(openPR) Lukas Vogelsang - Sie kommen in den leeren Raum und innerhalb von 5 Minuten organisieren sie ihre Instrumente und beginnen zu spielen - ohne grosse Worte zu verlieren. Welche und wozu auch? Jeder weiss was zu tun ist. Seit 1983 treten «I Salonisti» als Ensemble auf und zum 21-x-sten Mal proben sie fuer das jaehrlich neue Stueck im Stadttheater Bern. Es gibt also ein weitaus farbigeres Leben - auch nach dem Titanic-Filmerfolg - fuer das fantastische Berner Quintett.
«Japidi-pada» - noch ist alles technisch. Das neue Programm «RadioTango» wird geprobt, Ablaeufe werden durchgespielt, geuebt im Zusammenspiel - der gemeinsame Rhythmus wird gesucht. Aufwaermen fuer den Tango. Der ist noch weit weg, aber die Bewegung mit jeder Minute klarer erkennbar. Im Proberaum im Zingghaus in Koeniz wird gearbeitet. Es ist ungefaehr die dritte Probe fuer dieses Stueck in der ich beisitzen darf, und ich verzweifle schon beim Gedanken, Worte ueber die Musik suchen zu muessen. Nach einer halben Stunde sind in meinem Notizbuch so viele Seiten verkritzelt, mit Gedanken und Bilder, dass ich mich eher frage, was ich nicht schreibe... Die Entstehungsarbeit dieser Musiker hat eine faszinierende Form: Sichtbar und spuerbar entsteht eine Geschichte, die Dramaturgie, und davon verstehen diese Profis wirklich etwas. Muehelos wird gestaltet und man hat den Eindruck, dass sie mit Pinseln und Farben, als mit Toenen arbeiten. Die Praesenz und Wachheit im Klang zusammen ist betoerend - und dabei ist es nur ein normaler Probeabend. Viele Details werden noch schnell angepasst, locker die Stimmung. Doch die «I Salonisti» spielen definitiv keine Noten. Sie spielen die Vorstadt von «Buenos Aires» aus der Sicht eines Taxis und eine Pause riecht nach einer Traene und nicht nach Taktstrich. Auf diesem kreativen Niveau zu spielen ist ein Geschenk.
RadioTango - Juan und Juana, ein Paar aus «Buenos Aires», sind die Hauptprotagonisten. Es geht um Liebe - um den Tango. Es geht um Weltliches, im Alltag einer Grossstadt. Zwischen Realitaet und Traum. RadioTango ist ein taeglich ausgestrahltes Radio-Feuilleton und dieses portraetiert die zwei Liebenden aus der Vorstadt. Gekonnt ist die Geschichte selber zwischen Welten, vermischen sich Realitaeten und werden wir ZuhoererInnen mit dem warmen und weichen Zauber umhuellt. Eigentlich ist RadioTango ein langes Abschiednehmen, doch durch so viel Leben bleibt die Erinnerung ein realgewordener Traum.
Die vier Episoden wurden von Jorge Zulueta (Musik), Jacobo Romano und Marcia Romano (Szenario und Worte) geschrieben. Die Regie fuehrte Jacobo Romano. Fuer den Gesang wurde Susanna Moncayo (Teatro Colón, Buenos Aires) als Juana und Armando Noguera (Opéra Bastille, Paris) als Juan engagiert. Leider waren die Zwei bei der Probe nicht mitdabei - doch es wird fuer sie unschwer sein, auf diesem schon bestehenden Klangteppich, wie Alchemisten, Gold zu gewinnen.
«Lasst es uns noch einmal versuchen» Die «I Salonisti » sind unermuedlich in der Radiosendung eingetaucht. Lorenz Hasler leitet das Quintett, spielt die Violine und ist gleichzeitig der Erzaehler des Stueckes. Alle zusammen bewegen sich zwischen dem Radiosprecher, dem Disc-Jockey (DJ), den Werbern, Mister Horoskop, der Wetteransage... und aber auch der Stimme der Hoerer. Und dies ist das grosse Geheimnis: «I Salonisti»
beherrschen die Kunst, die Musik in unseren Knochen klingen zu lassen. Die HoererInnen werden zum erweiterten Instrument - nicht nur in der Geschichte. So sind die rund 70 erbaulichen Minuten ein guter Grund das Stadttheater bis an die Decke zu fuellen und lassen uns fuer einmal versoehnlich dankbar sein dafuer... «Japidi-pada, Japidi-pada, Japidi-pada...»...
I Salonisti live zum (Er)Leben:
• 23. / 24. Juni 2005 / 21 Uhr
Stadttheater Bern
Programm: RadioTango - Premiere
• 1. Juli 2005 / 10:30 und 13:30 Uhr
Zentrum Paul Klee
Programm: klingende Zeitfenster
Informationen zum Ensemble:
Die fuenf Musiker treten seit 1983 als Ensemble auf. In den vergangenen 20 Jahren hat das Quintett die vielfaeltigsten Programme mit viel Erfolg im In- und Ausland gespielt. Ihre Konzertauftritte sind von der grossen Spielfreude des Ensembles gepraegt, eine Folge des lustvollen Sich-Bewegens in den verschiedensten musikalischen Welten.
Fuer den Film Titanic wurden I SALONISTI von James Cameron als Bordorchester verpflichtet. Als tragende Darsteller ist das Ensemble in diesem Jahrhundert- film zu hoeren und zu sehen.




