(openPR) Stellungnahme der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) zu Sicherheit in sensiblen Verwaltungsbereichen
Am gestrigen Mittwoch hat eine 32-jährige Mitarbeiterin des Neusser Jobcenters durch eine Messerattacke eines 52 Jahre alten Kunden ihr Leben verloren. Die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) hat das mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen. "Leider müssen wir aber feststellen, dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt", erklärt der Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes, Markus Schallenberg. "2007 kam es in einem Jobcenter in Aachen zu einer Geiselnahme, im Mai 2011 randalierte eine 39-Jährige in einem Frankfurter Jobcenter und verletzte einen Polizisten mit dem Messer, im gleichen Jahr verwüstet ein Verwirrter die Einrichtung des Jobcenters in Berlin-Tempelhof mit einer Axt und bedroht dort die Beschäftigten, mit brachialer Gewalt schlug ein Mann 2011 auf einen Service-Mitarbeiter des Aachener Finanzamtes ein, die Liste ließe sich fortsetzen", sagt Schallenberg.
In den letzten Jahren beobachten auch Feuerwehr, Polizei und Sanitäter, dass den dort Beschäftigten immer aggressiver und brutaler begegnet werde. "Wir vermissen von Seiten des Arbeitgebers, dass Verantwortung für die Mitarbeiter übernommen wird. Gerne werden Argumente angeführt, die sich auf eine Vertrauenskultur beziehen, die man in Behörden wie Finanzämtern und Jobcentern oder auch Ordnungsämtern gegenüber den Kunden betonen möchte. An den Schutz der Mitarbeiter denkt kaum einer", moniert Schallenberg.
Oft seien es bauliche Mängel in den Behörden, bei denen die Probleme beginnen. "Viele Büros haben weder Barrieren, die eine Sicherheitsdistanz zwischen Mitarbeitern und Kunden sicherstellt", erklärt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, der selbst in einem Jobcenter beschäftigt ist. Kunden sitzen zum Teil seitlich zum Mitarbeiter und sind plötzlichen Übergriffen wehrlos ausgesetzt. "Zudem sind häufig keine Fluchtwege vorhanden", bemängelt er. Auch das Vier-Augen-Prinzip würde Beschäftigten in kritischen Verwaltungsbereichen Sicherheit bieten. "Wer alleine im Büro sitzt, kann sich im Notfall nur selber helfen", sagt Schallenberg.
Weiterer Kritikpunkt sind fehlende Alarmierungssysteme. "Selbst, wenn es einen privaten Sicherheitsdienst im Haus gibt, können Mitarbeiter häufig nicht auf ihre Gefahrensituation aufmerksam machen", so der Vorsitzende des gewerkschaftlichen Dachverbandes weiter. In diesen Bereichen fordert darum die dbb jugend nrw umgehend Abhilfe. Durchgängig müssten qualifizierte Sicherheitsdienste zu den Öffnungszeiten in allen sensiblen Verwaltungsbereichen mit Kundenkontakt eingesetzt werden. Außerdem fordert die dbb jugend nrw, dass von Kunden Gefährdungsprofile erstellt werden dürfen, die mit den Daten der Polizei abgeglichen werden können. "Bislang wissen Mitarbeiter in Jobcentern und anderen Verwaltungsbereichen nicht, ob jemand schon einmal übergriffig wurde, vielleicht wegen Körperverletzung auffällig geworden ist oder vorbestraft ist", weiß Schallenberg. Deeskalationsseminare helfen dann auch nur bedingt, wie der furchtbare Fall in Neuss gestern einmal mehr gezeigt hat.
Die Politik lässt die Beschäftigten der staatlichen Institutionen alleine und das, obwohl die Wut und die Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber immer größer wird.













