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Infektionsschutz: Auf dem Weg – noch nicht am Ziel

19.07.201215:39 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Infektionsschutz: Auf dem Weg – noch nicht am Ziel

(openPR) Umfrage bestätigt Erfolg einzelner Maßnahmen, aber Mangel an Gesamtstrategien


Berlin, 10. Juli 2012. Eine optimale Umsetzung von Hygienemaßnahmen wird in deutschen Krankenhäusern immer noch vor allem durch Personal-, Finanz- und Informationsmangel erschwert. Das ist das Ergebnis einer online basierten Umfrage zum Thema „Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern: Strategien und Standards“, die die Initiative Infektionsschutz im Frühjahr 2012 durchgeführt hat. Über 1.860 Krankenhäuser wurden angefragt, an dieser Erhebung teilzunehmen. Ziel war es, einen aussagekräftigen Eindruck zu gewinnen, wie die Entscheidungsträger in deutschen Kliniken mit der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben umgehen und welche Voraussetzungen in den Häusern gegeben sind.



„Die Umfrageergebnisse verdeutlichen die Situation deutscher Krankenhäuser: In einigen Bereichen des Hygienemanagements sind wir sehr gut aufgestellt“, betont Prof. Dr. Axel Kramer, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. „Um aber die Gesetzesvorgaben zu erfüllen, brauchen wir vor allem eines: mehr und wirklich gut ausgebildetes Hygienefachpersonal.“ Durchschnittlich bewerten die Teilnehmer der Umfrage die derzeitige allgemeine personelle Situation nach Schulnoten lediglich mit drei. Darüber hinaus geben über 60% der teilnehmenden Krankenhäuser mit über 400 Betten an, keinen hauptamtlichen Krankenhaushygieniker zu beschäftigen. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention forderte das bereits 2009 in ihrer Empfehlung „Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen.“

Andere rechtliche Vorgaben werden bereits in der Mehrheit der Krankenhäuser umgesetzt. Im Bereich „Leitlinien und Standards“ sind die meisten Häuser schon gut aufgestellt, so verfügen bspw. über 99% der Häuser über eine Leitlinie zur Händehygiene und 85% über ein Notfallkonzept mit Sofortmaßnahmen bei MRE-Ausbrüchen. 91% der Häuser geben an, über eine Hygienekommission zu verfügen, deren personelle Zusammensetzung sich nach der entsprechenden Länderhygieneverordnung bzw. RKI-Richtlinie richtet. „Die Arbeit der Hygienekommission ist vor allem für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen vor Ort wichtig“, bekräftigt Dr. Dipl.oec. Colin M. Krüger, MBA, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Visceral- und Gefäßchirurgie am Vivantes Humboldt-Klinikum und Gesundheitsökonom. „Darüber hinaus sollte die Hygienekommission auch für die notwendigen Fortbildungen des Krankenhauspersonals Sorge tragen.“

Die Umfrageergebnisse zeigen gravierende Defizite im Bereich Screening. Lediglich die Hälfte der Häuser, die sich an der Umfrage beteiligt haben, führen ein MRSA-Screening gemäß KRINKO-Indikationen durch. 6% der Befragten antworten, nie ein Screening durchzuführen. Nachholbedarf besteht auch im Bereich des Mitarbeiterscreenings: so führen 51% kein Mitarbeiterscreening in Ausbruchssituationen durch.

Um die Verbreitung multiresistenter Erreger nachhaltig einzudämmen, muss der rationale Umgang mit Antibiotika gefördert werden. Laut Umfrageergebnissen gibt es in 64% der Häuser keine regelmäßigen Antibiotic Stewardship Programme (ABS). Über 43% der Teilnehmer geben an, keine speziellen Verfahren zur Überwachung des Antibiotikaverbrauchs zu nutzen. „Es macht langfristig keinen Sinn, alleine durch Hygienemanagement die Ausbreitung bereits resistenter Erreger zu kontrollieren, wenn nicht gleichzeitig Strategien implementiert werden, die die Resistenzbildung und Selektion neuer antibiotikaresistenter Bakterien eindämmen“, sagt Prof. Dr. Ojan Assadian, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. „Denn eine unreflektierte Verwendung von Antibiotika fördert in allen Bereichen die Bildung von Multiresistenzen“, so der Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie sowie Infektiologie und Tropenmedizin.

An der Umfrage der Initiative Infektionsschutz nahmen vorwiegend Hygienefachpflegekräfte, Chefärzte sowie Hygienebeauftragte Ärzte aus Häusern mit einer Größe von 200 bis 1000 Betten teil. Der Fragebogen umfasste insgesamt 77 Fragen, u. a. zu konkreten Leitlinien und Standards, Verfahrensweisen bei Screening, Surveillance und Antibiotikagabe. Der Fragebogen war für einen Zeitraum von elf Wochen auf der Website der Initiative verfügbar und wurde darüber hinaus an 1.860 Krankenhäuser deutschlandweit verschickt. Knapp 900 Interessierte haben den Fragebogen abgerufen und insgesamt konnten 229 vollständige Datensätze ausgewertet werden. Die Umfrageergebnisse bildeten die inhaltliche Grundlage für Workshops und Vorträge des Berliner Hygienesymposiums, das in Kooperation mit der PEG – DIE AKADEMIE am 15. Mai erstmalig stattfand. Über 180 Teilnehmer diskutierten hier über Strategien und Maßnahmen zur Eindämmung nosokomialer Infektionen.


Die detaillierte Auswertung der Umfrage ist auf der Website der Initiative Infektionsschutz unter www.initiative-infektionsschutz.de abrufbar.

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