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Konkretes Umdenken im Gebäudesektor

24.01.201320:43 UhrEnergie & Umwelt
Bild: Konkretes Umdenken im Gebäudesektor
Dreifach-Isoliergläser © Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH Foto: Josefine Unterhauser
Dreifach-Isoliergläser © Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH Foto: Josefine Unterhauser

(openPR) Eine zügige Energiekennzeichnung von Fenstern sorgt für eine Verbesserung der Energieeffizienz von Produkten


Nachhaltigkeitszertifikate für Gebäude sind auf dem Vormarsch. Bei der Einführung eines Labeling-Systems für Fenster hängt Deutschland im europäischen Vergleich jedoch noch hinterher. Warum sich dies zeitnah ändern muss, wie der Begriff „nachhaltig“ verstanden werden sollte und welchen Einfluss Umweltprodukt-erklärungen auf den Glasmarkt haben, erläutert Ralf Vornholt vom Technischen Marketing der Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH.



Die europäische Richtlinie 2010/30/EU schreibt die Kennzeichnung energieverbrauchsrelevanter Güter vor. Damit besteht die Möglichkeit, auch Fenster mit einer Energiekennzeichnung zu versehen. Eine solche Energiekennzeichnung kennt man seit einigen Jahren, z.B. von „weißer Ware“ wie Waschmaschinen, Kühlschränken etc. Ziel der Kennzeichnung ist: Der Verbraucher soll sofort – auch als Nicht-Fachmann – erkennen, wie viel Energie ein Produkt verbraucht. Dies erleichtert ihm seine Kaufentscheidung.

Neu ist die Energiekennzeichnung von Fenstern nicht. Neu ist lediglich die Aufnahme in die EU-Richtlinie. Der Verbraucher soll auf einen Blick erkennen können, wie viel Energie ein Fenster verbraucht, um dann seine Kaufentscheidung treffen zu können, ohne sich erst durch komplexe technische Informationen zu lesen oder sich über bauphysikalische Grundlagen informieren zu müssen. Europaweit sind bereits etliche Labeling-Systeme entweder von privaten Organisationen oder staatlicherseits eingeführt. Fensterlabel gibt es bereits in Großbritannien, Dänemark, Tschechien, der Slowakei, Norwegen und Schweden. Wenn Deutschland in Europa weiter führend sein will, wird es höchste Zeit, diesem Trend zu folgen.

Allerdings ist ein Fenster kein Kühlschrank. Energiebedarf und Wasserverbrauch eines Kühlschrankes oder einer Waschmaschine sind weitgehend unabhängig von Klima, Standort, Himmelsrichtung, Einbausituation etc. Bei einem Fenster spielen alle diese Faktoren sehr wohl eine Rolle – unter Umständen sogar eine sehr entscheidende. Kurz gesagt: In Flensburg sind die Bedingungen andere als in Freiburg.


Unterschiede in der Energieeffizienz

Saint-Gobain Glass als Europas führender Glashersteller entwickelt hochkomplexe Dreifach-Isoliergläser, die mehr Tageslicht in den Raum lassen – bei gleichzeitig sehr hohen g-Werten. So sind Dreifach-Isoliergläser mit Ug-Werten von 0,7 W/m²K und g-Werten von 0,6 bereits Stand der Technik. Dies bedeutet, dass diese Produkte im Vergleich zu Zweischeiben-Isoliergläsern einen um 38 % niedrigeren U-Wert aufweisen. Und dies bei praktisch unverändert hohen g-Werten, um eine größtmögliche Nutzung solarer Energiegewinne zu ermöglichen. Um dem Verbraucher solche Unterschiede in der Energieeffizienz darlegen zu können, ist ein Labeling-System unerlässlich, das diese Verhältnisse auch widerspiegelt. Erst dann wird ein Energielabel für Fenster – wie auch bei der „weißen Ware“ – bewirken, dass sich die Energieeffizienz der Produkte am Markt kontinuierlich verbessert. Sicher ist, dass das Energielabel für Fenster seinen Beitrag dazu leisten wird, die unter der Prämisse der Nachhaltigkeit von der Bundesregierung vorgegebenen Energieeinsparziele zu erreichen.


Nachhaltigkeit – was ist das?

Dem großen Thema „Nachhaltigkeit“ wird mittlerweile auch von den Gesetzgebern in Deutschland und Europa eine hohe Bedeutung beigemessen. So findet sich in der europäischen Bauproduktverordnung, die ab Juni 2013 die Bauproduktrichtlinie ablöst, die zusätzliche wesentliche Grundanforderung Nr. 7 „Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.“ Hier wird vorgeschrieben, dass Bauwerke derart entworfen, errichtet und abgerissen werden, dass die natürlichen Ressourcen nachhaltig genutzt werden. Doch was bedeutet „nachhaltig“ eigentlich? Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann. Kurz gesagt: Es sollen nicht mehr Bäume geschlagen werden als wieder heranwachsen (Carl von Carlowitz, 1645-1714). Nachhaltig kann also nur das Handeln sein, aber niemals ein Produkt.

Um Nachhaltigkeit zu demonstrieren, haben sich in den letzten Jahren unzählige Gebäudezertifizierungssysteme entwickelt. Die bekanntesten sind derzeit wohl ausländische Systeme wie LEED, CASBEE und BREEAM. Stark auf dem Vormarsch ist auch das System der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). Auch der Bund hat mit dem Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen (BnB) ein Gebäudezertifizierungsprogramm installiert. Alle Bundesbauten müssen mindestens mit dem BnB Zertifikat „Silber“ und 30 % unter dem Anforderungsniveau der jeweils gültigen EnEV errichtet werden, wobei sich BnB und DGNB gegenseitig anerkennen. Die Gesamtphilosophie im BNB-System ist die „Bewertung der Gebäudeperformance.“ Die Basis für eine Performance-Messung sind Umweltproduktdeklarationen (EPD = environmental product declarations).


Was sagen Umweltproduktdeklarationen aus?

Umweltproduktdeklarationen liefern Daten über die Umwelteinwirkung von Bauprodukten über ihre gesamte Lebenszeit. Der Weg zu Umweltproduktdeklarationen führt über die sogenannte Lebenszyklusanalyse nach DIN EN ISO 14040 und 14044. Auf deren Basis werden Daten über Rohstoffgewinnung, Transport, Produktion, Abfälle, Einbau, Nutzung Rückbau, Recycling und Entsorgung gesammelt und in einer Ökobilanz ausgewertet. Diese Daten werden für die Gebäudezertifizierungsprogramme von allen Baustoffen benötigt, um das Gebäude ökologisch bewerten zu können. Die Lebenszyklusanalyse und die Erstellung der Ökobilanz dient gleichzeitig verantwortungsbewussten Herstellern als Mittel, ökologische Verbesserungspotentiale zu erkennen und zu optimieren.

Umweltproduktdeklarationen eignen sich jedoch nicht, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Dies liegt unter anderem daran, dass sich die benötigten Daten zum einen nicht in einer absoluten Trennschärfe ermitteln lassen. Zum anderen lässt die Normung eine gewisse Bandbreite und Interpretation zu. So ist es z. B. zulässig, selbst zu entscheiden, ob in der Ökobilanz ein nationaler Energiemix oder der europäische Energiemix angesetzt wird. Dies hat vor allem in Deutschland einen relativ großen Einfluss, da hier der Anteil regenerativer Energien besonders hoch ist. Gleichzeitig ist aber auch der CO2-Ausstoß aufgrund der zahlreichen Kohlekraftwerke ebenfalls sehr hoch. Weiterhin kann die Lebensdauer des Produktes vom Hersteller selbst definiert werden. Lange Lebenszyklen verkleinern negative Umwelteinflüsse, kurze Lebenszyklen vergrößern diese.


Einfluss auf den Glasmarkt

Gebäudezertifizierungssysteme bekommen einen wachsenden Stellenwert, nicht zuletzt durch die öffentliche Förderung durch EU und Bundesregierung. Wird ein Gebäude zertifiziert, werden die Hersteller, die keine EPDs zur Zertifizierung liefern können, auch kein Glas für ein solches Gebäude liefern können. Die gute Nachricht: Glas leistet einen hervorragenden und wesentlichen Beitrag zu Energie- und CO2-Einsparung. Über den Lebenszyklus von 30 Jahren spart ein Dreifach-Isolierglas mit einem Ug-Wert von 0,7 W/m²K und einem g-Wert von 0,6 gegenüber einer 4 mm Einfachverglasung 83 mal mehr Energie ein, als zur Herstellung benötigt wurde. Innerhalb von vier Monaten ist somit bereits die Energie eingespart, die zur Herstellung des Glases benötigt wurde.

Autor:
Ralf Vornholt
Marketing Technik
Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH
Ansprechpartnerin für die Presse: Janina Wotske

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