(openPR) Die Landesregierung hat Nachwuchs bekommen: So etwas wie eine virtuelle Landescommunity. Am 21. August werden sich die Community-Mitglieder live und in Farbe kennenlernen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist auch dabei, ebenso zwei Mitglieder der dbb jugend nrw.
Wie erreicht man Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren am besten, um zu erfahren, wie sie die Zukunft sehen und was sie sich für die Zukunft wünschen? Über bunte Flyer, hippe Werbeplakate oder einfach online? Das mag vor der Geburt der Jukon12 eine erste Frage gewesen sein. Mit der online-Plattform #JUKON12 begibt sich die Landesregierung weiter auf ein Terrain, das sie erst vor kurzer Zeit neu für sich entdeckte.
Gefragt sind Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren. In der neu gegründeten Community sollen nun in sogenannten Denkräumen Inhalte diskutiert werden, die Ministerinnen und Minister der Landesregierung mit jungen Menschen in NRW ins Gespräch bringen.
Die gute Nachricht: es funktioniert. Matthäus Fandrejewski und Frank Meyers sind beide 23 Jahre alt und mischen für die dbb jugend nrw online und auch beim Treffen mit Hannelore Kraft sowie verschiedenen Ministerinnen und Ministern am 21. August in Essen mit. Matthäus findet allerdings, dass die Altersgrenze ruhig etwas weiter gefasst werden dürfe. In einem der Denkräume geht es inhaltlich zum Beispiel um das Thema Arbeitswelt. Damit man da mitreden kann, muss man erst mal wirklich im Arbeitsleben angekommen sein. "Nach einer Ausbildung oder auch einem Studium ist man halt nicht 23, sondern eher älter", sagt der 23-Jährige aus dem Kreis Lippe. Er selbst hätte die Altersgrenze darum bei 27 Jahren gezogen.
Wenngleich die beiden Mitglieder der dbb jugend nrw schon hippere Webauftritte und Communitys gesehen haben, so finden sie trotzdem, dass die Online-Diskussion eine gute Idee ist. "Es sind interessante Sachen dabei", sagt Frank Meyers mit Blick auf die laufenden Diskussionen in den Denkräumen. Auch wenn sich bei der Aktion der Landesregierung der Verdacht einschleicht, dass sie mit der Aktion im Netz ein bisschen Piratenpartei spielen wollen, finden es Frank und Matthäus beachtenswert, dass die Politik so offen mit jungen Leuten ins Gespräch kommen will.
Die Ministerpräsidentin weist im Online-Interview den Vorwurf zurück, man kupfere bei den Piraten ab. Das habe man gar nicht nötig und man habe selbst schon Erfahrungen gesammelt im Umgang mit Online-Foren. In der letzten Wahlperiode habe man zum Beispiel den Landeshaushalt online diskutiert und auf diesem Wege ganz gute Hinweise aus neuen Gruppierungen bekommen, die man so in die politische Entscheidungsfindung einfließen lassen konnte, erzählt sie in ihrem ersten Live-Interview zur Eröffnung der Denkräume.
Trotz der Sommerferien wird in der Jukon12-Community eifrig weiter diskutiert. Derzeit sind es über 1.700 Beiträge in fast 200 Themen-Threads. Darin geht es um Schule, Arbeitswelt, Chancengleichheit, Bildung, Umwelt und Energiefragen, Freiheit und Eigentum im Internet und Visionen fürs eigene alt werden. Was Matthäus besonders interessiert ist das Thema Arbeitswelt. Befristete Arbeit und Zeitarbeit sehen er und auch Frank als großes Problem. "Mich persönlich macht es traurig, wenn ich sehe, dass die Arbeitgeberverbände nicht einsehen, dass wir einen funktionierenden Staat brauchen. Wenn man den Beamten und Angestellten nicht angemessene Löhne zahlt, dann wird es in einigen Jahren sehr düster in unseren Verwaltungen aussehen", schreibt Matthäus darum ins Forum. Diese Auffassung will er auch bei dem Treffen mit der Landespolitik in Essen zur Sprache bringen. Er finde es peinlich, wenn Menschen, die für den Staat arbeiten, nicht genug verdienen und als Aufstocker ihr mageres Einkommen aufbessern müssen.
Frank will die Chance nutzen, um in Essen auch auf die schwierige Situation zu sprechen zu kommen, die die Kombination von demografischem Wandel und Finanzsituation in den Kommunen mit sich bringe: "Es ist schön, wenn man ein Büro ganz für sich alleine hat. Wenn das aber heißt, dass man auch die Arbeit für alle machen muss, die vorher darin saßen, ist das nicht mehr schön", spaßt er. In Wirklichkeit ist dem 23-jährigen Aachener nicht sonderlich zum Lachen zumute. Er selbst arbeitet bei einer Kommune und fürchtet, dass sich die Situation der jungen Leute dort verschlechtern werde. Die Landesregierung sei in der Pflicht, den Kommunen entsprechende Hilfestellung zu geben und das nicht nur durch Versprechungen, sondern durch aktives Handeln.
Wie hitzig die Vertreter der dbb jugend nrw Frank und Matthäus in Essen mit weiteren 300 jungen Menschen und den Vertretern der Politik diskutieren werden, werden wir sehen. Fest steht aber schon jetzt, dass beide die Jukon-Community bis dahin weiter nutzen wollen, um ihre Anliegen anzubringen. Denn Matthäus findet: "Ich finde es gut, dass sich die Landesregierung mit den Fragen der Jugendlichen befasst. Hier haben wir die Möglichkeit, unsere Meinung politisch kund zu tun." Online kann übrigens jeder mitmachen und mitdiskutieren. Wer viel mitmischt, kann dort auch noch eine von 50 WildCards bekommen und begibt sich damit ebenfalls auf den Weg nach Essen.













