gemacht wird und nicht – umgekehrt – die Wirtschaft menschlichen Zwecken, solange wird ihm und der Gesellschaft immenser Schaden zugefügt. Die grundlegendsten Menschenrechte auf Schutz individueller Freiheit, Gesundheit und Leben werden so aufs ärgste verletzt und die künftigen Entwicklungschancen der Gesellschaft erheblich beeinträchtigt. Das scheint die Protagonisten solcher kurzsichtigen Politik jedoch überhaupt nicht zu interessieren. Man selbst ist ja mehr als gut versorgt, und die Gefahren von Genmanipulation und krankmachenden Lebensmitteln betreffen ja vor allem die kommenden Generationen. Jedoch: müssen sich die Profiteure solchen kurzsichtigen Denkens und Handelns wirklich keine Sorgen machen, wenn ihre Politik die Gesellschaft zerreißt? „Schlechte Herrscher sind wie Seuchen; sie verderben das Volk“, gibt der Alltagsphilosoph, Aphoristiker und Satiriker Prof. Querulix zu bedenken. Ursachen und Wirkungen eines Verfalls der guten Sitten, dessen Folgen letztlich auch die Herrschenden selbst treffen, können wir an der gegenwärtigen Banken- und Staatschuldenkrise, die vor allem die südeuropäischen Gesellschaften langsam zersetzt, ausgezeichnet studieren.
Diese immer noch nicht einmal ansatzweise gelöste Krise wird die Welt noch lange in Atem halten und vielleicht sogar zu sozialen und politischen Turbulenzen führen wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen haben. Immer mehr Menschen, die nichts weiter wollen als in Anstand und Ruhe unter gerechter Beteiligung am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand ihr Leben zu leben, haben die sprichwörtliche Schnauze voll von Politikern, die anstelle des allgemeinen Wohls Sonderinteressen vertreten und dabei offensichtlich keinerlei Unrechtsbewußtsein haben. Auf der anderen Seite werden wichtige Zukunftsaufgaben aufs sträflichste vernachlässigt. Beispielsweise seien nur genannt: die Gesundheitsvorsorge, beginnend mit der Sorge für gesunde Lebensmittel, die Sicherung lebenslanger auskömmlicher Einkommen für alle Bürgerinnen und Bürger, die zukunftssichernde Erziehung und Bildung des Nachwuchses, eine gerechte Besteuerung, eine vom unsicheren Ausland unabhängige, sichere und für die Bürger bezahlbare Energieversorgung sowie eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur.
Eigentlich könnten die Menschen aus ihren Erfahrungen lernen, auch über Generationen hinweg. Aber sie tun es hinsichtlich ihrer existenzentscheidenden Probleme nicht. Das Menschentier spielt statt dessen seit Anbeginn seines Erscheinens auf der Erde immer das gleiche öde Theaterstück vom Fressen und Gefressen werden, wechselt dabei nur die Kulissen, läßt immer wieder neue Hauptdarsteller in modischen Kostümen auftreten und führt die Dialoge in zeitgeistiger Art. Die Handlung aber bleibt immer die gleiche. Es wird endlich Zeit, das Stück umzuschreiben und Menschen anstelle von Menschentieren darin auftreten zu lassen. Sonst werden wir schließlich noch als degenerierte Affen enden.
„Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege. Der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut. Nur der Liebende ist mutig, nur der Genügsame ist großzügig, nur der Demütige ist fähig zu herrschen.“ Diese über zweieinhalb Jahrtausende alten Gedanken des chinesischen Philosophen und Begründers des Daoismus Laotse sind heute so aktuell wie damals.
Der Sieg des westlich-abendländischen Wirtschaftsmodells über die kommunistischen Planwirtschaften hat weltweit zu einer Ökonomisierung des Menschen geführt. Der Mensch ist nicht Zweck, sein Wohlergehen nicht das Ziel des Wirtschaftens, sondern der Mensch ist bloßes Mittel des Wirtschaftens, Mittel zu den Zwecken derer, die über Politiker und Produktionsmittel verfügen. Das ist nichts anderes als Sklaverei auf mehr oder – zunehmend – weniger hohem materiellen Niveau. Ausnutzung und Ausbeutung Vieler zugunsten Weniger wird in Zusammenarbeit von Politik und Lobbyvereinen der Wirtschaft systematisch organisiert. Die auf Grund menschlicher Eigenheiten ohnehin nur sehr unvollkommen funktionierende Demokratie degeneriert zu einer beutekapitalistischen Lobbydemokratur. Lobbyisten wirken dabei sowohl innerhalb wie außerhalb der Parlamente. Die von interessierten Kreisen inzwischen wieder erfolgreich verteidigte Verschleierung der sogenannten Nebeneinkünfte der Parlamentarier deutet darauf hin, wie weit fortgeschritten der Einfluß von Sonderinteressen in der Politik bereits ist.
Das allgemeine Wohl bleibt auf der Strecke zugunsten derer, die sich die Politik für ihre eigensüchtigen Zwecke dienstbar machen. Gesundheit und Wohlergehen der großen Bevölkerungsmehrheit werden skrupellos den Macht- und Beuteinteressen einer Minderheit geopfert. Nimmersatts, die offensichtlich nicht weiter denken können als ihre Nasenspitze reicht, opfern die Zukunft der Gesellschaft bedenkenlos auf dem Altar ihrer ebenso kurzfristigen wie kurzsichtigen Profitinteressen.
Ein solcher Staat erscheint immer mehr Menschen nicht mehr unterstützenswert. Selbst die duldsamsten Schafe sind es satt, als bloßes Mittel für die eigensüchtigen Zwecke anderer herzuhalten. Sie wollen keine Sklaven sein, die man herumschubst, ausbeutet und, wenn sie nicht mehr nützlich sind, einfach mittels Verhartzung der Armut und der Perspektivlosigkeit überantwortet. Die Menschen wollen, daß ihre Interessen besser gewahrt werden, wollen gerecht am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand teilhaben. Regieren zum bloßen Machterhalt und Nutzen derer, die über das Land und die Produktionsmittel verfügen, wird deshalb immer schwieriger. Das gilt inzwischen weltweit. Da Politiker – wie die Geschichte beweist – offensichtlich notorisch unfähig oder unwillig sind, proaktiv zu handeln und die Gesellschaft, für die sie verantwortlich sind, vernünftig im Interesse eines nachhaltig zu sichernden allgemeinen Wohls weiterzuentwickeln, wird sich der Druck der Mehrheiten auf die herrschenden Minderheiten verstärken. Die gegenwärtige, beutekapitalistisch organisierte, von Plutokraten beherrschte Welt steht markiert die Schlußphase einer der kulturellen Zyklen, die Oswald Spengler in seiner monumentalen kulturphilosophischen Untersuchung „Untergang des Abendlandes“ ebenso umfassend wie eindrucksvoll dargestellt hat.
Wir erleben demnach die Wandlungskrise. Je mehr sich die Profiteure des Status quo und ihre nützlichen Idioten gegen die notwendigen Veränderungen in Politik und Gesellschaft stemmen, desto schwieriger und unfriedlicher wird sich der unvermeidliche gesellschaftliche Wandel national und international vollziehen. „Will man die geistigen Fähigkeiten eines Herrschers beurteilen, dann muß man sich die Menschen ansehen, mit denen er sich umgibt“, urteilte der Philosoph und Staatstheoretiker Niccolo Machiavelli vor 500 Jahren, und – müßte man heute ergänzen – nach welchen Kriterien er seine Politik ausrichtet. So wie es aussieht, dürften wir mit vernünftiger, allgemeinwohlorientierter Steuerung des in Gang gekommenen weltweiten gesellschaftlichen Wandlungsprozesses durch die jeweils Mächtigen nicht rechnen. Die kommenden Jahre, wahrscheinlich sogar Jahrzehnte werden deshalb von tiefgreifenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krisen gekennzeichnet sein. Was am Ende dabei herauskommt? Niemand weiß es.
Ideen, wie die gesellschaftliche Zukunft unter dem Primat des allgemeinen Wohls proaktiv gestaltet werden könnte, gibt es heute ebenso wie es sie in ähnlichen Umbruchzeiten immer schon gab. Doch hat das Menschentier, wenn es um Macht und Beutechancen ging, jemals in der Geschichte vernünftig gehandelt? Dominierend im Rudelkampf sind letztlich immer die menschlichen Urinstinkte. Sie führen bei den Akteuren zu kleinhirngesteuerten Abwehr- und Überreaktionen, über die ein Mensch, der ohne Macht- und Beutegier beobachtend beiseite steht, nur entsetzt sein kann. Ist die Menschheit vielleicht auf Selbstzerstörung programmiert?
Obwohl alles dafür spricht, kann es der rationale Mensch nicht glauben. Deshalb beschäftigt sich sogar noch dann mit alternativen Gesellschaftsentwürfen zur Raubtiergesellschaft, wenn ihm der Verstand sagt, daß es nach allem, was uns die Erfahrung lehrt, vergeblich ist. Lesenswert ist zum Beispiel „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“, das im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital erschienen ist (ISBN 978-3-943788-18-1, eBook, 79 S, 9,95 Euro). In dieser Abhandlung geht es nicht nur um die Einführung eines Grundeinkommens zur Milderung der sozialen Schieflage in unserer Gesellschaft, sondern – wie der Untertitel ankündigt – um eine grundlegende Reform des gesamten Finanz-, Sozial- und Bildungssystems. Ziel ist die zukunftssichere Gesellschaft souveräner Bürgerinnen und Bürger. Erhältlich ist die Studie beim Verlag (www.read.ruedenauer.de) und in jeder guten (Internet-)Buchhandlung.
„Wenn die Interessen der Herrschaft mit den Interessen der Gesellschaft – dem Allgemeinwohl – im Konflikt stehen, muß schließlich entweder die Herrschaft weichen oder die Gesellschaft wird zugrunde gehen.“ (Prof. Querulix, Volksmund)
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