(openPR) Niedersächsische Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ erzählt ab dem 1. September 2013 erstmals die Geschichte der germanisch-römischen Schlacht am Harzhorn
Im Herbst 2013 wird die „Löwenstadt“ Braunschweig zur Römerstadt – vom 1. September 2013 bis zum 19. Januar 2014 präsentiert das Braunschweigische Landesmuseum die Niedersächsische Landesaustellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“. Im Fokus der Landesausstellung stehen die aufsehenerregenden Funde eines germanisch-römischen Schlachtfeldes, das im Jahr 2008 zufällig im Landkreis Northeim, ca. 60 km süd-westlich von Braunschweig, entdeckt wurde. Zum ersten Mal werden die Original-Fundstücke vom Schlachtfeld am Harzhorn der Öffentlichkeit präsentiert, ergänzt durch hochkarätige Leihgaben aus europäischen Museen. Die Landesausstellung wird die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Fundort und zum Kampfgeschehen präsentieren, greift thematisch aber über die Schlacht hinaus. Beleuchtet wird die germanisch-römische Geschichte von 9 n. Chr. bis zum Ende der Ära der Soldatenkaiser. Die Situation des Römischen Reiches und die Lebenswelt der Römer werden genauso behandelt wie die Verhältnisse in Germanien. Ein besonderes Augenmerk gilt den letzten Vertretern der Severischen Dynastie, Alexander Severus und seiner Mutter Julia Mamaea, sowie dem ersten Soldatenkaiser Maximinus Thrax (235-239 n. Chr.), der relativ gesichert als Urheber des Kampfgeschehens am Harzhorn identifiziert werden kann.
„Archäologen und Wissenschaftlern ist es gelungen, die Funde vom Harzhorn nach fast 1800 Jahren wie ein Puzzlespiel zusammenzusetzen. Damit bietet sich für die Landesausstellung die einmalige Chance, hier in Braunschweig und auch am Harzhorn selbst einen fast plastischen Einblick in den Verlauf einer bedeutenden Schlacht zu geben. Die Präsentation erweitert die germanisch-römische Geschichte um ein neues Kapitel, was wir den Menschen lebensnah präsentieren werden“, sagte Niedersachsens Kulturministerin, Professor Dr. Johanna Wanka. Die Ministerin lobte zudem, dass die Braunschweiger Kultureinrichtungen darüber hinaus im kommenden Jahr mit dem gemeinsam Projekt „1913 – Braunschweig zwischen Monarchie und Moderne“ einen weiteren Magneten für Museumsbesucher und Touristen böten.
„Wir hoffen darauf, aus den Kapitolinischen Museen in Rom eine zeitgenössische Büste von Maximinus Thrax ausleihen zu können“, erzählt Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums. „Wir haben in ganz Europa hochkarätige Leihgaben angefragt, die die Original-Funde vom Harzhorn ergänzen werden. Viele Museen im In- und Ausland haben sofort ihre Unterstützung signalisiert, der Name „Harzhorn“ öffnet Türen. Die wissenschaftliche Welt wartet mit größtem Interesse auf die Landesausstellung, im wissenschaftlichen Beirat versammeln sich Forscher von Kopenhagen bis Wien.“
Damit die Landesausstellung nicht nur Forscher-Herzen höher schlagen lässt, sondern vor allem die Besucher begeistert, soll das Geschehen so lebensnah wie möglich präsentiert werden. Bei der Auswahl der Agentur für das Ausstellungsdesign spielte es eine wesentliche Rolle, welche Vorschläge für die Inszenierung des Kampfgeschehens gemacht wurden. In Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entsteht auf der Basis von Airborne-Daten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ein 3-D-Modell des Geländes, auf dem via Projektion das Schlachtgeschehen zum Leben erweckt wird. „Man wird anhand des Modells, aber auch an Inszenierungen an anderen Stellen in der Ausstellung deutlich erkennen können, dass es sich um Krieg und Gewalt zwischen zwei hochgerüsteten Armeen handelte – die Germanen waren nicht weniger professionell unterwegs als die Römer, mit dem Vorurteil von planlos keulen-schwingenden Laien auf germanischer Seite möchten wir ein für alle Mal aufräumen“, betont Dr. Heike Pöppelmann.
Das Schlachtfeld am Harzhorn wird seit nunmehr vier Jahren vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Kreisarchäologie des Landkreises Northeim in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin erforscht. Über 2500 Relikte des Kampfes zwischen Römern und Germanen wurden inzwischen geborgen, die Funde streuen über eine Strecke von 1,4 km. Außergewöhnlich ist nicht nur die schiere Menge der Funde, sondern auch ihr Erhaltungszustand: der kalkhaltige Untergrund der Hügelkette im Harzvorland hat die Objekte, die in der Regel nur 10 cm unter der Erdoberfläche gefunden werden, bestens konserviert.
Die ungewöhnlich große Menge an Fundobjekten versetzt die Archäologen darüber hinaus in die Lage, das Schlachtgeschehen im Detail rekonstruieren zu können. Wo hatten sich die Germanen positioniert, um die von der Ausrüstung überlegene römische Armee anzugreifen? Wie haben die Römer auf den Überraschungsangriff reagiert, welche Teile der riesigen Armee haben sich wo und wie zur Wehr gesetzt? Wie lang hat sich die Schlacht hingezogen? Und die wichtigste Frage: wer hat gewonnen?
Flankiert wird die Landesausstellung von Projekten in den zwei anderen staatlichen Museen in Braunschweig. Das Staatliche Naturhistorische Museum wird mit der Ausstellung „Wildes Germanien“ den Naturraum und die Tierwelt Norddeutschlands während des 2. bis 4. Jhs. n. Chr. rekonstruieren, während das Herzog Anton Ulrich-Museum in der Kemenate der Burg Dankwarderode „Römer und Germanen beim Schachspiel“ zeigt – eine Ausstellung zur künstlerischen Rezeption des kaiserzeitlichen Italiens in der frühen Neuzeit.
Ein besonderer Trumpf ist die Nähe zum Original-Schauplatz: das Schlachtfeld am Harzhorn liegt nur 60 km süd-westlich von Braunschweig und ist über die Autobahnen A39 und A7 problemlos erreichbar. Ein Besuch am Harzhorn ist umso mehr empfehlenswert, als das Schlachtfeld bis Herbst 2013 mit einem Infozentrum und einem Infopfad für Besucher erschlossen wird. Gänsehaut inklusive – die heute idyllische Waldlandschaft steht in krassem Gegensatz zu den blutigen Geschehnissen vor 1800 Jahren …










