(openPR) Am Montagabend, dem 8. Oktober, drehte sich in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin alles um die Themen Bildung und Menschenrechte. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Max-Traeger-Stiftung (MTS) und der Verlag Barbara Budrich luden zusammen zur Podiumsdiskussion mit Vernor Muñoz, dem ehemaligen Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte/Recht auf Bildung, ein.
Bildung und Menschenrechte - eine Kombination, welche von den üblichen Bildungsdebatten in unseren Breitengraden abweicht, wenn es nicht gerade um die „unterentwickelten“ Länder geht. Doch genau dieses Vorurteil mussten die BesucherInnen überdenken, denn Vernor Muñoz zeigte die Schwachstellen der Bildungsysteme der industrialisierten Länder auf: die Illusion der Chancengleichheit, die Verschleierung der zugrundeliegenden patriarchalen Strukturen und die Ausrichtung an marktwirtschaftlichen Kriterien, welche Bildung zum Konsumgut degradiert. Mit klarer, unprätentiöser Sprache setzte sich Muñoz für eine neue Auffassung von Bildung ein, die unser historisch veraltetes, staatlich reglementiertes Bildungskonzept übersteigt und Gedankenräume öffnet, innerhalb einer universellen Kultur der Menschenrechte Lernprozesse als Lebensprozesse aufzufassen und umzusetzen.
Mit Inklusion - dem Motto, dass die ausgelegten Buttons der GEW schmückte - begann die Einstimmung auf das Abendprogramm, doch keinesfalls mit „prekärer Inklusion“, welche laut Muñoz als minderwertig stigmatisiert: Virtuos spielte der Pianist Jörg-Christoph Beyerlin romantische Stücke auf dem Flügel, während die Gäste im Hörsaal eintrafen. Hätte Martina Schmerr von der GEW es in ihrer Ansprache nicht erwähnt, wäre dem Publikum wohl nicht aufgefallen, dass Beyerlin durch einen frühkindlichen Hirnschaden behindert ist und dem Netzwerk ilan (inclusion life art network) angehört, welches KünstlerInnen mit und ohne Behinderung vereint. Dank seines absoluten Gehörs spielte er alle dargebotenen Stücke ohne Noten aus dem Gedächtnis.
Neben Martina Schmerr begrüßten Marianne Demmer, die stellvertretende Vorsitzende der GEW, und Verlegerin Barbara Budrich die Gäste. Bevor die Podiumsdiskussion begann, las Schauspieler und Sprecher Benjamin Plath Passagen aus Vernor Muñoz' Buch Das Meer im Nebel. Bildung auf dem Weg zu den Menschenrechten vor. Nachdem das Publikum auf die Gedankenwelt Muñoz' eingestimmt worden war, betrat der ehemalige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen selbst das Podium. An seiner Seite nahm Anja Mihr, Menschenrechtsexpertin der Universität Utrecht, Platz. Beide hielten Impulsvorträge, welche Aspekte des Buches hervorhoben, vertieften und in neue Zusammenhänge setzten. Der Dialog Mihr-Muñoz mündete in die Fishbowl-Diskussionsmethode: Personen aus dem Plenum betraten das Podium, um ihre Gedanken zum Gehörten mitzuteilen, auf welche wiederum die ReferentInnen Bezug nahmen. Nach Chopins „Abschiedswalzer“ zog die Veranstaltung ins Foyer um, wo bei Wein und Häppchen weiterdiskutiert wurde.
Am Muñoz-Büchertisch des Budrich Verlages stieg nach der Veranstaltung der Verkauf deutlich an. Neben der Originalität seiner Gedanken ist es die Sprache von Vernor Muñoz, welche eine Ahnung erweckt, wie das Leben in einer bewussten und gerechten Gesellschaft aussehen könnte. „Wie ein Leuchtturm, der ein Meer in den Nebel legt“ (zitiert nach Muñoz), wirft der Autor ein Licht auf den Weg der Bildung zu den Menschenrechten, gleich einem Hinweis, wie diese Herausforderung anzugehen ist.
Dr. Vernor Muñoz, Rechtsanwalt, Pädagoge und Philosoph aus Costa Rica. Vernor Muñoz war von August 2004 bis Juli 2010 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung und berichtete dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.
2009 veröffentlichte Muñoz seinen Essay El mar entre la niebla in Costa Rica, im Oktober 2012 erscheint der Band Das Meer im Nebel. Bildung auf dem Weg zu den Menschenrechten im Verlag Barbara Budrich erstmals in deutscher Übersetzung.
Vernor Muñoz
Das Meer im Nebel
Bildung auf dem Weg zu den Menschenrechten
2012. 95 Seiten. Kart. 9,90 € (D)
ISBN 978-3-86649-374-2
eISBN 978-3-8474-0301-2 (eBook)
Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte mit freundlicher Unterstützung der Max-Traeger-Stiftung (MTS) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Weitere Informationen zu Dr. Anja Mihr erhalten Sie unter http://www.anjamihr.com/, über den Pianisten Jörg-Christoph Beyerlin unter http://www.inclusion-life-art-network.de/index.php?article_id=35 und den Schauspieler und Sprecher Benjamin Plath unter http://www.benjaminplath.de/.









