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Zweittumor nach Prostatakrebs-Therapie

12.11.201212:13 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Das Risiko nach Bestrahlung der Prostata mittels Brachytherapie als Zweittumor einen Blasen- oder Enddarmkrebs auszubilden ist geringer als nach vollständiger Entfernung der Prostata. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle US-amerikanische Studie, die jüngst in der renommierten Fachzeitung British Journal of Urology erschienen ist.



Die Furcht, dass nach erfolgreicher Behandlung des Prostatakrebs ein Zweittumor auftritt, sitzt bei vielen Männern tief. Vor allem strahlentherapeutische Verfahren stehen in Verruf, das Auftreten von Darm- und Blasenkrebs zu begünstigen. „Zu Unrecht“, sagt Dr. Pedram Derakhshani, Urologe im Westdeutschen Prostatazentrum. Denn dank modernster strahlentherapeutischer Verfahren ist es heute möglich, gesundes Gewebe vor Strahlenschäden optimal zu schützen.

Der Frage, wie hoch das Risiko tatsächlich ist, einen Zweittumor nach Prostatakrebs-Therapie zu entwickeln, gingen nun auch Forscher des Memorial Sloan-Kettering Cancer-Centers in New York nach1. Dazu untersuchten die Wissenschaftler Daten von insgesamt 2.658 Patienten. Davon erhielten 1.348 eine radikale Entfernung der Prostata, 897 eine externe Bestrahlung und 413 eine Brachytherapie. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Zweittumore insgesamt relativ selten auftreten: So wurde zehn Jahre nach Behandlung bei durchschnittlich 10 bis 15 Prozent der Patienten erneut eine Krebserkrankung festgestellt. Am häufigsten traten dabei Blasen- oder Enddarmtumore auf. Das Risiko betrug bei den Operierten 3%, bei den Patienten, die eine externe Be-strahlung erhielten 4% und bei Patienten nach Brachytherapie lediglich 2 Prozent.

Punktgenaue Bestrahlung

„Neuere und viel zielgenauere Techniken wie die Brachytherapie führen heute dazu, dass bei den meisten Männern Darm und Harnblase kaum noch im Strahlenfeld liegen “, betont Dr. Derakhshani. „Hochmoderne Computertechnik und der Einsatz bildgebender Verfahren machen es uns möglich, das Zielgebiet millimetergenau zu erfassen und punktgenau zu bestrahlen.“
So werden bei der Brachytherapie im Gegensatz zur äußeren Bestrahlung kleinste Strahlenquellen (Seeds) direkt in den Tumor eingebracht. Die Seeds verbleiben dort über mehrere Monate und geben hochdosierte Strahlung gezielt auf das Tumorgewebe ab. „Das hat den Vorteil, dass der Tumor zerstört wird, ohne umliegendes gesundes Gewebe wie Harnblase, Dickdarm oder Schließmuskel zu beschädigen,“ so der Kölner Urologe.

Hinzu kommt die Tatsache, dass sich strahlenbedingte Veränderungen im Erbgut gesunder Zellen oft erst Jahrzehnte später tatsächlich auswirken. „Die Mehrzahl aller bestrahlten Krebspatienten ist zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung aber bereits in der zweiten Lebenshälfte“, erklärt Dr. Derakhshani. Auch dies müsse beim Vergleich möglicher Risiken mit dem Nutzen einer Behandlung immer berücksichtigt werden.

Dennoch ist es wichtig, im Rahmen der Nachsorgeuntersuchungen auch auf Zweittumore zu achten“, betont der Kölner Urologe. Blase und Enddarm sollte daher in regelmäßigen Abständen untersucht werden.

Literatur:

1Zelefsky MJ, Pei X, Teslova T, Kuk D, Magsanoc JM, Kollmeier M, Cox B, Zhang Z: Secondary cancers after intensity-modulated radiotherapy, brachytherapy and radical prostatectomy for the treatment of prostate cancer: incidence and cause-specific sur-vival outcomes according to the initial treatment intervention. BJU Int. 2012 Aug 13.

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