(openPR) 07.08.2012 Bonn/Lahore: Fast zwei Jahre nach der großen Überschwemmung in Pakistan hat sich an der Not der Bauern des Landes nichts geändert. Der jährliche Monsun-Regen und die weit verbreitete Korruption im Land, haben zu einer ständige Bedrohung ihrer Lebensgrundlage geführt. Wie Fr. Samson OFM (Sindh) von der Caritas Pakistan berichtet, haben die zuständigen Behörden aus den Millionen Spendengeldern, die nach der Flut ins Land flossen, kein nachhaltiges Wiederaufbauprogramm initiieren können. Stattdessen leiden die ärmsten Farmer unter den Machenschaften einflussreicher Großgrundbesitzer. Diese zerstören Dämme, um die Wassermassen aus den ständig steigenden Flüssen von ihren eigenen Ländereien fernzuhalten und leiten sie damit oft direkt auf die Felder schutzloser Bauern. Wie die Farmer Ayub Thari aus Mir Pur Sakro, Mutalib Soolangi aus Tando Agha und Suleman Lashari aus Haji Sultan Khanll berichten, konnten sie aufgrund von Überschwemmungen wiederholt keine Ernte einholen.
In einem Gespräch mit Fr. Samson OFM schildern sie zudem ihre Perspektivlosigkeit. Mit dem klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels sind in den nächsten Jahren noch mehr Naturkatastrophen zu erwarten und das ganz ohne Aussicht auf staatliche Schutz - oder Vorsorgemaßnahmen. "Die Regierung unterstützt uns nicht. Wir selber können uns nicht helfen. Außer unserem Glauben bleibt uns Nichts", sagen die Bauern. Nach Ansicht von Fr. Samson OFM und Salesianerpater Miguel SDB (Lahore) haben auch die Maßnahmen vieler externer Hilfsorganisation nichts an der Lage der Flutopfer ändern können. Die Hälfte der neu errichteten Unterkünfte war von so schlechter Qualität, dass sie bereits zusammengefallen sind. Fr. Samson OFM regt sich zudem über den großflächigen Bau von Toiletten auf, die von der Bevölkerung nicht genutzt werden. Stattdessen wünscht er sich, dass Spendengelder für weitaus dringendere Belange genutzt werden. So sei die medizinische Versorgung im Land immer noch nicht gesichert.
Während Überschwemmungen im Jahr 2011 starben 30000 schwangere Frauen, die es nicht schafften, Krankenhäuser zu erreichen. Auch die hygienischen Zustände in den medizinischen Einrichtungen des Landes seien fatal, sagt er. Darüber hinaus mangele es in Pakistan an ausgebildeten Ärzten. Wichtig sei es außerdem, die Flutopfer beim Bau sicherer Unterkünfte und dem Anbau schnell wachsender Saatgüter wie grünen Chilis zu unterstützen. Dabei muss beim Implementieren all dieser Maßnahmen sichergestellt werden, dass die zur Verfügung gestellten Gelder nicht in den Taschen korrupter Politiker landen. Die Salesianer Don Boscos hingegen, die mit der lokalen Caritas und der Zustimmung des örtlichen Bischofs, den Wiederaufbau eines Dorfes im Überflutungsgebiet finanziert und koordiniert hatten, zogen eine etwas optimistischere Bilanz. Die Wiederaufbaupläne wurden mit dem Militär abgestimmt und die Besitzverhältnisse vorab geklärt. Eine Beteiligung der Familien an den vorbereitenden Baumaßnahmen war verbindlich. Die beteiligten Bauexperten rekrutierten sich aus 50 Technikern, der Don Bosco Technical School Lahore, (Absolventen, Auszubildende aus dem 2. Lehrjahr) deren Einsatz als praktischer Beitrag zur Ausbildung gewürdigt wurde.
Entscheidend benennt Pater Miguel den Beitrag zur religiösen Toleranz, der durch die Hilfe einer katholischen Ordensgemeinschaft und vieler christlicher Mitarbeiter bei den Dorfbewohnern einen bleibenden Eindruck hinterließ- umso mehr, als das die christlichen Helfer auch gleich eine Moschee bauten. Pater Miguel beklagt weniger die schlechte Gesundheitsversorgung, als vielmehr mangelnde Bildung. Schon im Bereich der Grundbildung gibt es eklatante Defizite, besonders bei Mädchen. Don Bosco wird daher in Zukunft neben der beruflichen Ausbildung verstärkt Grundschulen bauen, die dann vom Staat übernommen werden. Bei der Bonner Don Bosco Mission wird man nicht müde auf den Vorteil kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen hinzuweisen, die aufgrund ihrer lokalen Mitarbeiter und dem langfristigen Engagement im Land die Bedürfnisse der Menschen gut kennen. Die Salesianer sind seit 1999 im Land. Erst vor wenigen Wochen wurde Pater Miguel in seiner Heimat Spanien mit dem „Orden der Isabella La Catolica“ für besondere Verdienste geehrt. Diese ist die zweithöchste Auszeichnung der spanischen Regierung.










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