(openPR) Sie heißen „Best Express“ oder „Top-Zins“ oder so ähnlich. Und sie suggerieren, es handele sich um gute Zinsanlagen für Anleger. Sind sie aber nicht; jedenfalls nicht, sofern sie so unfair konstruiert sind, wie Express-Zertifikate auf den Basiswert EuroStoxx50 weithin konstruiert sind. Mehr als 1.200 solcher Zertifikate erscheinen in einschlägigen Suchmaschinen. Sie versprechen Zinszahlungen, sofern der Aktienindex EuroStoxx50 ESTX50 an bestimmten Stichtagen definierte Werte erreicht. Der ESTX50 wird aus den Kursen der wichtigsten 50 Aktiengesellschaften Europas berechnet; aber nur aus den Kursen. Anders als beim weithin bekannten Deutschen Aktienindex DAX© werden Dividenden bei der Berechnung des ESTX50 nicht wertsteigend eingerechnet; im Gegenteil: Durch die regelmäßig vorgenommenen Dividendenabschläge an deutschen und europäischen Aktienkursen beeinflussen Dividendenzahlungen den ESTX50 nicht nur nicht positiv, sondern sogar negativ. Tatsächlich ist der übliche DAX© ein sog. Performance-Index. Der üblicherweise verwendete ESTX50 ist dagegen ein Preis- oder Kurs-Index. Von beiden Indizes werden regelmäßig auch die anderen Varianten berechnet. Verwendet werden aber vielfach – selbst in vergleichenden Gegenüberstellungen – die Performance-Variante des DAX© und die Preis-Variante des ESTX50.
Soweit Anlegern mit Express-Zertifikaten Verzinsungen in Aussicht gestellt werden, die sich aus ESTX-Aktien ergeben, so müssen sich diese Verzinsungen auf die Dividenden der entsprechenden Aktien beziehen: Dividenden sind faktisch die Verzinsungen von Aktien. Soweit diese Dividenden aber gar nicht – oder allenfalls negativ – in den ESTX50 eingerechnet werden, ist diese Art Zertifikat-Konstruktion ein in höchstem Maße unmoralisches Angebot. Betroffene Anleger sind geneigt, von vorsätzlich strafbarer Handlung und Täuschung zu sprechen. Mehrere Stichproben in den Bedingungen der 1.220 ESTX50-Express-Zertifikate haben nicht ein einziges Exemplar zu Tage gebracht, dass sich nicht auf die reine Kursvariante des Europa-Index bezieht.
Soweit Anleger für solche Zertifikate dennoch schon mal die versprochenen Zinsen erhalten haben, so ist dies das Ergebnis von Veränderungen der allgemeinen Aktientendenz. Es ist also nicht das Ergebnis der Verzinsungen durch Dividenden aus Aktien, sondern das Ergebnis von Aktienkurs-Spekulationen. Dieser reine Spekulations-Charakter dieser ESTX-Zertifikate passt sicher nicht in die Risikoklasse, für die solche, vordergründig auf Zinseinnahmen abzielende Zertifikate gemeinhin als geeignet bezeichnet werden. „Auf dieser Basis sehen wir Chancen, eingetretene Verluste einklagen zu können“, meint Rechtsanwalt Joachim K. Schweiger von der Kanzlei DSKP.de in Düsseldorf: „Es kann nicht angehen, dass Banken mit solchen vorsätzlichen Anlegertäuschungen durchkommen und daran verdienen, dass Anleger verlieren.“
Düsseldorf, 23. Juli 2012
Joachim K. Schweiger, Rechtsanwalt für Kapitalanlegerrecht






