(openPR) Von Patricia Valerio
Hatte ich noch im Sommer behauptet, Herbst und Winter wären im Kulturgeschehen der Algarve die Saure-Gurken-Zeit des Jahres, so ist es nun dringend geboten, diese Aussage - zumindest für den abgelaufenen Monat - zu revidieren. Der November bot dem Kulturinteressenten ein reichhaltiges Programm entlang der gesamten Algarve: Traditionelles und Volkstümliches war genauso vertreten wie Modernes und Innovatives. Wer sich auf die Suche machte und unter Umständen auch einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nahm, konnte sogar wahre "Kultur-Perlen" entdecken.
Dazu zählte zweifellos das argentinische Tango-Quintett Juan Esteban Cuacci, das am 13. November in Faro und am 17. November in Lagos auftrat. Die Abendveranstaltung im Stadttheater von Faro war mit 800 Besuchern komplett ausverkauft, und selbst am Nachmittag war das Haus mit ca. 600 Tango-Interessenten gut gefüllt. Auch in Lagos war der Run auf die Eintrittskarten riesengroß. Die Verantwortlichen des Kulturzentrums*) hatten sich daher kurzfristig entschlossen, eine zweite Vorstellung für den Nachmittag des gleichen Tages anzusetzen. So kamen schließlich zweimal 280 Zuschauer in den Genuss eines außergewöhnlichen Konzertes.
Der kleine Theatersaal des Kulturzentrums wirkt mit seiner roten Bestuhlung und der aus Holz gearbeiteten Bühne einerseits ganz klassisch, andererseits kommt eine heimelige Atmosphäre wie im eigenen Wohnzimmer auf, denn die Bühne ist sehr niedrig, so dass die Künstler für das Publikum in den ersten Reihen praktisch zum Greifen nahe sind.
Als sich der Vorhang hebt, erfasst das Auge mit einem Blick die fünf Musiker, die in einer Art Halbkreis auf der ansonsten leeren Bühne formiert sind. Jeder Musiker - ganz in schwarz gekleidet - thront auf seinem eigenen, kleinen Podest. Ganz links eine elektrische Gitarre, rechts außen das wohl für den Tango typischste Instrument, das Bandoneon. In der Mitte sitzt Juan Esteban Cuacci an einem imposanten, schwarzen Flügel. Rechts vom ihm steht, etwas erhöht, der Saxophonist, und links vom Maestro präsentiert Musiker Hugo ein Instrument, das nicht jeder gleich auf den ersten Blick erkennt. Es handelt sich um einen elektrischen Kontrabaß, ein langes, schmales Instrument, das so gar nicht mehr an seinen wuchtigen, rundförmigen Verwandten erinnert.
Dann setzt die Musik ein und zieht vom ersten Ton an das Publikum in ihren Bann. Der Tango ist eine aufregende, faszinierende Musik, mal laut, mal leise, mal schnell, mal langsam, immer voller Emotionen und niemals langweilig. Es ist gut nachzuvollziehen, warum der Tango gerade bei den Portugiesen so gut ankommt, gibt es doch im Hinblick auf den Ausdruck von Gefühlen wie Leidenschaft, Sehnsucht, Trauer etc. viele Gemeinsamkeiten mit dem traditionellen, portugiesischen Fado. Interessanterweise haben sich jedoch zu diesem Konzert in Lagos viele Ausländer - vorwiegend Residenten - eingefunden. An allen Ecken hört man deutsche, englische und holländische Wortfetzen.
Nach dem zweiten Stück begrüßt Juan Esteban Cuacci das Publikum. Ohne großes Fachlatein und für jedermann verständlich erklärt er das bereits Gespielte und kündigt die beiden nächsten Stücke an. Keine Frage, der Mann hat Charisma und versteht es, die Zuschauer für sich einzunehmen. Die spanische Sprache, die vom portugiesischen Publikum ohne Schwierigkeiten verstanden wird, tut in diesem Zusammenhang ein übriges. Geschickt weist Sr. Cuacci immer wieder auf die neue CD des Quintetts hin, die im Foyer zum Verkaufspreis von 10 Euro angeboten wird. Aber wer wollte ihm diese Werbung schon übel nehmen, im Gegenteil, die CD geht später weg wie warme Semmeln.
Juan Esteban Cuacci wurde 1973 in Buenos Aires geboren und studierte zunächst klassisches und modernes Klavier. Seit 1988 arbeitet er als Berufsmusiker in verschiedenen Projekten. Als Komponist wirkte er an zahlreichen argentinischen Theaterproduktionen mit. Auch begleitete er international renommierte Künstler wie Liza Minelli oder Celia Cruz, die legendäre "Reina de la Salsa". Darüber hinaus ist er seit neun Jahren als Pianist für die Tangosängerin Susana Rinaldi tätig. Im Jahr 2000 erhielt Juan Esteban Cuacci eine Einladung der Königlichen Universität von Stockholm, wo er eine Meisterklasse in Komposition absolvierte. In Schweden gründete er auch das "Duo Cuacci-Horovitz" sowie das "Skantull Tango Trio". Neben seiner Arbeit mit dem Juan Esteban Cuacci Quintett ist der vielseitige Musiker derzeit als Lehrer in Madrid tätig und gehört neben Ramiro Obedman dem Duo "Capitan Club" an.
In der Konzertpause, die nach gut einer Stunde stattfindet, habe ich Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Hugo Frago, dem argentinischen Manager und Produzenten des Quintetts. Wie er gegenüber Algarve Live erklärt, legt das Quintett bei seinen Produktionen hauptsächlich Wert auf die Qualität der Musik. Der Tango als Tanz steht erst an zweiter Stelle. Und er hat recht, das Juan Esteban Cuacci Quintett beweist auf eindrucksvolle Weise, dass der Tango in erster Linie eine Musikform ist, die darüber hinaus auch tanzbar ist. Aber natürlich will man die allgemeine Erwartungshaltung der Zuschauer nicht enttäuschen und hat die argentinischen Tänzer Jorge Ramirez und Nélida Miglione eingeladen, die viele der dargebotenen Stücke tänzerisch begleiten. Das Paar mittleren Alters brilliert durch seine Ausdrucksstärke und seine Sportlichkeit. Und auch für das Auge wird etwas geboten, den bei jedem Auftritt erscheinen die Beiden in neuen, auf die Musik abgestimmten Kostümen. Bis hin zu den Schuhen ist alles perfekt durchgestylt.
Nach ca. zweieinhalb Stunden ist das Konzert beendet, und es gibt, wie nicht anders zu erwarten war, Standing Ovations. Das Juan Esteban Cuacci Quintett überzeugte mit einer perfekt abgestimmten, vielfältigen Mischung aus klassischen und modernen Tango-Arrangements, mit Eigenkompositionen und der Interpretation von legendären Tango-Meistern wie Astor Piazzolla sowie mit zwei exzellenten Tänzern, die die gesamte Veranstaltung zu einer runden Sache machten. Bleibt zu wünschen, dass man diese talentierten Musiker, die bisher nur in Lateinamerika tourten und in Europa in Frankreich, Spanien und Portugal auftraten, bald auch einmal in Deutschland bewundern kann.
*) Das "Centro Cultural de Lagos" befindet sich in der Rua Lançarote de Freitas Nr. 7 (Tel. 282 770 450). Am besten parkt man auf der "Avenida dos Decobrimentos" in Höhe der "Praça do Infante" und geht dann zu Fuß die Straße zwischen der Kirche Santa Maria und dem alten Sklavenmarkt hindurch. Das Kulturzentrum bietet ganzjährig vielfältige Veranstaltungen zu akzeptablen Preisen. Neben dem Theatersaal verfügt es über einen schön gestalteten Innenhof sowie über eine kleine Cafeteria, die auch als Treffpunkt für alle Kulturinteressenten der Stadt fungiert.
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