(openPR) Kapitalanlagerecht: Lehman-Brothers Zertifikate
Zertifikate von Lehman-Brothers sind wertlos. Den Anlegern droht der Totalverlust einer als sicher empfohlenen Kapitalanlage. Bei Vorliegen einer unrichtigen oder unvollständigen Beratung durch die beratende Bank, haftet diese für den entstanden Schaden der Anleger.
Die Entwicklung
Alles begann im Jahr 1987, als erstmals die DG Bank, Vorgängerin der genossenschaftlichen DZ Bank, Optionsscheine auf Aktien der AGAB auf den Kapitalmarkt brachte. Das erste Indexzertifikat wurde von der Dresdner Bank 1990 auf den DAX herausgegeben. Man warb mir verlockenden Konditionen, sowohl für Anleger als auch für Emittenten: Die Banken konnten schnell und unkompliziert auf alle möglichen und unmöglichen Basisinstrumente Zertifikate begeben.
Das Risiko war damals noch niemandem bewusst. Man wog sich in Sicherheit, denn seit der Herstatt-Pleite 1974 waren Anleger und Sparer deutscher Banken und Sparkassen durch entsprechende Sicherungseinrichtungen bei Pleiten geschützt. Und in Amerika hatte ja schließlich seit dem 2. Weltkrieg kein Anleger mehr bei einer Bank einen Verlust seines Geldes zu beklagen. Die Kundeneinlagen wurden schließlich allesamt zurückbezahlt, so der Aktienguru von damals, Andre Kostolany.
Erste Anzeichen möglicher Mängel dieses „so viel versprechenden Konzepts“ ergaben sich erst 2000-2003, als die internationalen Börsen erhebliche Verluste verzeichneten. So kam es etwa bei den wohl bekanntesten Kursriesen Allianz und Münchener Rück zu Kursrückgängen von 90 Prozent. Warnungen der Börse Online, die die inzwischen in zwei Verbänden organisierte Derivatebranche mehrmals in den vergangen Jahren auf die für Anleger riskante Situation wegen der unzureichenden Sicherheit ansprach, wurden schlicht ignoriert.
Das nächste Anzeichen folgte dann am Wochenende 15./16. März 2008:. Mit Hilfe der US-Notenbank übernimmt das Konkurrenzinstitut JP Morgan die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns, um diese vor dem Ende zu retten. Auch in Deutschland sind Zertifikate von Bear Stearns aktiv, sie blieben jedoch einige Wochen vom Kurs ausgesetzt und wurden dann von JP Morgan weiter geführt.
Scheinbar völlig unbeeindruckt wurde im Juli 2008 dann auch noch von der DAB Direktanlagebank für ein Zertifikat von Lehman Brothers geworben: „Sichern Sie sich vier Jahre lang 6 Prozent Zinsen p.a. mit der Deutschland Garant Anleihe“. Auch die Dresdner Bank hat Zertifikate von Lehman-Brothers beworben und vermittelt.
Der große Schock kam dann jedoch am Wochenende 13./14. September 2008 am amerikanischen Bankenhimmel: Merrill Lynch rettet sich mithilfe der Bank of America Lehman Brothers, nachdem sie wochenlang vergeblich nach Investoren gesucht und zuletzt auf eine Übernahme durch Konkurrenten gehofft hatte. Am Montag, 15. September 2008, dann kommt es zum Insolvenzantrag und letzten Schutz durch den amerikanischen Konkursparagraphen „chapter eleven“. Erst an diesem Tag ändern die beiden marktführenden Ratinginstitute ihre Ratings von den Investmentgrades A2 auf B3 beziehungsweise A auf SD (selective default).
Keiner äußert sich zu den erschreckenden Ereignissen, und den Anlegern bleibt es nur, zu hoffen: Vorläufig bleiben die Kurse ausgesetzt, und ob es zu Rückzahlungen kommt, hängt vom weiteren Verlauf des „chapter 11“-Verfahrens ab.
Lehman Brothers -Anleger haben jedoch – wie bisherige Entwicklungen zeigten – eine nur geringe Chance, denn warum sollte es unter diesen Umständen zu einer Revitalisierung kommen?
Was macht Zertifikate so risikoreich?
Das gravierende Risiko liegt hier klar in dem fehlenden Schutz! Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen der emittierenden Bank. Sie unterliegen keiner Einlagensicherung und bei Insolvenz ist das Geld schlichtweg verloren ( "Bonitätsrisiko" beim Zertifikatekauf ).
Man sollte also auch stets den Blick ins Kleingedruckte nicht unterschätzen: In der Kundeninformation der "4 x 6 % Deutschland Garant Anleihe" von Lehman wird angemerkt: "Eine Rückzahlung am Ende der Laufzeit erfolgt zu 100 % des Nennbetrags pro Anleihe und hängt vom Kreditrisiko der Emittentin ab."
Dies führt zum potenziellen Risiko, dass bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten ein Totalverlust des investierten Kapitals eintritt. Zwar erscheint angesichts der Tatsache, dass die meisten Zertifikate von renommierten, finanziell soliden Banken ausgegeben werden, dieser Fall als eher unwahrscheinlich, dennoch sollte sich jeder Anleger dieses Risikos bewusst sein und sich mit der Bonität des Emittenten vertraut machen. Die aufgezeigten Ereignisse sind wohl Beweis genug, dass auch renommierende Banken nicht immer sicher sind.
Weitere Risikoquellen sind, dass es wie bei allen anderen Anlageprodukten auch Kosten gibt, die letztlich vom Anleger getragen werden. Die Höhe ist aber dem Anleger in den seltensten Fällen transparent: Denn es gibt bei Zertifikaten keine Verpflichtung des Emittenten zum Ausweis der voraussichtlichen oder tatsächlich angefallenen Kosten. Schließlich endet das darin, dass Emittenten vielfach davon profitieren, dass sie regelmäßig übermäßige Verwaltungskosten einbehalten.
Den Überblick über die Zertifikatsarten und die damit verbundenen unterschiedlichen Risiken zu behalten, ist fast unmöglich. Es gibt kaum riskante Zertifikatsanlageformen, dagegen kann bei anderen, wie etwa dem sog. Hebel-Zertifikat eine sehr hohe Gefahr des Totalverlusts bestehen: Hier richtet man sich nach bestimmten Strike-Werten. Bei Über- bzw. Unterschreiten des Strikes kann das Zertifikat wertlos verfallen!
Dieses enorme Risiko macht unschwer deutlich, wie ungeeignet Zertifikate für die Altersvorsorge sein können.
Wie viele sind betroffen?
Inzwischen gibt es rund 300.000 Derivate (Optionsscheine und Zertifikate) allein am deutschen Kapitalmarkt.
Zwar gilt Lehmann Brothers nicht als weit verbreitet auf dem deutschen Zertifikatemarkt. Bei dem Finanzportal Onvista sind jedoch 139 Zertifikate genannt, deren Emittent die amerikanische Bank Lehman-Brothers ist. Wie anlagebereit die Deutschen aber sind, zeigt sich auf erschreckende Art und Weise: innerhalb eines halben Jahres werden in Deutschland rund 136 Milliarden Euro im Handel mit Zertifikaten umgesetzt.
Soweit Ihnen z.B. von der Dresdner Bank, DAB Direktanlagebank oder anderen Banken Zertifikate von Lehman-Brothers vermittelt wurden und Sie über die besonderen Risiken nicht oder nicht ausrechend aufgeklärt wurden, haben Sie einen Anspruch auf Schadenersatz in Höhe der Einlagen zzgl. Zinsen und Agio gegen die beratende Bank.
Hier ist durch einen im Kapitalanlagerecht spezialisierten Rechtsanwalt zu prüfen, ob eine Beratungs- oder Aufklärungspflichtverletzung vorliegt und der Anspruch nicht verjährt ist.
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