(openPR) Der Wirtschafts- und Finanzexperte Prof. Dr. Max Otte will das Dogma aufweichen, dass jedes Land um jeden Preis in der Eurozone bleiben soll, weil es sonst Krieg gibt. So ein Unsinn, ärgerte sich Otte im Gespräch mit International Trade News im Nachhinein über den ehemaligen Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, der die Mitverantwortung für dieses Dogma trage. Otte selbst hält es für das Beste, dass die schwächsten Länder „Ferien“ vom Euro bekommen. Denn das eröffne die Chance, mit einem flexiblen System Erfahrungen zu sammeln – und vielleicht auch verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
ITN: Herr Prof. Dr. Otte, die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt.
Prof. Dr. Max Otte: Das war zu erwarten. Ich beschreibe das mit dem folgenden Bild: Wenn Sie Probleme haben und brauchen eine Säge – haben aber nur den Hammer – dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus, und dann hämmern sie weiter. Und die EZB hämmert weiter, mit dem einzigen oder einem der wenigen Instrumente, das sie im Werkzeugkasten hat. Aber so ein Schritt bringt natürlich fast mehr Schaden als Nutzen.
ITN: Warum?
Prof. Dr. Otte: Es geht ja hier nicht darum, Zinsen zu senken, sondern es geht um ein komplexes Verteilungsspiel. Wer profitiert, wer profitiert nicht? Es profitieren die Staaten, es profitieren die spekulativen Finanzmarktakteure. Und hier vor allem die großen Finanzmarktakteure wie Hedge Fonds und Private Equity-Gesellschaften, die sich sehr billig verschulden dürfen. Weiterhin profitieren die Häuslebauer. Dagegen profitiert nicht der Mittelstand, der über Basel II und III weiterhin sehr hohe Zinsen für Kredite bezahlen muss, weil die Regulierungen zur Kreditwirtschaft es vorsehen. Auch die Sparkassen und Volksbanken und die Sparer profitieren nicht, letzteren schadet die Leitzinssenkung sogar.
ITN: Sie sind wieder die Dummen, die Sparer.
Prof. Dr. Max Otte: Richtig. Immerhin hat das vor kurzem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, zwar sehr sanft, aber immerhin. Und der Sparkassenverband hat sich auch in dieser Richtung zu Wort gemeldet und von einem falschen Signal für Sparer und alle, die für das Alter vorsorgen, gesprochen. Endlich sagt das wieder jemand, wenn auch auf die deutsche zurückhaltende Art. Und die Zinssenkung der EZB bringt wirklich nichts. Sie bläht die Asset-Märkte weiter auf, ist somit gut für die Aktienmärkte, sie hilft den Berg der Staatsverschuldung zu reduzieren – aber sie löst die Probleme natürlich nicht.
Das ganze Interview mit Prof. Dr. Max Otte lesen Sie auf International Trade News:
http://www.internationaltradenews.com/de/articles/33088/Krisenlaender-brauchen-Ferien-vom-Euro.html










